22.04.2009 · Während die Börsianer auf den Erfolg geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen wetten, scheint sich der Währungsmarkt angesichts der rasant zunehmenden Verschuldung weltweit nicht entscheiden zu können, welches die kritischste Entwicklung ist.
An den Börsen hat sich in den vergangenen Wochen trotz all der verbleibenden Risiken so etwas wie eine positive Grundstimmung herausgebildet. Anleger tendieren dazu, hereinkommende Nachrichten positiv zu interpretieren und neigen zum Kauf von Aktien.
Die Marktteilnehmer am Devisenmarkt dagegen scheinen angesichts extrem tiefer Zinsen, vergleichsweise geringer Zinsdifferenzen, rasch wechselnder Konjunkturerwartungen und vor allem auch angesichts der gigantischen geld- und fiskalpolitischen Impulse nicht mehr so richtig zu wissen, was positiv oder negativ für eine Währung genommen werden kann.
Dollar zeigt sich trotz schwacher Daten und rasanter Verschuldung robust
So zeigt sich der Dollar vergleichweise stark, obwohl die „Rettungsmaßnahmen“ der amerikanischen Regierung und der Zentralbank die Schulden und Geldmenge in kürzester Zeit auf astronomische Höhen katapultieren. Das amerikanischen Budgetdefizit lag schon Ende des vergangenen Jahres bei knapp sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes und wird mit großer Wahrscheinlicnkeit auf bis zu zwei Billionen Dollar oder knapp 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im laufenden Jahr zunehmen.
Auf der anderen Seite sind die Importe des Landes jedoch wegen der Wirtschaftsschwäche und der Zunahme der Sparquote der amerikanischen Haushalte in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. Das führte dazu, dass das Handelsbilanzdefizit in kurzer Zeit stark geschrumpft ist.
Zudem haben in den vergangenen Monaten viele amerikanische Anleger und Unternehmen Vermögen aus dem Ausland abgezogen und in den Binnenmarkt zurückgeholt. Das mag zur robusten Entwicklung der amerikanischen Währung beigetragen haben. Gleichzeitig zeigen die jüngsten Daten des Internationalen Währungsfonds, dass viele Schwellenländer von der Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen sind und aufgrund eines vergleichsweise hohen Refinanzierungsbedarfs harte Devisen nachfragen. Auch das mag den Dollar stützen.
Ferner zeigen sie die fragile Finanzierungslage vieler mittel- und osteuropäischer Staaten. Aufgrund einer hohen Auslandsverschuldung und eines hohen Finanzierungsbedarfs sind auch sie auf der Suche nach harten Devisen. Allerdings sind ihre Kreditgeber vor allem unter den jetzt schon angeschlagenen europäischen Banken zu finden. Sie haben in den vergangenen Monaten vergleichsweise wenige ihrer Problempositionen abgeschrieben und müssen ihr Kapital künftig sehr wahrscheinlich stark erhöhen. Der internationale Währungsfonds geht davon aus, dass der noch offene Kapitalbedarf europäischer Banken bei etwa 600 Milliarden Dollar liegt.
Auch in anderen Währungsräumen sieht es nicht anders aus
Mit Blick auf solche Probleme gehen manche Analysten davon aus, dass die europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockern und eventuell sogar alternative Strategien einschlagen muss. Deswegen und mit Blick auf die Strukturrisiken Europas, die sich primär in divergierenden Produktivitäten und Kreditspreads sowie inkonsistenten Wirtschaftspolitiken zeigen, betrachten sie den Euro vergleichsweise skeptisch. Allerdings scheint die europäische Währung ähnlich wie der Yen bisher alleine aufgrund ihrer Größe und Wichtigkeit von ihrem Status als „Antidollar“ profitieren können.
Selbst das britische Pfund hat nach der massiven Abwertung der vergangenen Monate scheinbar seinen Boden gefunden. Am Mittwoch steht es nur leicht in der Defensive, obwohl Finanzminister Alistair Darling eine Rekordverschuldung des Landes und Steuererhöhungen angekündigt hat. In den kommenden fünf Jahren würden die Defizite des Staates bei 700 Milliarden Pfund liegen, alleine im laufenden Jahr bei 12,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.
Angesichts der Verschuldungsspirale der vergangenen Jahre, die sich sowohl im privaten Sektor - vor allem bei den Finanzunternehmen - als auch im öffentlichen Bereich zeigt, scheint sich zumindest der Devisenmarkt im Moment nicht richtig entscheiden zu können, welches die kritischste der schwierigen Entwicklungen ist. Deswegen dürfte die Kursentwicklung in vielen Währungen bis aus weiteres wetterwendisch bleiben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |