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Devisenmarkt Türkische Lira profitiert von Bewegung im Zypern-Streit

07.12.2006 ·  Mit deutlichen Kursgewinnen reagieren die türkischen Finanzmärkte auf das Entgegenkommen der Türkei im Zypernstreit mit der EU. Börse und Lira legen zu, sind jedoch nicht ohne Risiken.

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Mit deutlichen Kursgewinnen reagieren die türkischen Finanzmärkte auf das am Donnerstag bekannt gewordene Entgegenkommen der Türkei im Zypernstreit mit der EU. Die türkische Börse legt um 2,48 Prozent zu, die Währung verbucht Kursgewinne. Die Lira gewinnt gegen den Dollar knapp ein Prozent auf bis zu 1,4308 Lira je Dollar, gegen den Euro sogar um etwas mehr als ein Prozent auf bis zu 1,9019 Lira je Euro.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte am Donnerstag in Berlin, es scheine „eine vorsichtige Bereitschaft der Türkei zu einem Entgegenkommen zu geben“. Aus finnischen Diplomatenkreisen war zuvor verlautet, die Türkei habe angeboten, mindestens einen Hafen und einen Flughafen für Schiffe und Flugzeuge aus der Republik Zypern zu öffnen. Angesichts dieser Entwicklung wurden die am Donnerstag morgen eröffneten Beratungen der EU-Mitgliedstaaten über die Zukunft der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei vorerst unterbrochen, wie aus Diplomatenkreisen verlautete.

Wird der Weg zu Verhandlungen über EU-Beitritt doch noch frei?

Die Botschafter der EU-Mitgliedstaaten wollten sich in den Beratungen mit dem Vorschlag der Kommission befassen, die Beitrittsverhandlungen teilweise auf Eis zu legen, bis die Türkei ihren Verpflichtungen nachkomme und die Zollunion mit der EU auf deren Mitgliedstaat Zypern ausweite. Mit der Öffnung eines Flug- und eines Seehafens für griechisch-zyprische Flugzeuge und Schiffe würde diese Forderung teilweise erfüllt. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen ist das türkische Angebot jedoch mit einer Bedingung verknüpft: Die Türkei fordere, daß die EU Handelsbeschränkungen gegen den international nicht anerkannten Nordteil Zyperns aufhebt.

Am Montag kommen die EU-Außenminister in Brüssel zusammen, um über die Zukunft der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zu beraten. Spätestens beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs Ende der kommenden Woche muß ein Beschluß fallen. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Staatspräsident Jacques Chirac, der finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen und weitere Regierungschefs hatten bereits Zustimmung zum Vorschlag der EU-Kommission geäußert, die Verhandlungen in Teilen auszusetzen. Der Kommissionsvorschlag stößt aber nicht in allen Mitgliedstaaten auf Zustimmung. Die britische Außenminister Margaret Beckett etwa warnte am Mittwoch vor einer zu harten Gangart.

Insgesamt scheint nun doch noch eine Einigung in dieser Frage möglich zu werden und den Weg für die Verhandlungen frei zu machen. Für die Türkei hängt davon viel ab. Denn das Land verspricht sich von einem EU-Beitritt wirtschaftlichen Rückenwind, der unter anderem von Direktinvestitionen und zunehmendem Handel mit der Europäischen Union ausgehen soll. Diese Entwicklung soll dazu beitragen, den Wohlstand im Lande weiter zu steigern und das Land wirtschaftlich weiter zu stabilisieren.

Türkische Wirtschaft längst noch nicht vor Turbulenzen gefeit

Immerhin geht es nach der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2000 und 2001 aufwärts. Eine gewisse fiskalische Disziplin und Reformen führten zu einer positiven Entwicklung makroökonomischer Daten. Der IWF gewährte der Türkei in den Jahren 2002 bis 2004 Kredite in Höhe von insgesamt 31 Milliarden Dollar. Ein Stand-by-Abkommen vom Mai 2005 enthält Zusagen in Höhe von zehn Milliarden Dollar, die primär dazu genutzt werden sollen, der Türkei die Schuldentilgung zu erleichtern. Dieses Abkommen soll das letzte IWF-stand-by-Abkommen für die Türkei sein, da das Land in drei Jahren ihre Tilgungsraten budgetär wieder selbst verkraften können soll.

Wurde die Entwicklung in den vergangenen Jahren durch allmählich wachsendes Vertrauen in- und ausländischer Investoren belohnt, so hängt viel vom angestrebten EU-Beitritt und der dafür notwendigen positiven wirtschaftlichen Entwicklung ab. Auch wenn das Verhältnis der öffentlichen Verschuldung von circa 300 Milliarden Dollar zum Bruttoinlandsprodukt auf nahezu 55 Prozent gesunken ist, bleibt das Doppel-Defizit in Staatshaushalt und Zahlungsbilanz ein Risikofaktor.

Die türkische Wirtschaft hat längst noch nicht ausreichend Stabilität gewonnen, um globale Turbulenzen oder Irritationen über die politische und wirtschaftspolitische Entwicklungen problemlos aufzufangen. Das zeigte sich im Mai des laufenden Jahres, als die türkische Lira deutlich in die Defensive geraten war, was die Zentralbank zu deutlichen Zinserhöhungen um 4,25 Prozentpunkte auf 17,5 Prozent zwang. In der Folge zogen auch die Preise an und brachten die mittelfristigen Inflationsziele in Gefahr. So lag die Inflationsrate im November bei 9,9 Prozent - und das ist deutlich mehr als die Ende des kommenden Jahres angestrebten vier Prozent.

Trotz aller Bemühungen dürfte ein EU-Beitritt noch lange nicht sicher sein. Denn nicht nur auf der wirtschaftlichen Seite gibt es noch viel zu tun, sondern auch kulturelle Unterschiede führen immer wieder zu Diskussionen. Insgesamt mag es zwar in einem Umfeld mit hoher Risikoneigung und hohen Zinsen in der Türkei reizvoll für Anleger sein, auf die Werte des Landes zu setzen. Allerdings sind und bleiben die Risiken hoch.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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