26.02.2004 · Das Euro-Dollar-Verhältnis konsolidiert. Kurzfristig ist unklar, in welche Richtung sich der Kurs bewegen wird. Wer mit einer starken Kursbewegung rechnet, kann einen Straddle kaufen. Eine Strategie mit Risiko.
Nach mehreren Monaten mit einem mehr oder weniger eindeutigen Trend in der Entwicklung zwischen Euro und Dollar scheint nun eine größere Konsolidierung offensichtlich zu sein. Die Währungsbewegungen werden immer mehr zu einem politischen Thema. Jeder, der in Europa Schlagzeilen erzielen möchte, drischt auf den „zu starken Euro“ ein und fordert die Europäische Zentralbank zu Zinssenkungen auf.
Hintergrund ist die Tatsache, daß die Kurse der asiatischen Währungen schon längere Zeit ganz offen und in immer massiverer Weise manipuliert werden. Die Staaten - allen voran Japan - intervenieren, um die Aufwertung ihrer Währungen zu vermeiden. Auf diese Weise halten sie ihre Exportindustrie international wettbewerbsfähig, obwohl die zum Teil massiven Exportüberschüsse zu einem permanenten Nachfrageüberhang nach den Währungen führen. Anstatt die Hausaufgaben im Inland zu machen und die Strukturen der heimischen Wirtschaft auf Vordermann zu bringen, gehen die Japaner den politisch einfacheren und feigen Weg der Währungsmanipulation. Ohne Rücksicht auf Verluste und langfristige Effekte.
Die großen Wirtschaftsblöcke im kompetitiven Abwertungswettbewerb
Das ging lange gut. Da aber die Amerikaner in den vergangenen Monaten offensichtlich dieselbe Strategie fahren, um die massiven Ungleichgewichte - rasant steigendes Budgetdefizit, massives Leistungsbilanzdefizit, zu geringe Sparquote, geringe Auslastung der industriellen Kapazitäten, vergleichsweise schwacher Arbeitsmarkt - wenigstens über eine schwache Währung zu dämpfen, sind die Europäer die Leidtragenden. Hier geraten die Exporteure auf Grund der steigenden Währung in die Bredouille. Auch wenn die Situation längst nicht mehr so alarmierend ist, wie vor der Schaffung der Einheitswährung - denn der Anteil des Exports in den Dollarraum ist vergleichsweise gering - werden auch hier die Politiker immer mehr zu Wirtschaftspopulisten, statt ihre Hausaufgaben zu machen. Dazu gehören die Beschränkung der Ausgaben, Beseitigung der strukturellen Ineffizienzen und Beschneidung des gigantischen bürokratischen Ballastes.
Da der rasch wachsende und künftige Wirtschaftsgigant China seine Währung an den Dollar gekoppelt hat, gibt es weltweit nun drei große Wirtschaftsblöcke, Amerika plus China, das restliche Asien und Europa, die versuchen, sich kurzfristig über kompetitive Abwertungen Vorteile zu verschaffen. Jeweils zu Lasten des „Restes der Welt“. Auf der seinen Seite steht der Dollar, der auf Basis der bekannten Argumente fundamental zur Schwäche neigen dürfte. Auf der anderen Seite steht der asiatische Währungsverbund, der im Gefolge der Japaner seine Interventionsbereitschaft nicht nur immer wieder bewiesen hat, sondern sich ohne Rücksicht auf die Verschuldung - sie liegt bei etwa 150 Prozent des Sozialproduktes - in jüngster Zeit sogar „remunitioniert“ hat.
Devisenmarkt dürfte „Schmerzgrenze“ der Europäer noch testen
Offen ist bisher, ob die Europäer zu mehr bereit sind, als zu verbalen „Scharmützeln“. Aus diesem Grund dürfte der Devisenmarkt früher oder später testen, wo die Grenzen tatsächlich liegen. Das heißt, es dürfte wieder zu deutlichen Bewegungen kommen. Das erwartet auch die Mehrheit, die eine nicht repräsentative Umfrage von FAZ.NET unter 1.243 Lesern ergeben hat (siehe auch: Wieviel Dollar wird der Euro in einem halben Jahr wert sein?). Allerdings geht ein relativ großer Anteil ebenfalls davon aus, daß der Dollar sich deutlich erholen könnte.
Wer sich als Anleger nicht für eine Richtung entscheiden kann und trotzdem davon ausgeht, daß es in den kommenden Tagen zu einer größeren Bewegung im Euro-Dollar-Verhältnis kommen wird, für den bietet sich ein Straddle an. Das ist der gleichzeitige Kauf eines Calls und eines Puts auf den Euro. Allerdings muß sich die Relation auch bewegen, denn sonst läuft die Zeit gegen ihn. Siehe Grafik 1: Diese zeigt die Gewinn- und Verlustentwicklung eines Straddles mit einer Laufzeit von drei Monaten und einem Ausübungspreis von 1,25 Euro in Abhängigkeit von verschiedenen möglichen Wechselkursen. Und das zu verschiedenen Zeitpunkten während der Laufzeit. Es wird deutlich, daß sich der Kurs der Währung relativ stark verändern muß, um am Ende der Laufzeit einen Gewinn zu erzielen.
Abbildung 2 zeigt, daß eine im November während einer Konsolidierungsphase eingegangene Position zumindest zwischenzeitlich zu einem netten Gewinn geführt hätte. Damit wird klar, woran der Erfolg der Strategie hängt: Erstens muß sich der Kurs bewegen. Zweitens muß der Anleger zur Stelle sein und Gewinne mitnehmen, wenn und sobald sie eintreten. Alles andere wäre fahrlässig.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |