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Devisenmarkt Schweizer Notenbank wird herausgefordert

 ·  Der Euro ist vorübergehend unter die Kursuntergrenze von 1,20 Franken gerutscht. Weil die Schweizer Notenbank aber eine Aufwertung nicht zulassen will, könnte es bald zu einem Machtkampf mit Spekulanten kommen.

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Ein Angriff auf die Euro-Kursuntergrenze hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) kurz vor den Osterfeiertagen ins Schwitzen gebracht. Im Sog aufflammender Sorgen um Spanien rutschte die Gemeinschaftswährung am Gründonnerstag erstmals unter die von den Währungshütern festgelegte Untergrenze von 1,20 Franken. Vorübergehend sackte der Euro auf ein Siebenmonatstief von 1,1990 Franken ab, bevor sich die Kurse auf Werte um 1,2020 Franken erholten.

Die SNB bekräftigte umgehend ihren Willen, den Mindestkurs verteidigen zu wollen. „Wir sind weiterhin bereit, Fremdwährungen in unbegrenzter Höhe zu kaufen, um dieses Niveau zu verteidigen“, sagte ein Sprecher der Notenbank. Ob die SNB im Markt sei und Euro kaufe, wie das Devisenhändler sagten, wollte er nicht kommentieren. In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass Tage mit niedriger Handelsaktivität wie jetzt vor Ostern eine gute Gelegenheit bieten, die Interventionsbereitschaft von Zentralbanken zu testen.

Angst vor einer Eskalation der Euro-Krise stützt den Franken

Die Notenbank hatte am 6. September den Mindestkurs für die Hauptexportwährung festgelegt, nachdem der Euro wegen der Schuldenkrise zum Franken fast die Parität erreicht hatte. Die SNB begründete das mit der Deflations- und Rezessionsgefahr durch einen überbewerteten Franken und nach ihrer Einschätzung zeigte die Kursuntergrenze Wirkung und hat die Wirtschaft des Landes stabilisiert. Die SNB hält dieses Jahr ein Wirtschaftswachstum von etwa einem Prozent für erreichbar.

„Die enttäuschende Auktion spanischer Staatsanleihen hat die Leute wieder verunsichert“, sagte ein Händler. „Das dürften manche Marktteilnehmer zum Anlass genommen haben, die SNB zu testen.“ Nicht der Franken werte auf, sondern der Euro sei schwach, sagte ein anderer Händler: „Auslöser dürften die Probleme Spaniens sein.“ Der Euro büßte deshalb auch zum Dollar an Wert ein. Das Mittelmeerland hatte am Mittwoch bei einer Auktion mit einer geringeren Nachfrage zu kämpfen. Am Markt wird befürchtet, dass Spanien seine Haushaltsziele nicht erreichen kann.

Deflationsdruck hat im März in der Schweiz wieder zugenommen

Kursbewegend war zudem auch die Mitteilung des Schweizer Bundesamt für Statistik, wonach sich die deflationären Tendenzen in der Schweiz weiter verstärkt hätten. Die Verbraucherpreise unterschritten ihr Vorjahresniveau im März um 1,0 Prozent, nachdem das Minus im Februar um 0,9 Prozent betragen hatte. Der Anstieg des Deflationsdrucks beruht vor allem auf dem hohen Wechselkurs des Franken und seinem dämpfenden Einfluss auf die Einfuhrpreise. Die Preise inländischer Güter blieben im März auf Jahressicht unverändert, während die Preise eingeführter Güter um 3,6 Prozent sanken.

Schon seit mehreren Monaten ist die Jahresveränderungsrate des Verbraucherpreisindex negativ. Allerdings handelt es sich hier noch nicht um eine voll ausgeprägte Deflation, bei der sich die Erwartung sinkender Preise bereits in den Erwartungen von Produzenten und Konsumenten verfestigt hat, was zur Aufschiebung von Investitionen und Käufen führt und damit neue Preisrückgänge auslöst. Beobachter rechnen - im Gegensatz zur Zentralbank - zudem damit, dass die Schweiz wegen der steigenden Ölpreise noch in diesem Jahr zu positiven Inflationsraten zurückkehren wird.

Darüber hinaus kommt die Wirtschaft des Landes entgegen den Erwartungen recht gut mit der Stärke der Landeswährung klar. Im vierten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent, während es beispielsweise ein Deutschland zurückging. Evelyn Herrmann, Volkswirtin bei BNP Paribas, erwartet, dass die Inflationsrate im März ihren Tiefpunkt gesehen hat und rechnet damit, dass die Vermögenswertpreise wegen der ultra-lockeren Geldpolitik weiter steigen werden. Gleichwohl nimmt sie an, dass die SNB ihr Wechselkursziel noch eine Weile verteidigen wird.

Es zeichnet sich ein baldiges Kräftemessen zwischen Spekulanten und Notenbank ab

Marktteilnehmer schließen nicht aus, dass die neu angefachten Krisenängste die SNB zu einem beherzten Eingreifen zwingen könnten. Bisher habe die Drohung der SNB ausgereicht, ein Abrutschen des Euro zu verhindern, sagte Richard Wiltshire, Chef-Devisenhändler beim Broker ETX Capital in London. Sobald sich die Gemeinschafswährung in Richtung 1,20 Franken bewegt habe, sei sie gekauft worden in der Überzeugung, dass die Schweizer Währungshüter eingreifen würden. „Falls diese Stimmungslage endet, könnten die Marktkräfte diktieren, dass sie sich engagieren“, sagte Wiltshire. Auch You-Na Park, Devisenexpertin bei der Commerzbank geht fest davon aus, dass die Schweizerische Nationalbank die Marke von 1,20 Franken mit Interventionen weiter verteidigen wird. „Da gibt es keine Zweifel“, so ihr Urteil.

Auch die meisten Analysten rechneten zumindest bisher mit einer Fortsetzung des schon in den vergangenen Wochen zu beobachtenden Handels in einer engen Kursspanne. So vertrat Raiffeisen Research eben erst in einer Kurzstudie die Meinung, der Schweizer Franken werde sich auch in den kommenden Monaten in einer engen Spanne bewegen und die Parität Euro-Franken habe nicht das Potenzial für Schlagzeilen. Zuletzt hat sich in der Tat wenig getan. Die Wechselkursentwicklung des Euro zum Franken verharrte seit Anfang des Jahres zumeist in einem engen Band zwischen 1,20 und 1,21 Franken.

Sollte sich die Euro-Schuldenkrise allerdings wieder zuspitzen (wie in den Grafiken zu sehen ist, gestaltet sich die Schuldensituation in der Schweiz um einiges vorteilhafter), ist nicht ausgeschlossen, dass es mit dieser Lethargie bald vorbei sein wird. Der zaghafte Angriff vom Donnerstag könnte eventuell bereits ein Vorbote für neue Turbulenzen sein. Kommt es zu einem Kräftemessen, wird sich erst noch zeigen müssen, wie lange die Schweizer Notenbank an ihrer Wechselkurs-Strategie wird festhalten können.

Einzelne Experten wie Hans-Günter Redeker, Chef der Devisenstrategie bei Morgan Stanley in London, haben jedenfalls Bedenken: „Wir haben schon seit einiger Zeit prognostiziert, dass der Mindestkurs nicht halten wird, nicht, wenn es erneute Bedenken zur Eurozone gibt”, erklärt er. „Auf kurze Sicht dürfte die SNB gezwungen sein, zu intervenieren. Ob diese Strategie auch weiterhin funktioniert, muss sich jedoch zeigen.”

Quelle: Reuters, Dow Jones Newswires, @JüB
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