Der effektive Wechselkurs des Schweizer Frankens kannte in den vergangenen Jahren im Trend nur eine Richtung: nach unten. Das gilt vor allem dann, wenn man die reale Entwicklung betrachtet. Aus diesem Grund war die Währung in den vergangenen Jahren alles andere als „hart“.
Das dürfte kaum verwundern. Denn die Anleger weltweit hatten einen hohen Risikoappetit. Das führte einerseits dazu, dass viele der Gelder, die am Schweizer Bankenplatz verwaltet werden, in ausländische Märkte flossen. Da in der Eidgenossenschaft die Zinsen im internationalen Vergleich zudem tief waren und sind, bot sich der Franken für spekulative Anleger auch als ideale Refinanzierungswährung an.
Tiefe Zinsen und Carry Trades ließen die Währung abwerten
Das heißt, man nahm Kredite in Schweizer Franken auf und investierte die Mittel irgendwo im Ausland. Das trug zusammen mit ähnlichen Strategien mit dem Yen nicht nur zum Auftrieb an den Börsen weltweit bei, sondern auch dazu, dass in Regionen wie Vorarlberg oder Ungarn viele Häuser letztlich in Franken finanziert wurden. Der Reiz ging lange Zeit nicht nur von den tiefen Zinsen an sich aus, sondern auch vom etablierten Abwertungstrend des Frankens.
Inzwischen stellt sich allerdings die Frage, wie weit der Abwertungstrend laufen kann. Immerhin zeigt die Schwäche des Frankens insbesondere gegen den Euro - noch vor wenigen Tagen waren im professionellen Devisenhandel bis zu 1,6822 Franken nötig, um eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können - schon eine gewisse Wirkung. Auf der einen Seite wurden die Exporte aus der Schweiz ins europäische Ausland zwar immer günstiger. Auf der anderen Seite verteuern sie die Importe.
Nun deutet sich eine Stabilisierung oder gar eine Gegenbewegung an
Gegen den Dollar hat die Schweizer Währung in den vergangenen Jahren und nach einer Zwischenkonsolidierung auch in den vergangenen Monaten aufgewertet. Das heißt, der Preisanstieg bei Energie und Rohstoffen wurde über diese Schiene etwas abgemildert. Auf der andere Seite zählen Deutschland, Italien, Frankreich und nicht zuletzt auch Österreich zu den wesentlichen Importpartnern der Schweiz. Und hier macht sich der schwache Franken deutlich bemerkbar. Der Einzelhandel entlang der Schweizer Grenze in Süddeutschland kann ein Lied davon singen.
So dürfte es kaum verwundern, dass die Schweizer Nationalbank diese Entwicklung genau beobachtet und nach einem robusten und unerwartet starken Wachstum im Einzelhandel von plus 7,1 Prozent im September zu einer restriktiveren Geldpolitik neigen könnte. Das dürfte dazu beitragen können, die Währung zu stabilisieren. In den vergangenen Tagen hat sie zudem von der zunehmenden Risikoscheu der internationalen Anleger profitiert. Sie reduzieren zumindest kurzfristig die so genannten Carry Trades. Das lässt den Franken gegen den Euro an Wert aufholen. Viele Strategen geben der Schweizer Währung mittelfristig weiteres Kurspotential.