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Devisenmarkt Russischer Rubel nimmt Zinssenkung relativ gelassen auf

24.04.2009 ·  Nach dem zuvor erlittenen Einbruch hat sich der russische Rubel zuletzt stabilisiert. Dieses Verhalten hat die Notenbank vermutlich dazu animiert, die Leitzinsen erstmals seit 2007 zu senken. Den Rubel konnte dies zunächst nichts anhaben.

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Der russische Rubel hat turbulente Zeiten hinter sich. Von Ende Oktober bis Anfang Februar hat sich der Kurs rasant von knapp 34 auf fast 47 Rubel gegenüber dem Euro abgeschwächt. Doch zuletzt hat sich die Notiz im Gleichschritt mit anderen osteuropäischen Währungen und begünstigt durch eine steigende Risikobereitschaft unter den Anlegern wieder bis auf 43,6 Rubel befestigt.

Geholfen haben aber auch der stabilisierte Ölpreis und der erholte Aktienmarkt. „Die wichtigsten Faktoren für den Rubel sind momentan der Ölpreis und was der Aktienmarkt macht. Denn es gibt ganz offensichtlich einen Zusammenhang zwischen dem Ölpreis und dem Aktienmarkt, weil sich die Anleger Rubel leihen müssen, wenn sie Aktien kaufen, erklärt Yaroslav Lissovolik, Volkswirt bei der Deutschen Bank.

Das wieder stabiler gewordene Kursverhalten des Rubels dürfte mit entscheidend für die Entscheidung der russischen Notenbank gewesen sein, mit Wirkung von diesem Freitag die Leitzinsen erstmals seit 2007 zu senken. Konkret wird der Refinanzierungs-Satz von 13 Prozent auf 12,5 Prozent herabgesetzt und der für Wertpapierpensionsgeschäfte gültigen Repo-Satz von zwölf auf 11,5 Prozent.

Konjunkturschwäche schreit nach Zinssenkungen

Volkswirtschaftlich gesehen sind sinkende Zinsen längt überfällig, hinterlässt die weltweite Wirtschaftskrise doch auch in Russland tiefe Spuren. So verzeichneten die Einzelhandelsumsätze und die realen Gehälter im März den stärksten Rückgang seit 1999, außerdem stieg die Arbeitslosigkeit auf 9,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds rechnet zudem in diesem Jahr mit einem Rückgang des russischen Bruttoinlandsproduktes um sechs Prozent, die offizielle Prognose der Regierung liegt bei minus 2,2 Prozent - nach zehn Jahren ungebrochenen Wachstums.

Im ersten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt laut neuesten Angaben des stellvertretenden Wirtschaftsministers Andrej Klepach um 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgegangen. Und im zweiten Quartal dürfte die russische Wirtschaft mit 8,7 bis 10 Prozent ähnlich stark schrumpfen.

Neben dem schwachen Rubel hat die Notenbank eine zu hohe Inflation von entsprechenden Zinsschritten abgehalten. Doch inzwischen geht die Regierung wegen der Konjunkturflaute davon aus, dass die Teuerung, die im März bei 14 Prozent lag, im Jahresverlauf in Richtung 11 Prozent zurückgehen wird. Gründe sind der nachlassende Effekt der Rubel-Abwertungen auf die Importpreise und eine sinkende Konsumnachfrage.

„In letzter Zeit haben wir einige sehr enttäuschende Konjunkturdaten gesehen, und die Zentralbank reagiert auf die wirtschaftliche Lage und stützt die Wirtschaft mit dieser Maßnahme“, sagte dazu Jaroslaw Lissowolik, Chefvolkswirt bei der Deutschen Bank AG in Moskau. „Die Geldpolitik ist stark auf die Inflation ausgerichtet, und da diese sich abschwächt, sollten wir in diesem Jahr Raum für weitere Zinssenkungen haben.“ Entsprechende Andeutungen machte auch der erste stellvertretende Zentralbankvorsitzende Alexej Uljukajew indem er sagte, bei weiter fallenden Inflationsraten könnten auch die Zinsen weiter reduziert werden.

Vieles hängt vom Aktienmarkt und vom Ölpreis ab

Am Aktienmarkt wurde der Zinsschritt mit Kursgewinnen begrüßt und auch die russische Währung reagierte gelassen. Der Rubel wurde mit 33,66 Rubel je Dollar gegenüber der amerikanischen Devise sogar 0,8 Prozent fester gehandelt und legte zum Euro 0,4 Prozent zu auf 43,97 je Euro. Die Kursreaktion lässt sich möglicherweise auch damit erklären, dass es sich um eine halbherzige Aktion handelte. Denn die Notenbank kündigte auch an, dass mit Wirkung vom 1. Mai der Mindestreservesatz für sämtliche Bankeinlagen um 50 Basispunkte auf ein Prozent angehoben wird und dann bis August jeden weiteren Monat um 50 Basispunkte bis auf 2,50 Prozent.

Die echte Bewährungsprobe steht für den Rubel aber so oder so ohnehin erst dann an, wenn sich die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer wieder verringern sollte. Und es bleibt auch abzuwarten, wie er es verkraftet, wenn die Notenbank die Leitzinsen bis Jahresende tatsächlich noch um 150 weitere Basispunkte bis Jahresende zurückschleusen wird, wie es Unicredit-Volkswirt Vladimir Osakovsky prognostiziert.

Viel wird letztlich davon abhängen, ob der Inflationsdruck tatsächlich nachlassen und die Wirtschaft bald Erholungszeichen von sich geben wird. Weil ING-Volkswirtin Tatiana Orlova nicht so schnell mit einer konjunkturellen Belebung rechnet und auch die Inflation weiterhin bei mehr als 14 Prozent sieht, kann sie sich vorstellen, dass der Rubel bis zum 1. Quartal um zehn Prozent nachgeben kann. Viel wird letztlich aber davon abhängen, wie sich die Aktienmärkte und der Ölpreis weiter entwickeln werden. Von den daraus resultierenden Vorgaben wird sich der Rubel vermutlich kaum lösen können.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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