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Devisenmarkt Rubel-Abwertung setzt sich beschleunigt fort

29.12.2008 ·  Die russische Notenbank hat erneut eine deutliche Abwertung des Rubel zugelassen. Gegenüber dem Euro markiert die russische Währung dadurch ein weiteres Tief seit der Einführung der Europäischen Einheitswährung Anfang 1999.

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Der Rubel befindet sich auch nach Weihnachten auf dem Weg nach unten. Am Montag hat die russische Notenbank eine Abwertung um 1,7 Prozent gegenüber dem zu 55 Prozent aus Dollar und 45 Prozent aus Euro bestehenden Währungskorb zugelassen. Es handelt sich um die zwölfte derartige Maßnahme in den vergangenen sieben Wochen.

Gegenüber dem Euro fällt die russische Landeswährung dabei um 2,5 Prozent auf 41,6870 Rubel und damit den tiefsten Stand seit der Einführung der Europäischen Einheitswährung Anfang 1999. Im Verhältnis zum Dollar steht gleichzeitig ein Minus von 0,7 Prozent auf 29,1884 Rubel zu Buche.

Abwertungsdruck lastet auf der russischen Landeswährung, weil sich das volkswirtschaftliche Umfeld für Russland deutlich eingetrübt hat. Die wichtigste Rolle spielt dabei der stark eingebrochene Ölpreis, aber auch die hohe Verschuldung der Unternehmen im Ausland belastet angesichts der aktuell schwierigen Refinanzierungsbedingungen. Mit gut 40 Dollar je Barrel (159 Liter) liegt der Ölpreis mehr als 100 Dollar unter seinem Rekordhoch vom Juli. Im November ging der Handelsüberschuss deswegen kräftig zurück; mit 7,1 Milliarden Dollar liegt er fast fünf Milliarden Dollar niedriger als im Oktober. Der Grund dafür ist ein Einbruch bei den Exporten, die um 27 Prozent sanken. Die Importe blieben dagegen stabil.

Deutlich verschlechtertes volkswirtschaftliches Umfeld

Nicht gerade zu einem positiven Sentiment hat auch der im August mit Georgien ausgefochtene Blitzkrieg beigetragen. Seitdem wurden laut BNP Paribas 200 Milliarden Dollar an Investments aus Russland angezogen und der Rubel hat gegenüber dem Währungskorb insgesamt rund 19 Prozent an Wert verloren.

Die drastisch veränderten Rahmenbedingungen (die Einzelhandelsumsätze sanken im November um 3,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit stieg von 6,1 auf 6,6 Prozent und die Industrieproduktion verzeichnete mit minus 8,7 Prozent das erste Minus in den vergangenen zehn Jahren) kommen mit am besten darin zum Ausdruck, dass dem Land 2009 erstmals seit zehn Jahren wegen der sinkenden Rohstofferlöse ein Haushaltsdefizit in Milliardenhöhe droht. Laut Finanzminister Alexej Kudrin könnte sich ein Defizit von bis zu 2,5 Billionen Rubel (63 Milliarden Euro) ergeben. Und auch sonst drohe das kommende Jahr für Russland das schwierigste Jahr der vergangenen neun Jahre zu werden, sagte der Minister am Wochenende in einem Interview des Fernsehsenders Westi.

Der Ölpreisverfall hat bereits einen massiven Wachstumseinbruch ausgelöst. Im November legte die Wirtschaftsleistung um nur noch 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu. Das wäre das geringste Wachstum für das Schwellenland seit drei Jahren. Im Oktober wuchs das Bruttoinlandsprodukt noch um 5,9 Prozent. Und in den vergangenen fünf Jahren war die russische Wirtschaft noch jährlich um etwa sieben Prozent gewachsen. Die Regierung in Moskau erwartet für 2009 ein Wachstum von 2,4 Prozent - aber nur, falls sich der Ölpreis über 50 Dollar je Barrel stabilisiert.

Wegen der von der Notenbank betriebenen Stützungsmaßnahmen zugunsten des Rubel, sind auch die Devisenreserven des Landes von ihrem noch im August erreichten Höchststand von 598,1 Milliarden Dollar auf zuletzt 451 Milliarden Dollar geschrumpft. Nicht zuletzt um die Devisenreserven zu schützen hat die Weltbank Russland kurz vor Weihnachten zum Stopp von Interventionen am Devisenmarkt und zur Freigabe des Rubels aufgerufen.

Experten rechnen mit weiterer Abwertung

Viele Experten halten eine weitere Abwertung des Rubels jedenfalls für unvermeidlich. Zumal wie Ronald Smith, Head of Research bei der Alfa Bank, zu bedenken gibt, ein Großteil der Staatseinnahmen in Dollar abgerechnet wird, so dass ein schwächerer Dollar nicht nur dem Staatshaushalt sondern auch den Öl- und Gasproduzenten hilft.

Laut Smith muss der Rubel um weitere fünf Prozent abwerten, um auf ein ähnliches Niveau wie andere Rohstoffwährungen wie der südafrikanische Rand, die norwegische Krone oder der australische Dollar zu kommen. Für den Fall, dass sich der Ölpreis nicht wieder erholt, geht Evgeny Gavrilenkov, Chefvolkswirt bei Troika Dialog, der schon im Oktober bei einem Ölpreis von 60 Dollar eine einmalige Abwertung von bis zu 20 Prozent gefordert hat, sogar noch einen Schritt weiter. Bei dieser Konstellation könnte eine weitere Abwertung von 20 Prozent nötig werden.

Wer ähnlich skeptisch gestimmt ist, der kann darauf beispielsweise mit dem ABN Amro EUR/RUB MINI Long Zertifikat (Isin NL0000714038, Knock-Out-Marke: 29,98 Rubel) wetten. Das Risiko besteht hier kurzfristig darin, dass sich eventuell der Ölpreis deutlich erholt oder sich die Weltbörsen stabilisieren, was den Risikoappetit der Anleger auf Anlagen aus Schwellenländern erhöhen könnte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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