28.09.2005 · Der philippinische Peso hat in den vergangenen Monaten eine ausgeprägte Berg- und Talfahrt erlebt. Zum Jahresende dürfte sich der Kurs jetzt beruhigen.
Währungen sind komische Tiere. Mal laufen sie stur in eine Richtung, dann überlegen sie es sich plötzlich anders und machen ein 180-Grad-Wendung. An irgendwelchen „Jetzt-ist's-aber-genug-Marken“ beißen sie sich dann jahrelang fest, bevor sie dann plötzlich beschließen, sich einen Deut darum zu scheren.
So auch der philippinische Peso, der fünf Jahre lang beschlossen hatte, gegenüber dem Dollar, vor allem aber gegenüber dem Euro stur abzuwerten. Dann überlegte er es sich praktisch zum Jahreswechsel auf einmal anders und begann ordentlich aufzuwerten.
Doch so ganz traute FAZ.NET schon damals dem Braten nicht (Erholung des philippinischen Peso könnte von kurzer Dauer sein) und sollte Recht behalten. Anfang Juni begann der Peso wieder abzuwerten. Das hielt aber auch nur bis Anfang diesen Monats. Seitdem hat der Peso wieder begonnen aufzuwerten.
Kurz war die Hoffnung
Die ersten Bewegungen sind rasch erklärt. Die Staatsverschuldung der Philippinen wucherte lange Zeit vor sich hin, bis sie die doppelte Höhe dessen erreichte, was im Dezember 2001 Argentinien dazu veranlaßte den Schuldendienst einzustellen. Auch beim Haushaltsdefizit und der Verschuldung schneiden die Philippinen schlechter ab als Argentinien. Das Länder-Rating wurde immer bescheidener.
Doch Anfang des Jahres schöpften die Anleger Hoffnung. Der philippinische Export zeigte sich positiv, die Regierung bemüht, die wirtschaftliche Situation die bedrohliche Haushaltslage zu verbessern. Dazu wurden Mehrwert- und Körperschaftssteuer angehoben. Außerdem sollten Steuereintreibung verschärft und Steuersparmöglichkeiten gestrichen werden und so in der Konsequenz am Jahresende das Haushaltsdefizit 180 Milliarden Peso unter Plan zu treiben.
Am erstem Juli aber machte der der High Court der Philippinen (in etwas das oberste Zivilgericht) Präsidentin Arroyo einen Strich durch die Rechnung, als er ein neues Steuergesetz wenige Stunden nach dem Inkrafttreten kassierte. Das Gesetz hätte Ausnahmen bei der Umsatzsteuerpflicht abgeschafft und den Steuersatz ab nächstem Januar von zehn auf zwölf Prozent erhöht.
Wahlfälschung, Glücksspiel, Kriegsgericht
In der Konsequenz senkten die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der Philippinen von stabil auf negativ. Dabei war der Konflikt um das Steuergesetz noch harmlos. Das gesamte politische System der Philippinen war in Aufruhr. Rufe nach einem Rücktritt von Arroyo wurden laut, nachdem Zeugen ausgesagt hätten, die Wahlen seien unter tatkräftigem Einsatz von Arroyos Ehemann manipuliert worden durch Ergänzungen in den Wählerverzeichnissen, Kauf von Stimmen und vieles mehr.
Mittlerweile hat Arroyo ihre Position festigen können. Mitte des Monats überstand sie im Kongreß ein Amtsenthebungsverfahren. Nahezu gleichzeitig urteilte der Supreme Court, daß die Umsatzsteueränderung zulässig sei, so daß die Regierung das Gesetz noch einmal durch den High Court überprüfen lassen und dieses schließlich in der ein oder anderen Form wird in Kraft treten können.
Nur die Wahlfälschungsvorwürfe, General Francisco Gudani und Oberst Alexander Balutan müssen sich nunmehr vor dem Kriegsgericht verantworten. Allerdings nicht wegen einer Falschaussage - sondern lediglich, weil sie ohne Genehmigung vor einer Senatsanhörung aussagten. Die Wahlfälschungsvorwürfe sind dagegen genauso wenig wie vom Tisch wie Mike Arroyos angebliche Verstrickung in das illegale Glückspiel. Auch sitzt Arroyos Sicherheitsberater, Norberto Gonzales, derzeit wegen Mißachtung des Senats in Beugehaft. Hintergrund ist angebliches Lobbying für eine amerikanische Anwaltskanzlei.
Kurzfristige Faktoren dominieren
Jetzt hat Präsidenten Arroyo allen Regierungsmitgliedern einen Maulkorb umgehängt, mit der Maßgabe, daß jegliches Erscheinen vor Kongreßausschüssen ihrer Genehmigung bedürfe. Ihr Gegenspieler, Senatspräsident Franklin Drilon hält diese Anweisung für illegal.
So erklären sich die jüngsten Kursbewegungen des Peso. So erklärt sich vor allem auch, warum der Peso gegenüber dem Euro in diesem Monat aufgewertet hat, nicht aber gegenüber dem Dollar, gegen der er sogar leicht abwertete. Nicht der Peso ist stärker - der Euro ist schwächer. Aktuell gibt sich der Peso auch gegenüber dem Greenback ein wenig selbstbewußter.
Verantwortlich sind dafür kurzfristige Faktoren, vor allem Spekulationen, daß die philippinischen Importeure ihren Devisenbedarf großteils bereits gedeckt haben und die amerikanische Währung nicht mehr so stark nachfragen werden. Außerdem wird erwartet, daß im Ausland lebende Filipinos in den kommenden Monaten mit ihren weihnachtlichen Geldsendungen beginnen werden. Diese Übertragungen sind immerhin für ein Zehntel der Wirtschaftsleistung verantwortlich.
Entscheidend ist der Euro-Dollar-Kurs
„Die Dollarnachfrage könnte sich entspannen. Damit könnte der Peso aufwerten“, sagt De Guzman, Händler bei der Union Bank of the Philippines in Manila. „Wir gehen ins vierte Quartal, da verschiebt sich die Balance in Richtung der Repatriierungsflüsse.'' Die Auslandsüberweisungen stiegen nach Aussagen der philippinischen Zentralbank auf im Juli gegenüber dem Vorjahr um 25,7 Prozent auf 885 Millionen Dollar. In den ersten sieben flossen 5,8 Milliarden Dollar in die Philippinen zurück - 22 Prozent mehr als im Vorjahr.
In diesem Jahr könnten sie nach Angaben der Nationalen Wirtschafts- und Entwicklungsbehörde des Landes 12 Milliarden Dollar erreichen - eine vierzigprozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Dadurch könnt auch die Regierung noch ihr Wachstumsziel von 5,3 Prozent erreichen, auch wenn sich das Exportwachstum im Elektroniksektor abschwächt, der für 66 Prozent der Ausfuhren verantwortlich ist. Denn das Wachstum hat sich über das Jahr deutlich abgeschwächt. Lag es zu Jahresbeginn noch bei 6,3 Prozent, so sind es aktuell nur noch 4,8.
Alles in allem hat sich die fundamentale Lage für den Peso etwas beruhigt. Doch solange Präsidentin Arroyo weder aus dem Schneider ist, noch eine andere stabile Regierung im Amt ist, solange wird die Unsicherheit den Peso weiter belasten und das bedeutet er hat gegen den Dollar weiter einen latenten Abwertungsdruck. Dieser dürfte nur in den kommenden Monaten von saisonalen Effekten überdeckt werden, so daß der Kurs des Peso in Dollar in der Tendenz seitwärts gehen dürfte. Für Anleger aus dem Euroraum bedeutet dies, daß sich der Peso der Dollarherde angeschlossen hat und sein Kurs mit diesem über die Steppen des Devisenmarktes trotten wird.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |