04.03.2009 · „Zyklische Wetten“ auf die Erholung der Weltwirtschaft werden kurzfristig immer wieder belebt. Sie zeigen sich auch am Devisenmarkt, wo der Yen in die Defensive geraten ist. Es stellt sich nur die Frage, wie weit sie tragen können.
Mit positiven Kommentaren versuchen Notenbanker und Regierungsstellen die Stimmung an den Finanzmärkten zu verbessern. Die Kommandowirtschaft Chinas zeigt sich besonders eifrig. Die Wirtschaft des Landes werde trotz der internationalen Krise wachsen, die Stimmungsindikatoren hätten bereits nach oben gedreht - und falls das alles nicht helfe, werde man einfach die angekündigten Konjunkturprogramme größer machen, heißt es.
Tatsächlich zeigten die Börsen des Landes in den vergangenen Wochen eine gewisse Dynamik nach oben. Der CSI 300 Index hat seit Jahresbeginn knapp 26 Prozent zugelegt. Kritische Analysten jedoch bleiben misstrauisch. Die Aktienkäufe seien angeordnet worden heißt es, mit der wirtschaftlichen Realität im Lande habe das nichts zu tun, erklären sie.
„Zyklische Wetten“ werden kurzfristig immer wieder belebt ...
Das hält jedoch auch im Westen optimistische Anleger nicht davon ab, selbst im offensichtlichen Abwärtstrend kurzzeitig immer wieder die „zyklische Karte“ zu spielen. In der Hoffnung, China werde die Nachfrage nach Energie, Rohstoffen und industriellen Gütern beflügeln wetten sie am Mittwoch wieder einmal auf steigende Preise und eine besser werdende wirtschaftliche Dynamik.
So legt der Ölpreis mehr als zwei Prozent zu auf 42,63 Dollar je Barrel der Sorte WTI, auch die Preise von Kupfer, Nickel, Stahl und Zinn legen bis zu sechs Prozent zu. Im EuroStoxx verbuchen Werte wie die des Bauunternehmens Vinci, des Stahlriesen ArcerlorMittal nud nicht zuletzt auch die Papiere von Daimler und Renault zwischen sieben und neun Prozent zu.
Selbst am Devisenmarkt scheint es zu einer gewissen Normalisierung der Verhältnisse zu kommen. Nachdem der Yen im Rahmen der Kreditkrise und aufgrund des allgemeinen Abbaus von riskanten Carry Trades bis Mitte Januar des laufenden Jahres deutlich gegen alle Währungen weltweit aufgewertet hatte, befindet er sich seitdem wieder in der Defensive. Inzwischen hat er gegen den Dollar wieder etwas mehr als elf Prozent abgewertet, gegen das britische Pfund sogar mehr als 13 Prozent.
Die Gründe lassen sich einfach ausmachen. Erstens entwickelt sich die japanische Wirtschaft sehr schwach. Dazu trägt die schwache Exportentwicklung Japans bei, die einerseits auf die globale Wirtschaftskrise, aber auch auf den in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres aufwertenden Yen zurückzuführen war. Auf der anderen Seite versucht die japanische Zentralbank diese Effekte merkantilistisch abzumildern, indem sie die Märkte in den vergangenen Wochen förmlich mit Yen-Liquidität flutete.
... stellt sich nur die Frage, wie weit sie tragen können
Nachdem sich Japan in den vergangenen Jahrzehnten mit seiner Niedrigzinspolitik und über eine schwache Währung versuchte, sich aus der selbst verschuldeten Krise des 80er-Jahre herauszuexportieren, statt den Binnenmarkt zu reformieren, stellt sich die Frage, wie lange sich die restliche Welt den neuerlichen, kompetitiven und im Kern protektionistischen Abwertungsversuch tolerieren kann. Denn im Gegensatz zu den vergangenen Jahren steckt sie nun selbst in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
Auf der anderen Seite steht das britische Pfund. Es scheint sich nach den massiven Kursverlusten gegen den Euro und den Dollar zumindest gegen die amerikanische Währung berappelt zu haben, während es sich gegen den Euro und viele andere Währungen wie den Neuseeland-Dollar und vor allem auch gegen den Yen deutlicher erholen konnte. Angesichts der schwachen Wirtschaft und der schwachen Aussichten in Großbritannien ist zweifelhaft, ob die Erholungsbewegung weit wird tragen können. Schwach entwickelte sich in den vergangenen Wochen auch die schwedische Krone. Die Schwäche ist das Resultat der schwedischen Geldpolitik, die offensichtlich auf eine Abwertung ausgerichtet ist.
Auch der koreanische Won hat in den vergangenen Wochen deutlich abgewertet. Als Währung eines Landes, das stark vom Export abhängig ist, spürt sie die schwache Exportnachfrage ebenso wie die Tendenz ausländischer Anleger, aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche und geringer Perspektiven Kapital aus dem Land abzuziehen. Der Trend dürfte sich erst dann nachhaltig ändern, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung weltweit wieder verbessert. Kurzfristig mag es zwar immer wieder Spekulationen darauf geben. Angesichts des Gezeitenwechsels - Amerikas Konsumenten stehen mit dem Rücken zur Wand und dürften sich auf Sicht zurückhalten müssen - bleiben jedoch Zweifel.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |