„Neues Jahr - alte Trends“ - so lässt sich der Handelsstart an den internationalen Finanzmärkten in das Jahr 2007 charakterisieren. Die Beobachtung gilt sowohl für die Börsen, wo vor allem die asiatischen, aber auch die europäischen Aufwind haben. Sie hat aber auch Geltung für den Devisenmarkt.
Im frühen Handel befindet sich der Dollar sowohl gegen Euro als auch Yen deutlich in der Defensive. Allerdings in der beinahe schon üblichen Kombination: Der Greenback verliert gegen den Euro deutlicher und erreichte am Dienstag im frühen Handel Kurse von bis zu 1,3283 Dollar, während er gegen den Yen weniger stark nachgibt. Diese Kombination hat den Euro gegen den Yen auf ein neues Allzeithoch von 157,68 Yen je europäischer Währungseinheit getrieben, auch der Trend zeigt weiterhin nach oben.
Euro ist gegen Dollar und vor allem auch gegen den Yen deutlich überbewertet
Diese Entwicklung ist bemerkenswert. Sie bestätigt einerseits die weit verbreitete Erwartung, das amerikanische Wirtschaftswachstum werde sich abschwächen und die Zentralbank des Landes trotz der anhaltend hohen Dollar-Geldmengen weltweit - die enormen Devisenreserven der Exportüberschuss- und Ölländer sprechen für sich - den Leitzins bald wieder senken müssen. Auf der anderen Seite werde sich das europäische und vor allem auch das asiatische Wachstum von dieser Entwicklung abkoppeln können.
Auf dieser Basis wäre in Europa mit weiter steigenden Zinsen zu rechnen, was die Zinsdifferenz zwischen Europa und den Vereinigten Staaten weiter reduzieren und damit den Dollar angesichts der strukturellen Schwächen - sie zeigen sich im enormen Leistungsbilanzdefizit des Landes - weiter in die Defensive bringen würden. Das spräche an sich für einen aufwertenden Euro gegen den Dollar.
Auf der anderen Seite ist die europäische Einheitswährung gemessen an Modellen wie der Kaufkraftparität gegen Dollar deutlich und gegen die asiatischen Währungen sogar massiv überbewertet. Aus Bewertungssicht gibt es somit kaum einen Grund, auf den Euro zu setzen. Dagegen ist es um so verwunderlicher, dass die asiatischen Währungen angesichts der anhaltenden Handelsüberschüsse und vor allem auch in Kombination mit dem hohen Interesse der internationalen Anleger an den Wertpapieren der Region sich so unterdurchschnittlich entwickeln.
„Unfreie“ Währungen führen zu Wechselkursverzerrungen
Die Verwunderung relativiert sich allerdings, wenn man die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen betrachtet. Denn die asiatischen und auch die GCC-Staaten haben ihre Währungen mehr oder weniger offen an den Dollar gekoppelt und scheinen alles zu tun, um diesen Anker aufrecht zu halten. China gibt seine Währung nicht oder nur sehr, sehr zögerlich frei, Japan hält seine Zinsen tief und macht auf diese Weise die spekulativen Carry Trades attraktiv und andere Länder intervenieren gegen Aufwertungen, obwohl ihre Währungsreserven in ihrer Dimension längst jedes vernünftige Maß überschritten haben und aufgrund der verfolgten Anlagestrategien an den internationalen Finanzmärkten zu Verwerfungen führen.
Insgesamt scheinen diese Trends - auch die Carry Trades aus Schweizer Franken in höher verzinsliche Währungen und die damit verbundene Schwäche der Schweizer Währung - bis auf weiteres robust zu sein. Mittel- und langfristig dürfte jedoch klar sein, dass sie sich aufgrund der immer größer werdenden Ungleichgewichte nicht halten lassen. Bei anhaltender Aufwertung des Euro gegen den Yen dürften Europa fürher oder später etwas dagegen unternehmen müssen - die Eingriffe in Thailand (siehe: Neue Kapitalverkehrsvorschriften: Baht und SET geben nach) lassen grüssen. Aus diesem Grund dürften sich bei entsprechenden Wetten Absicherungsstrategien empfehlen.