25.11.2008 · Noch einmal 800 Milliarden Dollar pumpt die amerikanische Notenbank in den notleidenden Immobilien- und Verbraucherkreditmarkt. Nachdem die Zinssenkungen nicht den gewünschten Effekt hatten, versucht man es nun direkt. Den Dollar bringt dies in die Defensive.
Die Reaktionen waren heftig. Während die Aktienmärkte jubelten, entschieden die Devisenmärkte ähnlich deutlich und senkten den Daumen über dem Dollar. Binnen weniger Minuten sackte der Kurs der amerikanischen Währung von 1,28 Dollar je Euro auf mehr als 1,30 Dollar ab.
Auslöser war die Ankündigung der amerikanischen Notenbank Fed die Kreditvergabe für Konsum und Immobilien anzukurbeln, indem diese bis zu 600 Milliarden Dollar an, um
mit Hypotheken unterlegte Wertpapiere zu kaufen. Ein weiteres Programm über 200 Milliarden Dollar soll den Markt für Konsumentenkredite neues Leben einhauchen.
Nur die Krise macht den Dollar attraktiv
Die Analysten der Erste Bank hatten schon vor Bekanntwerden der Fed-Entscheidung mit einem Auslaufen der jüngsten Dollar-Rally des Oktober gerechnet, nachdem sich der Dollar im Umfeld der Unsicherheit an den Finanzmärkten seit etwa vier Wochen nur noch innerhalb der Bandbreite von 1,24 bis 1,29 Dollar je Euro bewegt hatte.
Hintergrund dieser Prognose war nicht zuletzt die immer wieder festzustellende Neigung der Marktteilnehmer, in Krisenzeiten an einfachen Regeln festzuhalten. Dazu gehört bei schlechten Nachrichten in den Dollar zuflüchten, selbst wenn die Nachrichten aus den Vereinigten Staaten selbst kommen. Schon die jüngste Entspannung nach dem Rettungspaket für die Citigroup hatte den Dollar geschwächt.
Der Dollar beziehe seine relative Attraktivität also aus der Krise. „Die Aktienbörsen haben komplett gedreht. Das verbreitet Optimismus und das ist genau das, was der Dollar im Moment nicht gebrauchen kann“, vertritt auch Devisenanalyst Lutz Karpowitz von der Commerzbank die These.
Dollar-Rally zu Ende
„Die Fed und das Finanzministerium stützen des Risikoappetit“, sagt Alan Ruskin, Chef-Währungsstratege bei RBS Greenwich Capital Markets. Er geht von einem neuen Aufwärtstrend für den Euro aus.
Das hatte sich auch in den Wochen zuvor gezeigt, als die Zuspitzung der Krise keine neuen Höchststände zufolge hatte, und somit sich ein deutlicher Boden im Euro-Dollar-Kurs zeigte. Auch gegenüber dem britischen Pfund verliert der Dollar am Dienstag deutlich an Wert. Waren gegen Mittag noch 66,7 Pence nötig, um einen Greenback zu erwerben, so sind es derzeit nur noch 65,3.
Ziel der Maßnahmen sei es wohl, die Kreditwirtschaft auf andere Weise in gang zu bringen als mit den bislang wirkungslos gebliebenen Zinssenkungen, meint Christop Balz, Analyst bei der Commerzbank. Balz geht zwar von einer Leitzinssenkung im kommenden Monat auf 0,5 Prozent aus, hält eine Nullzinspolitik aber nunmehr für unwahrscheinlich. Wenn die Leitzinsen bereits nahe Null lägen, brauche es Maßnahmen, die unmittelbar auf die Märkte wirkten.
Balz geht indes nicht davon aus, dass dies einen schnellen Wechsel des negativen Konjunkturtrends bewirken kann und geht von einer Rezession bis zur Mitte des kommenden Jahres aus. Die amerikanische Wirtschaft ist im dritten Quartal dieses Jahres um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. Auch wenn die größte Volkswirtschaft der Welt bisher nicht zwei Quartale in Folge geschrumpft ist, so sehen praktisch alle Ökonomen die Vereinigten Staaten in einer scharfen Rezession.
Vielleicht können wir's auch...
Tommy Mann (hot-doc)
- 25.11.2008, 19:39 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |