22.06.2006 · Nach einem wahren Höhenflug im Rahmen der allgemeinen Rohstoffhausse kommt es am Devisenmarkt mit Blick auf den Neuseeland-Dollar immer mehr zur Ernüchterung. Das Leistungsbilanzdefizit des Landes erreicht einen neuen Rekordwert.
Nach einem wahren Höhenflug im Rahmen der allgemeinen Rohstoffhausse kommt es am Devisenmarkt mit Blick auf den Neuseeland-Dollar immer mehr zur Ernüchterung. Hatte die Währung von 2,29 Dollar je Euro im September des Jahres 2001 bis auf 1,6417 Dollar je Euro im Dezember des vergangenen Jahres aufwerten können, so befindet sie sich seitdem deutlich auf dem Rückzug.
Inzwischen sind mit 2,0578 Dollar rund 25 Prozent mehr Einheiten der neuseeländischen Währung nötig, um einen Euro erwerben zu können als noch vor sechs Monaten. Gegen den amerikanischen Dollar befindet sich die Währung schon seit März des vergangenen Jahres auf dem Rückzug.
Leistungsbilanzdefizit Neuseelands erreicht einen neuen Rekordwert
Am Donnerstag steht der Kiwi-Dollar sowohl gegen den Euro als auch den Greenback erneut unter Druck. Hintergrund sind die jüngsten Zahlen über die Entwicklung des Leistungsbilanzdefizits des kleinen Landes. Mit einem Minus von 14,54 Milliarden Dollar in Landeswährung im vergangenen Jahr oder 9,3 Prozent des Sozialproduktes auf Jahresbasis hat es einen neuen Rekordwert erreicht. Im ersten Quartal stieg das Defizit von 1,87 auf 2,69 Milliarden Dollar im Jahresvergleich. Das sei ein beängstigendes Ereignis, finden manche Währungsstrategen, bringe es doch die bestehenden makroökonomischen Ungleichgewichte und die damit verbundenen Währungen wieder in den Fokus des Marktes.
„Das Ungleichgewicht Neuseelands ist groß, langfristig nicht haltbar und gefährdet die Kreditwürdigkeit des Landes von bisher AA+,“ kommentierte denn auch ein Länderanalyst von S&P die Entwicklung. Das Land habe einen weiten Weg zu gehen, bevor sowohl die Leistungsbilanz als auch die Außenverschuldung des Landes ein vernünftiges Niveau erreichen würden, ergänzte er.
Hintergrund der Ausweitung des Defizits war unter anderem das teure Öl in Verbindung mit der schwächer gewordenen Währung. Während der Importwert im ersten Quartal im Vergleich mit der Vorjahresperiode um acht Prozent zunahm, erhöhte sich der Exportwert gerade einmal um etwas mehr als vier Prozent. Beide Werte berechnen sich als Produkt aus Menge und Preis. Das heißt, Preisänderungen schlagen voll durch. Bis Ende März ist der Preis für importiertes Benzin in Neuseeland um 51 Prozent gestiegen.
Importpreise treiben das Defizit in die Höhe
Neuseeland exportiert vor allem Milchprodukte, Fleisch, Wolle, Wollprodukte und Maschinen. Auf der Importseite stehen vor allem Maschinen und Anlagen, Fahr- und Flugzeuge, Plastikteile, Textilien, elektronische Güter und auch Öl. Damit stellt sich die Frage, wie weit die Währung des Landes abwerten muß, um die unterschiedliche Preisentwicklung bei Ex- und Importen so ausgleichen zu können, daß das Defizit im Außenhandel zurückgehen kann. Viele Währungsstrategen sehen sie weiter fallen, bevor es zu einer Stabilisierung kommen kann.
Auf dieser Basis dürften im Moment auch die bei 5,845 Prozent liegende Rendite zehnjähriger neuseeländischer Staatsanleihen und ein Drei-Monats-Zins von 7,43 Prozent für internationale Anleger kein Argument sein, die Zinspapiere des Landes zu kaufen. Denn Währungsbewegungen können selbst beachtliche Renditevorteile schnell überkompensieren. Immerhin hält die Börse noch den mittelfristigen Aufwärtstrend. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 16 auf Basis der Gewinnschätzungen und einer Dividendenrendite von 7,45 Prozent spricht jedoch allenfalls letztere für sie.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |