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Devisenmarkt Kurzfristiges Auslandskapital wird Russland zu heiß

26.11.2009 ·  Es fließt wieder Kapital nach Russland. Um eine Destabilisierung des Rubels zu verhindern, will die Notenbank den Devisenmarkt unberechenbarer machen. Der Finanzminister warnt indessen vor einem überhitztem Aktienmarkt.

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Lange hat die Klage gegolten, nach Russland fließe zu wenig Kapital aus dem Ausland. Seit einiger Zeit jedoch sind die russischen Behörden über einen allzu starken Geldzufluss besorgt. Dabei haben sie kurzfristig orientiertes Kapital ("hot money") im Auge. Deshalb soll der Zufluss kurzfristigen Kapitals eingedämmt werden.

Russland ist ein Zielland sogenannter Carry-Trades, bei denen Finanzmarktakteure Kredite in einer Währung mit niedrigen Zinsen aufnehmen, um dieses Geld in einem Hochzinsland zu investieren. Die russische Notenbank senkte Anfang Woche zum neunten Mal in diesem Jahr die Leitzinsen. Der Refinanzierungssatz beträgt nun 9 Prozent, nach zuvor 9,5 Prozent. Seit April schwächte sich der Zinssatz um 400 Basispunkte ab. Weitere Zinssätze wurden um 0,5 Prozentpunkte ermäßigt. Trotz neunmaliger Zinssenkungen in diesem Jahr weist Russland immer noch ein hohes nominales Zinsniveau auf. Finanzminister Alexei Kudrin warnte vor einer Überhitzung der russischen Aktienmärkte, die ihren Wert seit Beginn des Jahres um mehr als 100 Prozent gesteigert haben. Die russische Notenbank fürchtet eine Destabilisierung des Rubels.

Kapitalkontrollen keine Thema

Kudrin und der stellvertretende Notenbankpräsident Alexei Uljukajew schlossen Maßnahmen wie Kapitalkontrollen aus, um eine Aufwertung der russischen Währung einzudämmen. Vielmehr sollen "weiche" Instrumente zum Einsatz kommen. Kudrin erwähnte die Möglichkeit einer Besteuerung der Gewinne bei Transaktionen mit kurzfristig angelegtem Geld. Konkret wurden Zinssenkungen und Interventionen am Devisenmarkt als Instrumente zur Eindämmung des "hot money" genannt. Zinssenkungen sind aufgrund eines nachlassenden Inflationsdrucks möglich. Ökonomen der UBS schränken aber ein, dass derzeit wieder die Kapitalflüsse, und nicht die von der Zentralbank festgelegten Sätze, die Zinssätze bestimmten. Wie früher sei wohl die Intervention auf den Devisenmärkten das Hauptinstrument der Notenbank.

Uljukajew kündigte auch an, vermehrt Währungstransaktionen durchzuführen, um Carry-Trades unsicherer zu machen. Die Zentralbank hält den Außenwert des Rubels gegenüber einem Währungskorb aus Euro und Dollar in einem definierten Korridor. Der Wechselkurs soll demnach volatiler werden, um die Erwartung eines stetig steigenden Rubelkurses zu brechen. Clemens Grafe, Chefökonom der UBS in Russland, ist jedoch der Überzeugung, dass es den Interventionen an Glaubwürdigkeit fehle, weil die Notenbank das für die Kursmanipulation notwendige Geld nicht bereitstellen könne, ohne die Inflation anzuheizen. Denn um eine Aufwertung des Rubels einzudämmen, müsse Geld gedruckt werden. Eine Aufwertung des Rubels ist zwar wegen der negativen Folgen für die Exportwirtschaft politisch unerwünscht, sie kann in diesem Szenario jedoch nicht vermieden werden, wenn auch auf den Inflationsdruck Rücksicht genommen werden wird.

Kudrin sagte aber auch, dass es zu einem Kapitalabfluss komme, wenn einige Länder ihre Maßnahmen zur Wirtschaftsstimulierung zurückfahren würden. Damit versuchte der Finanzminister wohl auch verbal, den Zufluss einzudämmen, indem er auf die möglichen Risiken eines kurzfristigen Engagements hinwies. Für Russland ist zudem die Entwicklung des Erdölpreises eine entscheidende Komponente. Aufgrund der gestiegenen Notierung soll das Haushaltsdefizit in diesem Jahr nurmehr 6,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anstelle des zuvor geplanten Lochs von 8,4 Prozent ausmachen. Ein ausgeglichener Haushalt wird von 2012 an erwartet, wenn der Erdölpreis mehr als 60 Dollar je Fass beträgt. Eine Verschlechterung der Haushaltslage könnte einen Aufwärtsdruck auf die Zinssätze bedeuten, was der derzeitigen Strategie der Notenbank nicht entgegenkäme.

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