Das Jahr 2008 begann für die Anleger alles andere als erbaulich. Die meisten Börsen starteten mit Kurverlusten in das neue Kalenderjahr. Viele Strategen rechnen zwar mit einem freundlichen Kursverlauf in den kommenden Monaten. Allerdings gehört der Optimismus bei vielen Banken und Anlageberatern zum Geschäft. Denn wie sonst sollten sie ihre Produkte an die Frau oder an den Mann bringen?
Sie scheinen jedoch geflissentlich zu übersehen, dass die schon lange schwelende, in den vergangenen Monaten offensichtlich gewordene Kreditkrise ihr Tribut fordert. Sie schwächt die Konjunktur und reduziert über das abnehmende Kreditangebot die verfügbare Liquidität. Aus diesen Gründen dürfte es ratsam sein, die weitere Entwicklung kritisch zu betrachten und überoptimistische Prognosen zu hinterfragen.
Schweizer Franken und Yen werten auf - vor allem gegen den Dollar
Immerhin deuten die Entwicklungen am Devisenmarkt deutlich auf den Abbau von Risikopositionen hin, die in den vergangenen Jahren in Form der so genannten Carry Trades gang und gäbe waren und niedrig verzinsliche Währungen wie den Yen und den Schweizer Franken haben abwerten lassen. Längst ist eine massive Gegenbewegung im Gange. Das zeigt sich beispielsweise darin, dass Währungspaare wie der Euro gegen den Yen und der Euro gegen den Schweizer Franken deutlich korrigieren: Sowohl der Yen als auch der Franken werten auf.
Das gilt vor allem gegen den Dollar. Trotz der offensichtlich schwachen Konjunktur in Japan konnte der Yen seit Mitte des vergangenen Jahres knapp 14 Prozent auf zuletzt 106,8 Yen je Dollar aufwerten. Dafür dürften japanische Anleger verantwortlich sein, die in den vergangenen Jahren in immer ausgeprägterer Form auf steigende Kurse an den internationalen Finanzmärkten gesetzt hatten. Im Rahmen der Kreditkrise und der deutlicher werdenden Konjunkturflaute holen sie ihre Gelder zurück und beflügeln auf diese Weise den Yen.
Ähnlich sieht es mit dem Schweizer Franken aus. Er holt nicht nur gegen den Euro auf, sondern erreichte gegen den Dollar am Dienstag mit Kursen von bis zu 1,0856 Franken je Dollar den höchsten Stand oder den tiefsten Kurs aller Zeiten. Dafür dürften unter anderem Schweizer Anleger verantwortlich sein, die in den vergangenen Jahren vom Kursaufschwung der europäischen Börsen profitiert hatten und nun ihre Gelder zurückholen. Immerhin gibt es eine starke Korrelation zwischen dem Euro-Franken-Kurs und den europäischen Indizes.
Schwache Einzelhandelsumsätze in Amerika belasten den Dollar
Neben der Schweizer befindet sich auch die norwegische Währung gegen den Dollar auf Rekordniveau. Inzwischen sind gerade noch 5,25 Kronen nötig, um einen Dollar erwerben zu können. Das ist der tiefste Kurs seit dem März des Jahres 1981. Auch das dürfte kaum verwundern. Denn die norwegische Konjunktur läuft gegenwärtig bei voller Auslastung der verfügbaren Kapazitäten noch auf vollen Touren, während die amerikanische aufgrund der anhaltenden Kreditkrise immer deutlicher schwächelt.
Am Dienstag erhielten die Wachstumsskeptiker frische Munition: Die amerikanischen Einzelhandelsumsätze fielen im Dezember mit Minus 0,4 Prozent auf Monatsbasis deutlich schwächer aus als erwartet. Sollte nach dem Bau- und Finanzbereich auch noch der Einzelhandel in die Rezession geraten, dürfte sich das negativ auf das Wachstum der Weltwirtschaft auswirken. In diesem Falle dürften sich die gegenwärtig zu beobachtenden Repatriierungstendenzen noch verstärken, verschiedenste Börsen in den Schwellenländern unter Druck bringen und am Rohstoff- und Devisenmarkt zu weiteren Extremkursen führen. Immerhin befindet sich auch der Euro am Dienstag nahe an seinem Allzeithoch gegen den Dollar.