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Devisenmarkt Keiner weiß, wohin der Euro geht

23.11.2005 ·  Die überraschende Ankündigung der EZB am vergangenen Freitag, die Zinsen noch in diesem Jahr zu erhöhen, hat den Euro auf den Devisenmärkten Vorteile verschafft. Doch er scheint jetzt bereits wieder in die Defensive zu geraten.

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Eines der entscheidenden Argumente für den Dollar in den vergangenen Monaten war die Zinsdifferenz zwischen Europa und Amerika. Drüben stiegen diese in gleichmäßigen Schritten von Notenbank-Sitzung zu Notenbank-Sitzung, während die EZB dem untätig zuzusehen schien.

Lange Zeit wurde darüber spekuliert, ob und wann die EZB ihre Passivität an der Zinsfront aufgeben würde. Schien es so, ging es für den Euro nach oben, schien es nicht so, nach unten. Nachdem am vergangenen Freitag EZB-Präsident Trichet nun Zinserhöhungen ankündigte, war ja wohl alles geklärt, der Euro wird stärker.

Euro bald bei 1,28 Dollar...

Stefan Klomfass, Leiter der Abteilung Märkte und Strategien der Helaba, sieht sich zu großem Optimismus veranlaßt. Der Dollar habe zuletzt vom Zinsvorteil der Vereinigten Staaten profitiert. „Die Fed wird die Zinsen weiter anheben, die EZB wird ihr allmählich Paroli bieten“. Für Ende 2006 rechnet er bereits mit einem Euro-Kurs von 1,28 Dollar.

Zudem wird spekuliert, daß nach dem Wechsel an der Spitze der amerikanischen Notenbank der dortige Zinserhöhungszyklus ein Ende finden wird. Anleger hatten sich nach der Veröffentlichung des Protokolls der jüngsten Sitzung der amerikanischen Notenbank am Dienstag von Dollar-Beständen getrennt, weil sie ein baldiges Ende der Phase steigender Zinsen in den Vereinigten Staaten kommen sahen.

Laut Protokoll zeigten sich die amerikanischen Notenbanker zwar weiter besorgt über die Inflationsrisiken, gleichzeitig überlegten sie aber, wie sie die Basis für ein baldiges Ende der Zinserhöhungsphase legen sollen. Aus all diesem möchte man sicher miteiniger Bestimmtheit eine künftige Nivellierung des Zinsgefälles ableiten.

... oder doch nur 1,14?

Doch in diesen klaren Wein wird von allen Seiten Wein geschüttet. „Der Dollar ist im vergangenen Jahr König gewesen“, sagt Kamal Sharma, Währungsstratege bei der Bank of America. „Die Marktreaktion ist leicht überzogen.“ Ins gleiche Horn stößt Kollege Jesper Dannesboe von der Credit Suisse First Boston: „Der Markt hat überreagiert. Wir glauben immer noch, daß die Fed im nächsten Jahr auf fünf Prozent geht.“ Und er fügt hinzu: „Zudem glauben wir nicht daß die EZB die Sätze dramatisch anheben wird und jedenfalls nicht so stark wie die Fed.“

Damit könnte Dannesboe auch durchaus recht haben. Schon am Dienstag stellte EZB-Präsident Trichet klar, daß keine Serie von Zinserhöhungen ansteht. Dannesboe sieht den Dollar in den nächsten drei Monaten auf 1,14 Dollar zum Euro ansteigen.

Daß das Sentiment immer noch Dollar-positiv ist zeigten auch die Reaktionen auf am Mittwoch veröffentlichte Konjunkturdaten. Weder die schlechter als erwartet ausgefallene Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den Vereinigten Staaten noch ein überraschendes Drei-Jahres-Hoch des italienischen Verbrauchervertrauens konnten der europäischen Gemeinschaftswährung auf die Sprünge helfen.

Tim Fox, Währungsstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein macht dafür den immer noch großen Wachstumsunterschied zwischen Amerika und Europa verantwortlich. Dahinter scheinen auch in den Augen der Märkte die Ungleichgewichte in der amerikanischen Volkswirtschaft zu verblassen. Insofern dürfte die Schaukelpartie zwischen den beiden Währungen, bei der der Dollar im Trend das Übergewicht hat, wohl noch eine Weile weitergehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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