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Devisenmarkt Japanische Zinspause: Yen stellt neue Tiefs auf

18.01.2007 ·  Der Yen nimmt nach unverändertem Leitzins in Japan die Abwertungstrends gegen den Dollar und vor allem auch gegen den Euro wieder auf. Real und effektiv befindet sich die Währung auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren.

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Die Kursentwicklung des Yen in den vergangenen Jahren ist schon ein Phänomen: Das Land kann Handelsüberschüsse erzielen wie es will, die Währung scheint eher zur Schwäche denn zur Stärke zu neigen.

Die Erklärung dafür ist relativ einfach. Das Land setzt strategisch auf eine schwache Währung, um auf diese Weise vor allem der Exportwirtschaft kompetitive Vorteile zu verschaffen. Das wurde am Donnerstag wieder einmal deutlich, da die Zentralbank des Landes - sie scheint nicht unabhängig zu sein, sondern wird offensichtlich politisch beeinflusst - den Leitzins des Landes nicht weiter anhob, obwohl viele Experten eine Zinserhöhung auf lächerliche 0,5 Prozent erwartet hatten.

Yen auf dem Weg zu neuen Allzeittiefs bzw. Kurshochs gegen den Euro

Darauf reagierte die Währung mit Kursverlusten gegen Euro und Dollar. Mit einem Plus von 110 Stellen auf 157,24 Yen je Euro hat sie sich nach einer kurzen Zwischenkorrektur wieder auf den langfristigen Abwertungstrend gemacht. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis das Währungspaar neue Rekordkurse verzeichnet. Und das, obwohl der Euro gegen den Yen auf Basis von Modellen wie der Kaufkraftparität dramatisch überbewertet ist.

Auch gegen den Dollar steigt der Kurs um 64 Stellen auf 121,24 Yen je Dollar und damit auf den höchsten Stand seit März des Jahres 2003. Auch hier dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis neue Mehrjahreshochs erreicht werden. Der reale, effektive Wechselkurs der Währung befindet sich längst auf dem tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Wenn etwas eine kompetitive Abwertung ist, dann ist es das.

Vorerst dürfte sich daran wenig ändern. Denn die japanische Strategie scheint darauf hinaus zu laufen, den Zinsnachteil gegenüber anderen Währungen zu halten. Die jüngste Zinsentscheidung deutet unmissverständlich darauf hin. Auf diese Weise werden die Carry Trader und die japanischen Anleger frisch ermuntert, Kapital aus dem Land abfließen zu lassen. Das setzt den Kurs der Währung wieder einmal unter Druck.

Immerhin deuten in Europa die Zeichen auf weitere Zinserhöhungen und nach der überraschenden Zinserhöhung in Großbritannien und auf Basis der jüngsten Inflationsdaten aus den Vereinigten Staaten scheinen die beachtlichen Zinsdifferenzen zwischen diesen Regionen und Tiefzinsländern wie Japan und der Schweiz eher größer als kleiner zu werden.

Marktteilnehmer zweifeln zunehmend an der Glaubwürdigkeit der Zentralbank

Dabei wird kaum jemand ernsthaft behaupten können, Japan hätte so tiefe Zinsen ernsthaft nötig. Denn das Land befindet sich schon seit Jahren in einer Liquiditätsfalle, in der eine lockere Geldpolitik, außer einer extremen Staatsverschuldung und zu hohen Vermögenspreisen, nicht viel bringt. Die wiederum bergen mittel- und langfristig den Kern einer Krise in sich, da sie im Falle eines deutlicheren Wirtschaftsabschwunges korrigieren und damit die Schwierigkeiten verstärken dürften. Nichts zeigte das deutlicher, als die Börsen- und Immobilienkrise in den achtziger Jahren.

Die „Falken“ der japanischen Zentralbank tendieren dazu, die Zinsen in Japan nach oben zu nehmen, um die Wiederholung dieser Krise zu vermeiden. Die „Tauben“ dagegen und vor allem auch die Regierung wehren sich aus populistischen Gründen dagegen. Sie wollen lieber eine lockere Geldpolitik, statt das „harte und vor allem auch unpopuläre, jedoch dringen nötige Feilen“ an strukturellen Problemen auf sich zu nehmen.

Das erhöht nach Ansicht der Marktteilnehmer nicht gerade ihre Glaubwürdigkeit und führt dazu, dass spekulative Marktteilnehmer zumindest kurzfristig gegen den Yen und auch gegen den Schweizer Franken wetten. Allerdings sind solche Strategien riskant, da deutliche Gegenbewegungen jederzeit möglich sein dürften.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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