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Devisenmarkt IWF-Kredit stützt den rumänischen Leu

05.07.2010 ·  Rumänien muss sparen und dieser Prozess ist sehr schmerzhaft. Den Leu hat das im zweiten Quartal deutlich gedrückt. Doch jetzt sorgt eine vom IWF freigegebene Kredittranche für Entlastung bei der rumänischen Landeswährung.

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Gerade zur rechten Zeit ist die Entscheidung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gekommen, Rumänien die zunächst gestoppte Auszahlung einer vierten Kredittranche (insgesamt hat Rumänien ein IWF-Hilfsprogramm in Höhe von 13,6 Milliarden Euro, von der inklusive der aktuellen Zahlung 10,7 Milliarden Euro in Anspruch genommen wurden) in Höhe von 913 Millionen Euro zu gewähren. Denn der Leu legte daraufhin am Freitag so stark zu wie seit 14 Monaten nicht mehr.

Auch am Montag profitiert die rumänische Landeswährung noch von dem Beschluss. Am Nachmittag kostet 1 Euro 4,2491 Leu. Gegenüber dem noch am vergangenen Dienstag markierten Rekordtief von 4,3929 zulasten des Leu bedeutet dies eine Verbesserung um 3,3 Prozent. Die rumänische Währung bewegt sich damit wieder auf einem Niveau, das über weite Strecken des Vorjahres Gültigkeit hatte. Die nach einer Zwischenerholung im ersten Quartal 2010 im zweiten Quartal erlittenen Verluste sind damit aber noch nicht wieder komplett wettgemacht.

Aufgeblähter Staatsapparat und hoher Rentneranteil machen Einschnitte erforderlich

Zuletzt hatte der Leu einen neuerlichen Schwächeanfall erlitten, weil das Verfassungsgericht des Landes entschieden hatte, dass die von der Regierung für 2010 beschlossene Kürzung der Renten um 15 Prozent gesetzwidrig sei. Doch die Regierung reagierte schnell und beschloss eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 24 Prozent, die bereits am Donnerstag in Kraft getreten ist. Die dadurch generierten Finanzmittel sollen einen Ausgleich dafür schaffen, dass die Pensionskürzungen nicht durchführbar sind. Außerdem erhalten alle Angestellten im öffentlichen Dienst fortan 25 Prozent weniger Lohn und es sollen 53.000 Stellen im öffentlichen Sektor gestrichen werden.

Einsparmaßnahmen wie diese sind erforderlich, um die Vorgabe des IWF zu erfüllen, das Haushaltsdefizit, das sich im Vorjahr auf 7,2 Prozent belief, in diesem Jahr auf 6,8 Prozent zu drücken. Wie die Kreditzahlung zeigt, ist der IWF fürs Erste zufrieden mit den unternommenen Sparanstrengungen. Allerdings handelt es sich bei der Umsetzung des Haushaltskonsolidierungsplans um eine echte Herkulesaufgabe Denn in Rumänien gibt es 4,3 Millionen Angestellte, davon arbeiten 1,36 Millionen im öffentlichen Sektor. Von den etwa 21 Millionen Einwohnern sind etwa 5,5 Millionen Rentner. Wegen dieser Ausgangslage bezeichnet auch Ministerpräsident Emil Boc die Bürokratie seines Landes als aufgebläht und ineffizient. Doch eine Korrektur wird nicht einfach durchzusetzen sein, zumal es sich bei Rumänien um das zweitärmste Land in der EU handelt und alle Einschnitte den Betroffenen richtig weh tun dürften.

Leichter wird die Aufgabe auch nicht dadurch, dass die fiskalpolitische Konsolidierung auch Bremsspuren bei der Konjunktur hinterlassen dürfte. Die Regierung hat kürzlich jedenfalls eingeräumt, dass die kräftigen Steuererhöhungen die wirtschaftlichen Aussichten eintrüben. Finanzminister Sebastian Vladescu erklärte, die Wirtschaftsleistung werde 2010 wohl um ein bis zwei Prozent schrumpfen (im 1. Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt nach vorläufigen Angaben um 2,6 Prozent) und damit deutlicher als bislang angenommen. 2009 belief sich das Minus auf sieben Prozent.

Leu stark abhängig vom Sentiment der Anleger

Nach der Anhebung der Mehrwertsteuer muss zudem mit einem Anstieg der Inflationsrate gerechnet werden. Bei der Commerzbank rechnen die Volkswirte deshalb jetzt mit einer Jahresinflationsrate von 5,7 Prozent statt mit 4,2 Prozent. Und das wiederum könnte die Notenbank dazu zwingen, den Leitzins von derzeit 6,25 Prozent im zweiten Halbjahr zu erhöhen. Die Volkswirte von BNP Paribas können sich jedenfalls eine Anhebung um 50 Basispunkte vorstellen, bevor es dann 2011 wieder zu fallenden Leitzinsen kommen könnte.

Angesichts dieser komplexen Ausgangslage ist es immerhin ein kleiner Trost, dass die Staatsverschuldung zuletzt zwar gestiegen ist, sie sich aber mit einem prognostizierten Wert für 2010 von etwa 30 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt noch im Rahmen bewegt. Zumal hinzu kommt, dass Rumänien auch noch über relativ hohe internationale Währungsreserven verfügt. Das ist wegen einem zwar auf rund 5 Prozent gesunkenen, aber noch immer bestehenden Leistungsbilanzdefizit und einem steigende Anteil von Fremdwährungskrediten im Privatsektor aber auch ratsam. Das Verhältnis von Fremdwährungskrediten zu Fremdwährungseinlagen in den Bankbilanzen beträgt fast zwei, was als ungesund gilt. Kritisch beobachten werden muss auch die mittlerweile auf 70 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt gestiegene Auslandsverschuldung.

Insgesamt scheint der Leu vor diesem Hintergrund noch nicht aus dem Schneider zu sein. Aber dank des IWF-Kredits besteht jetzt zumindest die Chance auf eine Stabilisierung. Die Analysten der österreichischen Raiffeisenbank halten bis Ende 210 jedenfalls eine Befestigung auf 3,95 Leu für einen Euro für denkbar. Damit neue Rekordtiefs gegenüber dem Euro vermieden werden können, kommt es aber auch darauf an, wie sich allgemein die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer entwickelt. Trübt sich die Stimmung allgemein wieder ein, dürfte das auch immer wieder den Leu in den Fokus der Spekulanten rücken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @JüB
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