Im Vorjahr tendierte der Schweizer Franken über weite Strecke auffällig schwankungsarm. Die Notiz für einen Euro bewegte sich über weite Strecken in einer relativ engen Bandbreite bei Kursen von rund 1,51 Franken. Geschuldet war der Seitwärtstrend der aktiven Einflussnahme durch die Schweizer Notenbank. Denn diese hat mit Interventionen immer wieder dafür gesorgt, dass die heimische Währung nicht aufwertet. Insgesamt dürften zwischen März und Dezember gut 40 Milliarden Franken aufgewendet worden sein, um den Franken zu bremsen.
In welche Richtung der Franken eigentlich strebt, nämlich nach oben, wird aber in den vergangenen Wochen deutlich. Denn da hat sich die Notiz kontinuierlich befestigt und am Donnerstag werden erstmals seit März 2009 wieder Kurse von 1,48 Franken für einen Euro erreicht. Möglich geworden ist dieser Anstieg auf ein Zehnmonatshoch, weil die heimische Notenbank am 10. Dezember neben ersten Schritten zur Normalisierung ihrer zuletzt unkonventionell expansiven Geldpolitik verkündet hat, einer Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro nicht mehr grundsätzlich, sondern nur noch bei einer „übermäßigen“ Entwicklung entgegenwirken.
Spekulationen über die neue Interventionsgrenze
Bei diesem Sprachgebrauch stellt sich nach den jüngsten Kursanstiegen natürlich für Investoren am Devisenmarkt die Frage, auf welches Kursniveau die Notenbank ihre Interventionsschwelle gesenkt hat. Bis zu dem kleinen Richtungsschwenk vom 10. Dezember galt unter Marktbeobachtern die Marke von 1,50 Franken als inoffizielle Schmerzgrenze. Die Experten bei der Commerzbank taxieren die neue Interventionsgrenze auf Notierungen von 1,46 bis 1,45 Franken. Teilweise werden aber auch schon die jetzt erreichten Stände von 1,48 Franken als mögliche Schwelle für neue Eingriffe genannt.
Tatenlos zusehen werden die Verantwortlichen einer zu starken Aufwertung der Schweizer Landeswährung jedenfalls sicherlich nicht. Denn dafür sind die Gründe für die im Vorjahr gemachten Interventionen noch zu präsent. Damals wurde zur Rechtfertigung der verfolgten Devisenpolitik immer gesagt, man wolle der Exportwirtschaft helfen und deflationären Tendenzen entgegen wirken. Die Konjunktur hat sich zuletzt zwar etwas befestigt, in ihrer jüngsten Prognose traut die Notenbank der heimischen Wirtschaft nach einer Schrumpfung des Bruttoinlandproduktes um etwa 1,5 Prozent in diesem Jahr im kommenden Jahr aber noch immer lediglich ein Wirtschaftswachstum von 0,5 bis 1,0 Prozent zu.
Auch von einem Ende der Deflationsgefahr kann zumindest aktuell noch keine Rede sein. Wie eben erst gemeldet wurde, sind die Preise im Dezember mit plus 0,3 Prozent zwar erstmals seit zehn Monaten gestiegen. Volkswirte hatten im Schnitt aber mit einem Preisanstieg von 0,5 Prozent gerechnet und von der als Schmerzgrenze geltenden Zwei-Prozent-Marke ist man damit ebenfalls noch weit entfernt.
Aufwertungsdruck versus Interventionsgefahren
Diese Daten sprechen nicht für baldige Zinserhöhungen. Das sehen auch die Analysten von UniCredit Markets & Investment Banking so. Selbst bei einer prosperierenden Weltkonjunktur werde die Notenbank nach ihrer Ansicht die Leitzinsen stets deutlich unter dem Durchschnitt der anderen G10-Zentralbanken halten.
Zusammen mit der Annahme, dass dies eigentlich dafür spricht, dass der Franken weiter als Finanzierungswährung für Carry-Trades verwendet wird, spricht das eher gegen den Franken. Trotzdem steht die Währung wie die vergangenen Wochen zeigten unter Aufwertungsdruck, was sicherlich mit den strukturellen Schwächen (Stichwort Staatsverschuldung) der anderen Leitwährungen zu tun hat.
Und dieser Trend dürfte grundsätzlich auch anhalten, wobei der Franken für Spekulanten trotzdem keine sichere Wette ist, weil die Notenbank mit jederzeit möglichen Eingriffen die Anlagestrategie kurzfristig empfindlich stören kann.