11.12.2007 · Chinas Wirtschaft wächst deutlich. Allerdings hat das Land inzwischen ausgeprägte Inflationsprobleme. Aus diesem Grund lässt es den Yuan zumindest gegen den schwachen Dollar immer rascher aufwerten - bisher jedoch nicht gegen den Euro.
China und seine Währung bietet immer wieder gute Gründe, um über sie zu schreiben. In letzter Zeit waren es immer dieselben: Seit der Abkoppelung der Währung vom amerikanischen Dollar im Juli des Jahres 2005 wertet der Yuan zwar gegen den Dollar und auch gegen den notorisch schwachen Yen auf, dagegen hat er in den vergangenen Monaten gegen den Euro abgewertet.
Dabei erzielt das Land im Außenhandel deutliche Überschüsse, die in einem normalen Markt zu einer deutlichen Aufwertung der Währung führen müssten. Die am Montag veröffentlichten Zahlen zum Außenhandel zeigten, dass die Exporte im November um 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Aufgrund von stärker als erwartet zunehmenden Importen ging der Handelsbilanzüberschuss im Vergleich zum Vormonat leicht auf 26,3 Milliarden Dollar zurück.
In den ersten elf Monaten des Jahres hat der Außenhandelsüberschuss mittlerweile dennoch ein Rekordniveau von 238 Milliarden Dollar erreicht. Mit dem anhaltend starken Überschuss im Außenhandel erhöht sich auch der internationale Druck auf die chinesische Führung, den Wechselkurs zu flexibilisieren.
Aufwertungsdynamik gegen den Dollar nimmt zu
Dieser Druck wurde und wird zumindest kurzfristig durch die Tatsache verstärkt, dass die chinesische Währung, zumindest an objektiven Kriterien gemessen, noch deutlich unterbewertet ist. Genau das zieht zusammen mit der spekulativen Dynamik an den chinesischen Vermögensmärkten internationales Kapital an.
Trotzdem wehrte sich China bisher gegen Druck von außen. Allerdings hat die Aufwertungsdynamik in den vergangenen Wochen zumindest gegen den Dollar etwas zugenommen. Am Dienstag sind noch 7,38 Yuan nötig, um einen Dollar erwerben zu können. Das ist ein Minus von 10,85 Prozent zum Festkurs der Jahre 1995 bis 2005. Experten gehen davon aus, dass sich die Aufwertungsbewegung in den kommenden Monaten von bisher rund fünf bis sieben Prozent im Jahr auf sieben bis zehn Prozent beschleunigen könnte.
Die Gründe lassen sich einfach finden. China hat ein Preisniveauproblem. Die Inflationsrate des Landes hat im November mit 6,9 Prozent den höchsten Stand seit elf Jahren erreicht. Chinas Wirtschaft, die viertgrößte weltweit, wuchs im dritten Quartal 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über eine Aufwertung lassen sich einerseits steigende Importpreise - insbesondere für Energie und Rohstoffe - abdämpfen. Andererseits nimmt der Zwang ab, überflüssige Geldmittel, die aufgrund Wechselkurs stabilisierender Interventionen auflaufen, abzuschöpfen.
Auf der anderen Seite beschneidet eine Aufwertung jedoch die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Unternehmen. Und diese ist gerade bei Staatsunternehmen trotz niedriger Löhne und Lohnnebenkosten nicht sehr ausgeprägt. So versucht die chinesische Regierung der überhitzen Konjunktur neben der langsamen Aufwertung mit Zinserhöhungen, Erhöhung der Mindestreservesätze und nicht zuletzt auch mit der Ausgabe von Anleihen und Aktienemissionen zu begegnen. Solche Maßnahmen haben eines gemeinsam: Sie entziehen der Wirtschaft Liquidität.
Steigende Nahrungsmittelpreise bergen sozialen Sprengstoff
China hat die Kreditvergabe im laufenden Jahr zunehmend restriktiver gestaltet und die Zinsen fünf Mal angehoben. Damit will die Regierung die Inflation eindämmen und überzogene Investitionen bremsen, die zu Überkapazitäten in der Industrie führen können. Die einjährigen Zinsen für Ausleihungen liegen inzwischen auf einem Neun-Jahres-Hoch bei 7,29 Prozent. Die Notenbank hat in der vergangenen Woche zum zehnten Mal im laufenden Jahr den Mindestreservesatz für die Banken auf zuletzt 12,5 Prozent erhöht.
Überschüssige Liquidität führt nicht nur zur Fehlallokation von Kapital und zu Vermögenspreisblasen, die mittel- und längerfristig zu deflationären Effekten führen können. Steigende Preise können zudem das soziale Gefüge gefährden und zu Unruhen führen. Das gilt vor allem für die Nahrungsmittelpreise im ländlichen Raum. Dort nehmen die Einkommen höchstens unterdurchschnittlich zu, wenn überhaupt. Das machte ein Ansturm beim Verkauf von Speiseöl im vier Millionen Einwohner zählenden Chongqing im Südwesten Chinas im vergangenen Monat deutlich, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Nahrungsmittel sind insgesamt sind im November um 18,2 Prozent teuerer geworden. Sie machen ein Drittel in der Zusammensetzung des Warenkorbes im Verbraucherpreisindex aus.
Insgesamt deuten gegenwärtig viele Gründe auf eine anhaltende Aufwertung der chinesischen Währung hin. Sollte allerdings die chinesische Exportmaschine aus welchen Gründen auch immer ins Stottern geraten, dürfte eine Gegenbewegung kaum überraschen. Dann könnte es auch zu einer Erleichterung für Europa kommen. Denn der Euro hat in den vergangenen Jahren gegen den Yuan aufgewertet, obwohl der Export Chinas nach Europa deutlich zugenommen hat.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |