Home
http://www.faz.net/-gvz-vw1f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisenmarkt Hohe Inflation - starker Zloty

20.06.2008 ·  Der Zloty wertet schon seit einigen Jahren beständig auf. Kurzfristig profitiert die Währung von der Zinsphantasie, die wiederum vom Preisauftrieb ausgeht. Noch kommt dem Land ein robuster Binnenkonsum zugute.

Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (0)

Der polnische Zloty gehörte in den vergangenen Jahren zu den stärksten Währungen weltweit. Seit einem Kurshoch beziehungsweise Werttief im Februar des Jahres 2004 wertet er im Trend sogar gegen den an sich schon starken Euro auf.

Waren damals 4,90 Zloty nötig gewesen, um eine Einheit der europäischen Einheitswährung erwerben zu können, so sind dafür inzwischen gerade noch 3,3629 Zloty notwendig. In den vergangenen Tagen hat sich die Aufwertungsdynamik sogar etwas verstärkt.

Kerninflation auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren

Das lag an Spekulationen auf den Preisauftrieb, die sich am Freitag bestätigten. Mit einer Kerninflationsrate von 3,2 Prozent im Mai fiel dieser zwar zunächst etwas geringer aus als befürchtet. Allerdings liegt er auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Die Dynamik zeigt deutlich nach oben, zumal wesentliche Komponenten wie teure Energie und Nahrungsmittel nicht in dieser Kennzahl enthalten sind.

Nicht nur der Preisauftrieb hält an. In den vergangenen Monaten sind die Inflationserwartungen in Polen deutlich gestiegen. Nach einer Erhebung der Narodowy Bank Polski (NBP) lag die Inflationserwartung im April bei 4,7 Prozent. 32,5 Prozent der befragten Personen rechneten mit einer zunehmenden Dynamik des Preisauftriebs. Dies war der zweithöchste Wert seit Beginn der Erhebung. Weitere 46,6 Prozent gingen davon aus, dass sich die Preise in den kommenden zwölf Monaten mit gleicher Geschwindigkeit erhöhen würden wie bisher.

Diese Entwicklung verstärkt die Erwartung, die polnische NBP werde den Leitzins in der kommenden Woche um weitere 0,25 Prozentpunkte auf dann sechs Prozent erhöhen, nachdem sie ihn seit März des vergangenen Jahres in sieben Schritten von vier auf zuletzt 5,75 Prozent angehoben hatte. Die Ursache für die Zinserhöhungen lässt sich weniger an den Preiserhöhungen an sich festmachen, als vielmehr an den Preiserwartungen und der Sorge über mögliche oder gar tatsächliche Zweitrundeneffekte.

Denn der Konsum im Polen boomt. Die Einzelhandelsumsätze stiegen im April um 17,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Mai dürften sie nach Ökonomenschätzungen um knapp 15 Prozent zugelegt haben. Diese Entwicklung dürfte kaum verwundern. Denn erstens haben viele Polen noch Nachholbedarf im Vergleich zu den Bürgern westlicher Staaten. Dieser wird mit steigenden Löhnen nach und nach abgebaut.

Aufwertung hilft der Zentralbank, den Preisauftrieb zu dämpfen

Eine hohe Inflationsrate könnte diesem Prozess in die Quere kommen, da Preissteigerungen die Kaufkraft der Konsumenten beschneiden und dem normalen Wirtschaftsprozess schaden, der im Kern auf leicht, jedoch berechenbar steigenden Preisen basiert. Genau aus diesem Grund ist es wichtig, dass die Zentralbanken die Preiserwartungen stabilisieren können. Im Mai fiel die polnische Industrieproduktion mit einem Plus von 2,3 Prozent auf Jahresbasis zwar überraschend schwach aus. Allerdings dürften dafür statistische Sondereffekte in Form langer Wochenenden maßgeblich sein.

Im gesamten ersten Quartal lag das Wachstum bei 6,1 Prozent, da sich die Binnennachfrage robust zeigt. Die polnische Regierung geht im Gesamtjahr von einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 5,5 Prozent aus. Auf dieser Basis und auch mit Blick auf die Zinserwartungen dürfte kaum verwundern, dass die polnische Währung zur Stärke neigt. Die Aufwertung hilft der Zentralbank, den Preisauftrieb zu dämpfen, denn im Gegensatz zu vielen anderen Ländern blieben die Importpreise in den vergangenen Monaten stabil. Das ist wichtig, da das Land ein Leistungsbilanzdefizit erwirtschaftet. Im ersten Quartal dürfte es bei knapp vier Milliarden Euro gelegen haben.

Insgesamt dürfte die polnische Währung mit einiger Wahrscheinlichkeit weiter aufwerten. Sollte der Preisauftrieb nachlassen, könnten polnische Staatsanleihen wieder interessant werden, nachdem sie in den vergangenen Monaten deutliche Kursverluste hinnehmen mussten. Die Rendite zehnjähriger Papiere liegt mit 6,45 Prozent knapp zwei Prozentpunkte über den deutscher Staatsanleihen mit vergleichbarer Laufzeit. Polnische Aktien zählen zu den günstigsten weltweit. Sollte sich die Stimmung an den Finanzmärkten verbessern, dürften sie Anleger reizen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach