Home
http://www.faz.net/-gvz-1140b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisenmarkt „Hoffnungsloses“ Pfund macht die Briten nervös

 ·  Das britische Pfund zeigt sich am Devisenmarkt so schwach wie selten zuvor. Der Wechselkurs ist zum Gesprächsthema geworden. Die ausgeprägte wirtschaftliche Schwäche in Großbritannien ist tatsächlich kaum zu übersehen.

Artikel Bilder (10) Lesermeinungen (2)

Das britische Pfund zeigt sich am Devisenmarkt so schwach wie selten zuvor. Es hat gegen den Euro in den vergangenen beiden Jahren massiv abgewertet. Von Januar des Jahres 2007 bis Mitte Dezember des Jahres 2008 stieg der Kurs von 65,63 Pence je Euro auf 89,81 Pence. Das ist ein Plus von 37 Prozent.

Gegen andere Währungen wie den Yen fielen die Kursverluste noch ausgeprägter aus. Selbst gegen den bis noch vor kurzem schwächelenden Dollar fiel die britische Währung deutlich zurück: Waren im November des vergangenen Jahres noch 2,11 Dollar nötig gewesen, um im professionellen Handel eine Einheit der britischen Währung erwerben zu können, so sind dafür inzwischen noch 1,4891 Dollar nötig.

Wechselkurs ist zum Gesprächsthema geworden

Selbst für die Briten selbst ist der Wechselkurs zum Gesprächsthema geworden. Ist das Pfund noch einen Euro wert oder liegt der Kurs schon darunter, fragen sich manche schon. Rob Childs, ein Country-Musiker auf dem Weg zu einem Konzert in Brüssel, macht die Probe aufs Exempel. Er kann seinen Augen kaum trauen. In einer Wechselstube im Londoner St. Pancras Bahnhof bekommt er nach Abzug der Spesen für 60 Pfund gerade mal 57 Euro. Der Wechselkurs liegt bei 1,0185 Euro je Pfund. Noch vor einem Jahr hätte Childs etwa 80 Euro bekommen.

„Ich bin ein wenig sprachlos“, sagt der 47-jährige Childs, der mit seiner Gitarre auf dem Rücken auf den Eurostar- Schnellzug nach Brüssel wartet. Viel Geld zum Ausgeben bleibe ihm nicht, so Childs. In Brüssel tritt er gemeinsam mit dem amerikanischen Komiker Rich Hall auf.

„Das Pfund ist ein hoffnungsloser Fall. Es wird Zeit, sich davon zu lösen“, sagt Ian Wright, ein anderer Fahrgast. Der Tapezierer ist auf dem Weg nach Antwerpen zu einer Junggesellenparty. Er halte nichts von der ganzen britischen Tradition, dem Pfund Treue zu schwören, so Wright. Peter Maltby ist ebenfalls skeptisch. Obwohl er erst im kommenden Juni eine Reise nach Deutschland plant, hat er bereits jetzt Pfund in Euro gewechselt. Das einzige, was er machen könne, sei auf Nummer sicher zu gehen und sein Geld jetzt in Euro umzutauschen, sagt der 65-jährige vor einer Wechselstube im Londoner Westend. Noch Mitte 2007 gab es für ein Pfund 1,50 Euro.

Die Schwäche der britischen Währung kommt nicht überraschend. Denn die globale Finanzkrise hat die britische Wirtschaft in die erste Rezession seit 17 Jahren gestürzt. Seit Anfang des Jahres hat die Bank of England den Leitzins von 5,5 auf zuletzt 2 Prozent gesenkt. Die Zinsentscheidungen der Bank of England seien einer der Auslöser für die rasche Abwertung des Pfund zum Euro gewesen, erklärt Jeremy Stretch, leitender Währungsstratege bei Rabobank International in London. Er halte eine weitere Zinssenkung der britischen Notenbank um 100 Basispunkte für wahrscheinlich, ergänzt Stretch.

In den Wechselstuben, die deutlich breitere Spannen zwischen An- und Verkauf nehmen als sie im professionellen Devisenhandel üblich sind, liegt der Wechselkurs noch vor Spesen bereits hart an der Parität zum Euro. Yvette Cooper, Staatssekretärin im britischen Finanzministerium, sagte am Sonntag, die Regierung konzentriere sich nicht auf den Wechselkurs sondern richte ihr Hauptaugenmerk stattdessen auf die Inflation.

Der Kursverfall zeigt sich für Großbritanniens Bürger vor allem bei Reisen in den Euroraum. Während sie vor einem Jahr noch umgerechnet 9,08 Pfund für den Aufzug im Eiffel-Turm bezahlen müssten, hat sich die Fahrt auf die Aussichtsplattform des Pariser Wahrzeichens auf mittlerweile 11,16 Pfund verteuert. Eine Fünf-Tages-Karte für den Disneyland Vergnügungspark vor den Toren der Seine-Metropole kostet britische Urlauber 109,80 Pfund. Vor einem Jahr waren es nur 89,37 Pfund gewesen.

Ausgeprägte wirtschaftliche Schwäche in Großbritannien ist kaum zu übersehen

Eine Entspannung für britische Urlauber zeichne sich kurzfristig nicht ab, sagt Stephen Gallo, Leiter Marktanalyse bei Schneider Foreign Exchange in London. Das Pfund dürfte im ersten Quartal auf Parität zum Euro sinken, falls die EZB das Tempo bei Zinssenkungen zurücknimmt. Und aus Frankfurt waren zuletzt vorsichtige Töne zu vernehmen. Nach drei Zinssenkungsrunden seit Oktober werden die Zinsen im kommenden Monat voraussichtlich nicht weiter fallen. EZB-Ratsmitglied Axel Weber erklärte in einem Zeitungsinterview am 11. Dezember, er würde ein Absenken der Leitzinsen unter die Zwei-Prozent-Marke gerne vermeiden. Die EZB hat die Euro-Leitzinsen zuletzt auf 2,5 Prozent gedrückt.

Musiker Childs immerhin hat noch einen Hoffnungsschimmer. Für seinen Auftritt in Brüssel sei noch offen, ob er in Pfund oder Euro bezahlt werde. „Ich hoffe auf Euro. Dann mache ich ein richtig gutes Geschäft“, sagt der Brite.

Die ausgeprägte wirtschaftliche Schwäche in Großbritannien ist kaum zu übersehen. Sie leitet sich einerseits aus der bisher starken Stellung der Finanzbranche in der Wirtschaft ab, die nach den angelsächsischen Übertreibungen aufgrund der nun notwendigen Korrekturen in diesem Bereich zu einem massiven Bumerang wird. Dasselbe gilt für den Immobilienmarkt. Die Hauspreise sinken massiv, alleine im Dezember fiel der Hauspreisindex von Rightmove um 6,3 Prozent. Im Oktober war die Industriebproduktion um 5,2 Prozent geschrumpft bei einer negativen Handelsbilanz.

Angesichts der schwachen Wirtschaft, der schwachen Stellung im internationalen Handel und der hohen Verschuldung der britischen Wirtschaft, vieler britischer Unternehmen und auch des Staates dürften kurzfristig weitere Kursverluste des Pfunds kaum überraschen. Mittel- und längerfristig können Anleger dazu neigen, kontraindikativ zu handeln. Denn nicht selten haben solche Kursbewegungen dann ihren Höhepunkt erreicht, wenn sie zum allgemeinen Gesprächsstoff geworden sind.

Quelle: @cri mit Material von Bloomberg
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (2)
Emittenten-News
Anzeige
Für die Inhalte sind die Emittenten verantwortlich
Weitersagen
Wertpapiersuche
von
nach
Wichtige Wechselkurse
Name Wert Änderung
  Dollar --  --
  Franken --  --
  Yen --  --
  Pfund --  --
  Dollar in Yen --  --
  Dollar in Pfu… --  --
Wichtige Rohstoffe
Name Wert Änderung
  Gold --  --
  Silber --  --
  Rohöl Brent --  --
  Rohöl WTI --  --
Wechselkurse Asien
Name Wert Änderung
  China Yüan --  --
  Austral-Dollar --  --
  Korea Won --  --
  Hongkong-Doll… --  --
  Neuseeland-Do… --  --
  Thailand Baht --  --
  Singapur-Doll… --  --
Wechselkurse Osteuropa
Name Wert Änderung
  Rubel --  --
  Polen Zloty --  --
  Ungarn Forint --  --
  Tschechien Kr… --  --
Wechselkurse Sonstige
Name Wert Änderung
  Kanada Dollar --  --
  Mexiko Peso --  --
  Norwegen Krone --  --
  Schweden Krone --  --
  Südafrika Rand --  --
Sonstige Rohstoffe
Name Wert Änderung
  Platin --  --
  Palladium --  --
  Erdgas --  --
  Heizöl --  --
  Kaffee --  --
  Mais --  --
  Sojabohnen --  --
  Weizen --  --
  Zucker --  --
  Kakao --  --
  Baumwolle --  --
  Orangensaft --  --