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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Devisenmarkt Geschichte spricht gegen kurzfristig anhaltenden Dollarverfall

 ·  Das Tempo der Dollarabschwächung hat ein kritisches Niveau erreicht. Historisch betrachtet wurden jedenfalls im Verhältnis der G7-Währungen untereinander selten jährliche Abwertungen von mehr als 20 Prozent erreicht.

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Das Tempo der jüngste Dollarabschwächung ist beeindruckend und fast schon beängstigend. Seit Anfang September hat die amerikanische Landeswährung gegenüber dem Euro in der Spitze fast 20 Prozent verloren. Seit Anfang Februar 2002 beläuft sich das Minus sogar auf annähernd 50 Prozent. Und das Schlimme dabei ist, daß etliche volkswirtschaftliche Überlegungen wie die hohen Defizite in Amerikas Staatshaushalt und Handelsbilanz für eine längerfristig anhaltende Dollarschwäche sprechen.

Aber aus der zuletzt erschreckend schwachen Bilanz des Dollar lassen sich auch gewisse Hoffnungen ableiten. Zumindest legen historische Erfahrungen die Vermutung nahe, daß die Abwertung kurzfristig eine Unterbrechung erfahren wird.

Ab einer Abwertung von 20 Prozent wird es kritisch

Denn wie die Devisenexperten bei der Bank of New York ermittelt haben, hat keine Währung aus einem der G7-Länder seit 1980 gegenüber einer anderen Währung aus dieser Gruppe innerhalb eines Jahres um mehr als 30 Prozent abgewertet. Zu einer 25-prozentigen Abwertung kam es nur einmal im Jahr 1987, als der kanadische Dollar um 26,7 Prozent zur D-Mark und um 26,5 Prozent zum französischen Franc nachgab. Der Dollar selbst mußte die größten jährlichen Einbußen in den Jahren zwischen 1985 und 1987 hinnehmen; da verlor er gegenüber der D-Mark 22,4, 21,4 und 18,3 Prozent.

Daraus läßt sich ableiten, daß das maximale Abwertungstempo bei rund 20 Prozent liegen dürfte. Diese Erkenntnis ist wiederum wichtig. So ist um besser zu verstehen, was die Verantwortlichen diesseits und jenseits des Atlantiks meinen, wenn sie wie derzeit einer Dollar-Abwertung in geordneten Bahnen das Wort reden.

Wahrscheinlichkeit von Eingriffen in den Devisenmarkt gestiegen

Nachdem die kritischen Marken im Zuge der jüngsten Bewegungen praktisch erreicht worden sind, ist die Gefahr von künstlichen Eingriffen in das Geschehen am Devisenmarkt gestiegen. Devisenhändler werteten die letzten Äußerungen der Europäischen Zentralbank auch bereits als erste zaghafte verbale Interventionen. Wie sensibel die Märkte darauf reagieren, zeigen die danach prompt einsetzenden Gewinnmitnahmen.

Für eine zumindest kurzfristige Verschnaufpause bei der Parität Euro-Dollar spricht auch die derzeit grundsätzlich überkaufte Ausgangslage sowie charttechnisch gesehen der etwas groß gewordene Abstand von der 200-Tage-Durchschnittslinie. Die kritische Marke, bei der die Verantwortlichen vermutlich endgültig einschreiten dürften, könnte die runde Marke von 1,30 Dollar sein, wie auch die Analysten bei der Bank of New York vermuten. Da diese Marke fast schon erreicht wurde, darf man gespannt sein, wie man beim nächsten G7-Treffen am 6. und 7. Februar darauf reagieren wird.

Eintreffen der Dollar-Prognosen hängt vor allem an zwei Variablen

Würde der Dollar in diesem Jahr trotz allem noch einmal 20 Prozent verlieren, müßte er sich bis auf 1,58 Dollar abschwächen. Das liegt aber nicht nur deutlich über der hauseigenen Prognose der Bank of Amerika, die einen Abschwächung bis Jahresende auf 1,30 Dollar vorhersagt.

Die Marke von 1,58 Dollar liegt aber auch deutlich über dem Niveau von 1,40 Dollar, welches dann denkbar erscheint, wenn die amerikanische Notenbank nicht wie allgemein erwartet im zweiten Halbjahr die Zinsen erhöhen sollte und das im Vergleich mit Europa stärkere amerikanische Wirtschaftswachstum nicht die erhofften Kapitalzuflüsse anlocken kann.

Interessant ist laut Bank of New York aber auch die Beobachtung, daß selbst unter den Dollar-Bären niemand einem Kursverfall bis auf 1,58 Dollar das Wort redet. Als Kontraindikator betrachtet könnte dies wiederum bedeuten, daß beim Verzicht auf den Einsatz wirksamer Gegenmaßnahmen durch die G7-Staaten das Kursniveau von 1,58 Dollar doch nicht so unwahrscheinlich bleibt, wie es derzeit scheint.

Der Chart zeigt die Entwicklung der Parität Euro-Dollar.

Quelle: @JüB
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