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Devisenmarkt G7-Erklärung zum Dollar verpufft praktisch wirkungslos

09.02.2004 ·  Die sieben führenden Industriestaaten äußerten sich am Wochenende besorgt über zu heftige Kursausschläge am Devisenmarkt. Doch die Marktteilnehmer beeindruckt das wenig. Sie wetten weiter auf einen fallenden Dollar.

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Der Dollar hat nur kurz von der Erklärung der sieben führenden Industriestaaten (G-7) profitiert, die am Samstag ihre Sorge vor heftigen Kursausschlägen an den Devisenmärkten zum Ausdruck gebracht hatten. In den frühen Morgenstunden im asiatischen Geschäft war der Kurs der amerikanischen Währung noch um rund ein Prozent gestiegen. Ein Euro kostete 1,2582 Dollar nach 1,2700 Dollar im späten New Yorker Handel am Freitag. Bis gegen 7.30 Uhr in europa hat der Euro diese Verluste aber wieder mehr als wett gemacht und notiert bei 1,2736 Dollar. Gegenüber der japanischen Währung tendierte der Dollar nach einem anfänglichen Anstieg kaum verändert bei 105,70 Yen.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 hatten nach ihrem Treffen am Wochenende in Boca Raton in Florida erklärt, Wechselkurse sollten die wirtschaftlichen Fundamentaldaten widerspiegeln. Übertriebene Volatilität und ungeordnete Bewegungen an den Devisenmärkten seien nicht wünschenswert für das Wirtschaftswachstum.

Erklärung nicht mehr als Lippenbekenntnisse?

Händler hielten die Erklärung der G-7 aber eher für Lippenbekenntnisse, was dem Dollarkurs schnell wieder den Schwung nahm. Schon unmittelbar nach dem Treffen hatten Analysten erklärt, sie rechneten nicht mit einer nachhaltigen Stärkung der amerikanischen Währung. Die Erklärung könnte den Devisenmärkten zwar kurzfristig eine Pause verschaffen, aber am längerfristigen Trend eines schwächeren Dollar nichts ändern.

Bei der amerikanischen Investmentbank J.P.Morgan hieß es zur G7-Erklärung, diese sei eine Fortschreibung des Statements vom vorherigen Treffen im September des Vorjahres und sei daher nicht in der Lage, die Dollarschwäche zu beenden. „Wir sehen kaum Chancen, daß die Dollarabwertung mittel- bis langfristig gestoppt werden kann“, erklärten die beiden Devisenstrategen Tohru Sasaki und Junya Tanase. Gleichzeitig bekräftigten sie ihre Vorhersage, wonach der Dollar zum Euro bis Ende September bis auf 1,40 Dollar nachgeben wird.

Bisher noch keine neuen Tiefs für den Dollar

Neuer Schwung ist aber erst dann zu erwarten, wenn das bisherige Rekordhoch bei knapp 1,29 Dollar überwunden werden sollte. Denn dann wäre der Weg nach oben charttechnisch gesehen frei, was prozyklische Käufe von Seiten der Spekulanten nach sich ziehen dürfte.

Dem steht allerdings die Tatsache entgegen, daß der Dollar bereits sehr stark abgewertet hat. Der Wertabschlag hat dabei ein Ausmaß angenommen, der bereits an die historisch betrachtet bisher maximal innerhalb von zwölf Monaten zu beobachtenden Kursverluste heranreicht. Mithin steigt die Gefahr, daß es doch noch irgendwann zu Interventionen kommt, mit jedem Cent, den der Euro zulegt.

Steigender Druck auf die asiatischen Währungen

Ohnehin ist es so, daß durch den G7-Beschluß vor allem Druck auf die asiatischen Währungen ausgeübt wird. Denn anders als die Europäer vertrauen diese Länder massiv auf Interventionen um ihre Währungen zum Dollar stabil zu halten. Doch da einige dieser Währungen, wie etwa der chinesische Yuan, fest an den Dollar gekoppelt sind, richten sich die Blicke vor allem auf den japanischen Yen.

Der ist zwar grundsätzlich flexibel und hat zum Dollar in den vergangenen Monaten auch bereits deutlich zugelegt. Aber die Japaner stemmen sich mit enormen Summen, die sie zur Stützung des Dollar einsetzen, gegen eine noch stärkere Aufwertung ihrer Währung. Doch trotz aller Anstrengungen dürfte sich der Aufwertungsdruck beim Yen nun sogar verstärken. Bei J.P.Morgan glaubt man jedenfalls, daß Japan seine Interventionen noch wird verstärken müssen, um den Anstieg der eigenen Währung zu bremsen.

Und die Verantwortlichen dort haben auch bereits wissen lassen, daß sie sich von den kritischen Tönen im G7-Beschluß nicht angesprochen fühlen. Allerdings stellt sich bei dieser Lesart schon die Frage, wohin das noch führen soll. Schließlich haben die Japaner für Dollar-Käufe schon im Vorjahr 20,4 Billionen Yen oder umgerechnet 152 Milliarden Euro aufgewandt, was fünf Mal so viel war wie noch im Jahr 2002.

Zahlen wie diese lassen aber unschwer erraten, daß es in den kommenden Wochen und Monaten noch spannend an den Devisenmärkten werden wird. In der bisherigen Fassung des Drehbuchs steht dabei eine anhaltende Abwertung des Dollar, wobei es die Notenbankakteure noch in der Hand haben, der endgültigen Fassung dieser Geschichte eine überraschende Wendung zu geben. Doch die G7-Erklärung gibt keine Hinweise darauf, daß es tatsächlich so kommen wird.

Die beiden Charts zeigen in dieser Reihenfolge die Kursverläufe bei den Paritäten Euro-Dollar und Dollar-Yen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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