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Devisenmarkt Franken - von Kursrekord zu Kursrekord

22.06.2010 ·  Die Kursentwicklung des Schweizer Frankens kennt gegen den Euro keine Grenzen mehr. Die Schweizer Zentralbank sieht plötzlich keinen Grund mehr für Interventionen, nachdem sie inzwischen auf einem großen verlustreichen Posten an Euros sitzt.

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Die Kursentwicklung des Schweizer Frankens kennt gegen den Euro keine Grenzen mehr. Mit 1,3617 waren am Dienstag im professionellen Handel noch nie so wenige Einheiten der Schweizer Währung nötig gewesen, um einen Euro erwerben zu können wie zuvor.

Für diese Kursentwicklung sind verschiedene Gründe verantwortlich. Erstens spricht aus technischen Gründen alleine schon der Trend für einer weitere Aufwertung der Schweizer Währung, nachdem die Schweizer Nationalbank nach der massiver Anhäufung inzwischen stark verlustreicher Devisenreserven - vor allem in Euro - von zuletzt 230 Milliarden Franken ihre Interventionen gegen eine weitere Aufwertung aufgegeben hat.

Kein Grund mehr für Interventionen, erklärt die SNB plötzlich

SNB-Vorstand Philipp Hildebrand erklärte erneut, deflationäre Risiken seien weitgehend verschwunden, es gebe keinen Grund mehr für Interventionen. Das führt dazu, dass immer mehr Banken eine weitere Aufwertung des Frankens prognostizieren.

Zweitens sind die Ausfuhren der Schweiz im Mai trotz des festen Wechselkurses den sechsten Monat in Folge gestiegen. Sie beliefen sich auf 15,67 Milliarden Franken und lagen damit zumindest real sieben Prozent über dem allerdings vergleichsweise schwachen Niveau des Vorjahres, wie die Eidgenössische Zollverwaltung am Dienstag berichtete. Die Einfuhren stiegen real um 18,0 Prozent zum Vorjahr auf 14,85 Milliarden Franken. Allerdings waren für den starken Zuwachs vor allem einmalige Sondereffekte aufgrund des Imports von Schmuckwaren aus Vietnam verantwortlich. Der Überschuss der Handelsbilanz ging deswegen im Mai auf 818 Millionen Franken zurück von 2,1 Milliarden Franken noch im April. Insgesamt stärkt eine vergleichsweise starke Exportnachfrage den Kurs des Frankens.

Drittens dient die Währung einmal mehr als so etwas wie ein „sicherer Hafen“, nachdem die Ratingagentur Fitch ihr langfristiges Emmittenten-Ausfallrating für die BNP Paribas von AA auf AA- heruntergestuft hat. Das Geschäft der französischen Bank sei weiterhin relativ stark durch die Ergebnisbeiträge aus dem Firmenkunden- und Investmentbanking, einer Verschlechterung der Assetqualität 2009 und einer Eigenkapitalquote unter dem Durchschnitt der Wettbewerber geprägt, hieß es am Montag. BNP Paribas nicht mehr in die Vergleichsgruppe der Banken mit hohen Bonitätsnoten. Der Ausblick sei „stabil“. Tatsächlich führen solche Maßnahmen jedoch zu einer Verunsicherung bei Anlegen. Immerhin zählen die französischen Banken zu jenen, die die ausgeprägtesten Risiken in den wirtschaftlich schwachen europäischen Randstaaten eingegangen sind.

Franken kann kurzfristig noch weiter aufwerten

Viertens dürfte der Kurs des Frankens längst eine gewisse Eigendynamik entwickelt haben, da Schweizer Großbanken ihre Bilanzen schrumpfen und in diesem Rahmen Mittel repatriieren. Zudem werden immer Anleger gezwungen, ihre Währungsrisiken abzusichern, die sie im Rahmen der Aufnahme von scheinbar günstigen Franken-Krediten in den vergangenen Jahren eingegangen waren und die nun mit der Aufwertung des Frankens immer weiter aus dem Ruder laufen.

Diese Kombination an Faktoren kann den Franken kurzfristig noch weiter aufwerten lassen. Allerdings sind rasche und deutliche Gegenbewegungen möglich, sollte die Dynamik der Bewegung an sich oder die der Schweizer Wirtschaft nachlassen. Denn unter solchen Umständen könnte die Schweizer Zentralbank versuchen, mit erneuten Interventionen den Trend zu brechen. Die Erfahrung zeigt, dass Interventionen gegen den Trend grundsätzlich nur unter vergleichbaren Rahmenbedingenen sinnvoll und Erfolg versprechend sind.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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