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Devisenmarkt Franken und Yen fungieren als Krisenwährungen

29.06.2010 ·  Konjunktur- und Refinanzierungssorgen setzen europäische Finanzwerte unter Druck, während die Kurse an den Rentenmärkten steigen. Yen und Franken werten weiter auf. Dagegen befinden sich zyklische und Rohstoffwährungen in der Defensive.

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Der am Montag vorgelegte Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sorgt am Dienstag zusammen mit der in den kommenden Tagen anstehenden Refinanzierung europäischer Banken bei der Europäischen Zentralbank und zunehmenden Sorgen über die weitere Entwicklung der Weltkonjunktur kurzfristig für frische Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Sie zeigen sich sowohl in Form deutlicher Kursverluste an den chinesischen Börsen als auch in Europa, wo an den Aktienmärkten vor allem die Aktien der südeuropäischen und der französischen Banken unter Druck stehen.

Europäische Finanzwerte unter Druck - Kurse an den Rentenmärkten steigen

Erste verlieren an Wert, weil sie wegen der schwachen Immobilienmärkte sowie der schwachen Binnenkonjunktur und den damit verbundenen Abschreibungsanforderungen unter besonderer Beobachtung stehen. Kritische Marktteilnehmer fürchten Refinanzierungsschwierigkeiten.

Während die Kurse an den Börsen wieder einmal fallen, legen sie an den Rentenmärkten weiter zu. Mit Kursen von bis zu knapp 130 Prozent befindet sich der Bund-Future gewissermaßen auf Rekordniveau. Dagegen befinden sich die Kurse der Anleihen europäischer Randstaaten in der Defensive. In den vergangenen Tagen sind auch die Renditen der lang laufenden amerikanischen Staatsanleihen dramatisch gefallen, obwohl die Schulden des Landes rasant zunehmen, die Arbeitslosigkeit hoch ist und weil die künstliche „gepushte“ Wirtschaft wieder an Dynamik verliert. Die Papiere mit einer Restlaufzeit von 30 Jahren rentieren inzwischen noch mit etwas mehr als vier Prozent, nachdem die Rendite noch im April bei knapp 4,9 Prozent gelegen hatten.

Die Märkte scheinen sich eher über deflationäre denn über inflationäre Probleme zu sorgen. Die Folgen zeigen sich in deutlicher Form auch am Devisenmarkt. Dort werten Yen und Franken massiv auf. Denn erstens haben sie wegen der tiefen Zinsen in Europa und den Vereinigten Staaten ihren Finanzierungsvorteil verloren. Zweitens führt das so genannte „Deleveraging“, also der Abbau oder die Absicherung von in Yen und Franken aufgenommenen Fremdwährungskrediten in Verbindung mit der zunehmenden Bilanzverkürzung der Schweizer Großbanken zur Aufwertung. Der Franken war vor der Krise als Refinanzierungswährung vor allem in Osteuropa sehr beliebt, der Yen sogar weltweit.

Yen und Franken werten weiter auf - zyklische und Rohstoffwährungen in der Defensive

Kursverluste müssen am Dienstag jedoch auch die Währungen der Rohstoffstaaten Australien und Kanada sowie der als zyklisch geltenden Staaten und Regionen wie Schweden, Mexiko und Europa hinnehmen. Diese Staaten würden eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik, wie sie sich nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern inzwischen auch in Brasilien, China und in weiten Teilen Europas zeigt, am deutlichsten spüren. Sollten sich die Konjunkturbedenken bestätigen, würden die Währungen jener Staaten deutlich unter Verkaufsdruck geraten können, die stark überbewertet sind, die ein Defizit im Außenhandel haben und in deren Wirtschaft sich Blasen ausgebildet haben.

Brasilianischer Real, tschechische Krone, chilenischer Peso, australischer und Neuseeland-Dollar sind deutlich überbewertet. Der Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigt zudem, dass sich Australien, Kanada und Teile Europas durch bisher nicht bereinigte Hauspreisblasen auszeichnen. Diese Kombination von Faktoren kann dazu führen, dass der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken und den Yen noch eine Weile anhalten, während gut gelaufene Währungen zusammen mit einer Korrektur der Rohstoffpreise unter Druck kommen können.

Allerdings kann sich das Szenario ändern, sobald Zentralbanken wie die amerikanische Federal Reserve die Druckerpresse wieder anwürfe. Das würde allerdings nur für weitere Verzerrungen sorgen, statt die notwendige und überfällige Bereinigung von Ungleichgewichten und Exzessen zu fördern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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