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Devisenmarkt : Franken und Guarani gefragt

  • Aktualisiert am

Geldschein Paraguays Bild: GFDL

Mit deutlichen Kursgewinnen waren die Währungen Paraguays und der Schweiz in den vergangenen vier Wochen die stärksten der Welt. Die Stärke des ist Frankens auf Sonderfaktoren zurückzuführen, während Paraguay als die „Schweiz“ Südamerikas gilt.

          Mit Kursgewinnen von 7,4 und 6,8 Prozent gegen den Euro waren die Währungen Paraguays und der Schweiz in den vergangenen vier Wochen neben dem Neuseeland-Dollar, dem Yen, dem philippinischen Peso, de, Baht Thailands und dem chilenischen Peso die stärksten der Welt.

          Die Kursstärke des Frankens, die sich in Form von Rekordkursen am laufenden Band im Verhältnis zu Euro und Dollar zeigt, wurde in den vergangenen Wochen und Monaten schon zu Genüge beschrieben.

          Stärke des Frankens ist auf verschiedene Sonderfaktoren zurückzuführen

          Sie ist das Resultat verschiedenster Sonderfaktoren, wie etwa der Bilanzverkürzung der Schweizer Banken, den stetigen Überschüssen im Außenhandel des Landes, einer vergleichsweise starken zyklischen Wirtschaftsentwicklung, der Korrektur der Unterbewertung der vergangenen Jahre und nicht zuletzt auch der krisenhaften Diversifikation von Währungsreserven.

          Krisensymptome machen viele Anleger sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten aus. In Europa zeigen sich die Folgen falscher wirtschaftspolitischer Strategien vor allem in den Peripheriestaaten. Nachdem sie in den vergangenen Jahren vorübergehend von Konvergenzphantasien und erstaunlich tiefen Zinsen hatten profitieren können ohne auf die volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Entstehung gigantischer Vermögenspreisblasen zu achten, wenden sich nun die Versäumnisse gleich in doppelter Form gegen sie.

          Denn erstens müssen sie mit geplatzten Wachstumsträumen und damit verbundenen Finanzlasten fertig werden. Zweitens nimmt das Misstrauen der Anleger in die volkswirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten immer weiter zu. Es zeigt sich in Form steigender Zinsen, die wiederum zu einer Belastung werden und sie noch weiter eintrüben.

          In den Vereinigten Staaten spielt sich eine ähnliche Schuldenkrise ab, wenn auch auf Basis einer anderen Substanz. Dort hat der Staat in den vergangenen Jahren gigantische Schulden angehäuft und verzeichnet riesige Defizite, obwohl es bei entsprechendem politischen Wille leicht wäre, gegenzusteuern. Das Land könnte seine Ausgaben ohne weiteres deutlich kürzen und gleichzeitig für höhere Einnahmen sorgen, wenn sich Regierung und Opposition dazu durchringen würden. Während das nicht absehbar ist, fährt die Zentralbank des Landes eine extreme geldpolitische Strategie und sorgt über die Abwertung der Währung, dass ein Teil der Lasten auf das Ausland abgewälzt wird und dass die Unternehmen des Landes über ihre Auslandsaktivitäten gute Gewinne erzielen können.

          Paraguay gilt als „Schweiz“ Südamerikas

          In diesem Umfeld versuchen Anleger, ihre Risiken zu reduzieren indem sie diversifizieren. Im Devisenbereich profitierten davon zuletzt sowohl die so genannten Rohstoff- sowie die Währungen vieler asiatischer Staaten. Schließlich haben sich aufgrund der hohen Rohstoffpreise entweder die so genannten Terms of Trades beziehungsweise die realen Tauschverhältnisse verbessert oder die Zinserhöhungserwartungen intensiviert.

          Die Aufwertungsbewegung des Guarani Paraguays kann zwar allenfalls als Randerscheinung gelten, da die Währung nur bedingt handelbar (managed float) ist. Auf der anderen Seite gilt Paraguay unter anderem aufgrund seiner geographischen Lage als „Schweiz“ Südamerikas. Äußerst günstige Lebensbedingungen, subtropisch-angenehmes Klima, niedrige Steuern, attraktive Immobilienpreise, Grundbuchgesicherter Immobilienbesitz sowie vergleichsweise einfache und unbürokratische Einwanderungsregeln machten das Land zum aktuell attraktivsten und beliebtesten Einwanderungsland, heißt es werblich.

          Paraguay ist ein Binnenland und etwa so groß wie Deutschland und die Schweiz zusammen, hat aber deutlich weniger Einwohner. Allerdings ist nicht alles Gold was glänzt. Das zeigt sich allein schon daran, dass die Währung des Landes - im Gegensatz zum Schweizer Franken - in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts massiv abwertete und seit dem Jahr 2003 im folgenden Aufwertungstrend erst einen Teil davon wieder aufgeholt hat.

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