Die vergangenen Jahre und vor allem auch die Monate an den internationalen Finanzmärkten waren gekennzeichnet durch die Tatsache, daß es auf der einen Seite Währungsräume gab, in denen sich spekulative Anleger relativ risikolos günstig verschulden konnten.
Dazu zählte vor allem Japan. Denn dort waren und sind sowohl die nominalen und auch die realen Zinsen relativ tief. Gleichzeitig war die Geldpolitik des Landes lange Jahre darauf ausgerichtet, die Währung nicht aufwerten zu lassen oder gar noch zu schwächen, um auf diese Weise die Exportindustrie zu stimulieren. Denn auf sie war das Land im Nachhall einer spekulativen Krise mit deflationären Konsequenzen angewiesen, da strukturelle Reformen politisch nicht durchsetzbar zu sein schienen.
Zinsdifferenz verlockte zu „Carry Trades“ ...
Insgesamt machte diese Konstellation so genannte „Carry Trades“ einfach. Das heißt die Kreditaufnahme in Japan und die Anlage der Gelder in interessanteren Märkten. Immerhin lockte nicht nur die zunehmende Zinsdifferenz mit Amerika, sondern auch die Rohstoffmärkte, viele Börsen und auch die Rentenmärkte in den Schwellenländern konnten in den vergangenen drei Jahren mit interessanten und vor allem auch vergleichsweise stabilen Trends aufwarten.
Auf diese Weise ließ sich in den vergangenen Monaten auch die relative Schwäche des Yen gegen den Dollar erklären, obwohl die japanische Währung mit Blick auf die Handelsbilanzüberschüsse eigentlich aufwerten müßte. Inzwischen sind allerdings die Verhältnisse etwas unsicherer geworden. So haben die Volatilitäten an den Börsen zugenommen, die Rentenmärkte befinden sich in einer Konsolidierungsphase und auch bei den Rohstoffen läuft nicht mehr alles so glatt wie auch schon.
Gleichzeitig sind die weiteren Aussichten auf der Zinsseite im Moment alles andere als klar. So wechselt im Amerika die Präsidentschaft bei der Notenbank, was zu einer gewissen Verunsicherung über die weitere Zinsentwicklung führen kann. Auf der anderen Seite haben in Japan die Börsen inzwischen deutlich angezogen und die Anzeichen verdichten sich, daß sich im Land der aufgehenden Sonne die Geldpolitik im Rahmen einer wirtschaftlichen Erholung straffen wird. Aus diesen Gründen scheinen momentan Risikopositionen reduziert zu werden und führen zu entsprechender Volatilität am Devisenmarkt.
... allerdings dürften die Reize im Moment abnehmen
Zusammen mit einer gewissen Bereitschaft Chinas, den Yuan nach und nach aufwerten zu lassen - siehe Charts - kann die Aussicht auf eine restriktivere Geldpolitik den Yen mittelfristig dann stabilisieren oder gar beflügeln, wenn sich die Zinsdynamik in Amerika abschwächen sollte. Das wird sie spätestens dann tun, wenn sich das amerikanische Wirtschaftswachstum abschwächen sollte - die inverse Zinsstruktur war in der Vergangenheit trotz aller Unkenrufe ein verläßlicher Indikator dafür.
In diesen Fällen dürften die asiatischen Währungen und damit auch der Yen bei einhaltendem Wachstum in der Region aufwerten. Immerhin hat die Aufwertung des südkoreanischen Wons in den vergangenen Monaten gezeigt, daß das möglich ist, ohne die Wirtschaftsdynamik auszubremsen. Im Gegenteil, insbesondere in einem Umfeld hoher Rohstoffpreise kann eine starke Währung auch von Vorteil sein, indem sie die Entwicklung der Importpreise dämpft. Kurzfristig dürfte jedoch die Volatilität, bis sich die Zinserwartungen einigermaßen geklärt haben.