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Devisenmarkt Euro-Schwäche spricht für weitere Yen-Aufwertung

19.09.2008 ·  Dem Yen ist es gelungen, seinen langjährigen Abwärtstrend gegenüber dem Euro zu verlassen. Bei dieser Trendumkehr spielen die Konjunkturschwäche und die Aussichten auf Zinssenkungen in der Eurozone eine wichtige Rolle.

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Mit Kursen von 153,36 Yen gibt die japanische Landeswährung am Freitag deutlich gegenüber dem Euro nach. Aber insgesamt hat der Yen in den vergangenen Wochen deutlich an Wert gewonnen. Zur Erinnerung: Noch Mitte Juli war die Notiz mit knapp 170 Yen auf ein Rekordtief gefallen.

Doch inzwischen hat sich der Wind eindeutig gedreht. Im Zuge der jüngsten Aufwertung ist die europäische Einheitswährung sogar unter den langfristigen Aufwärtstrend gefallen. Charttechnisch gesehen eröffnet das dem Yen die Chance auf weitere Gewinne.

Eher eine Euro-Schwäche als eine Yen-Stärke

Allerdings ist der Trendwechsel eher auf eine Schwäche des Euro als auf eine wirkliche Stärke des Yen zurückzuführen. Die Experten von Independent Strategy sprechen mit Blick auf den Yen davon, dass die japanische Währung nur etwas weniger hässlich aussieht als der Euro. Von einem starken Yen zu sprechen, wäre auch vermessen, ist das Land der aufgehenden Sonne doch zuletzt schon wieder in eine milde Rezession zurückgefallen. Außerdem lastet auf dem Land zusätzlich zu einem demographischen Problem die gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr als 180 Prozent betragende öffentliche Schuldenlast.

Doch trotz dieser Nachteile haben dem Yen neben dem Pluspunkt eines hohen Leistungsbilanzüberschusses zuletzt gleich mehrere Faktoren in die Hände gespielt. So wurden im Zuge der Turbulenzen an den Finanzmärkten viele der lange Zeit so beliebten Carry Trades abgewickelt. Dabei hatten die Akteure Kredite in einer niedrig verzinsten Währung wie dem Yen aufgenommen und diese anschließend in höher verzinsten Währungen angelegt. Durch die inzwischen vielfach vorgenommene Abwicklung dieser Transaktionen ist ein Belastungsfaktor für den Yen weggefallen.

Sehr wichtig war aber die inzwischen gemachte Erkenntnis, dass die Eurozone sogar noch stärker unter der Kreditkrise leidet als Japan. Mit einem von den Volkswirten der österreichischen Raiffeisen Zentralbank für 2008 und 2009 auf nur 0,8 Prozent und 0,5 Prozent geschätzten Wachstums des Bruttoinlandsproduktes, präsentiert sich Japan nicht gerade als Konjunkturlokomotive. Aber die jüngsten Nachrichten von den Volkswirtschaften der Eurozone lasen sich sogar noch trüber. Das war unter anderem auch deshalb so, weil der Bankensektor in Europa stärker unter der amerikanischen Kreditkrise leidet als die Bankenbranche in Japan.

Zinsaussichten stützen Japans Währung

Die weltweit nachlassende Konjunktur hat an den Märkten letztlich zuletzt zu Zinssenkungshoffnungen geführt. Und weil der Leitzins in Japan noch immer bei sehr niedrigen 0,5 Prozent liegt, ist der Spielraum für Zinssenkungen von Hause aus begrenzt. In der Eurozone sieht das bei einem aktuellen Leitzinsniveau von 4,5 Prozent anders aus.

Weil die Zinserwartungen bei der Parität Euro-Yen aber eine wichtige Rolle spielen, war absehbar, dass sich Verschiebungen dieser Art deutlich auf die Kurse durchschlagen würden. Und solange sich die Zinserwartungen an den Märkten nicht erneut verschieben, hat der Yen eine gute Chance, seine jüngsten Gewinne zu behaupten und vielleicht sogar weiter auszubauen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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