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Devisenmarkt Euro mit Allzeithoch gegen den Dollar

10.07.2007 ·  Rechtzeitig zur Urlaubssaison haben gute Wachstumsprognosen für Euroland und eher schwache Aussichten für Amerika den Euro auf ein neues Rekordhoch getrieben. Noch nie war der Dollar zur europäischen Währung so billig.

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Der Euro hat im Vergleich zum Dollar ein neues Allzeithoch erreicht. Die europäische Gemeinschaftswährung erreichte am Dienstag zwischenzeitlich einen Stand von 1,3737 Dollar und notierte damit so hoch wie noch nie. Damit übertraf der Euro seinen bisherigen Höchststand von 1,3682 Dollar vom April. Auch der offizielle Schlusskurs der Europäischen Zentralbank (EZB) wurde am Dienstag mit 1,3666 Dollar so hoch notiert wie niemals bisher seit Einführung des Euro.

Gut für Sommerurlauber

Den deutschen Sommerurlaubern kann die Euro-Stärke zum jetzigen Zeitpunkt recht sein, zumindest soweit sie ihr Weg in Länder führt, deren Währungen hauptsächlich am Dollar hängen. So erreichte der Euro heute auch gegenüber dem Dominikanischen Peso, dem tunesischen Dinar oder dem ägyptischen Pfund neue Rekordstände. Gegenüber der türkischen Lira allerdings hat die Gemeinschaftswährung zuletzt deutlich Federn gelassen.

Im Vorfeld einer mit Spannung erwarteten Rede des amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke entwickelte sich der Dollar sehr schwach, so dass auch das britische Pfund nahe einem 26-Jahres-Hoch und der kanadische Dollar nahe einem 30-Jahres-Hoch notieren.

Vor allem eine Dollarschwäche

Auch der Yen zog gegen den Dollar und den Euro an. Marktteilnehmer spekulieren darauf, dass die Bank of Japan in der laufenden Woche eine Zinserhöhung im kommenden Monat andeuten wird.

Für den Dollar bestehen Befürchtungen, dass Bernanke die Inflationssorgen zwar von neuem thematisieren, aber keine Zinsänderungen in Aussicht stellen wird. Das könnte angesichts weiterer bevorstehender Zinserhöhungen der EZB den Dollar schwächen, meint Jeremy Stretch, Marktstratege der Rabobank.

Auch andere Analysten erwarten zwar eine weiter restriktive Rhetorik, aber keine dramatischen Veränderungen in der amerikanischen Zinspolitik. Dagegen sei das europäische Wachstum beständig und die Zinsaussichten verlässlich, sagt Hidetoshi Honda, Währungsstratege der Mizuho Corporate Bank.

Dem Euro kam zudem ein Kommentar des luxemburgischen Finanzministers Jean-Claude Juncker zugute, der die Wachstumslage im Euroraum als ausgezeichnet pries.

Höhere Zinsen machen Euro-Anlagen interessant

Die voraussichtlich weiter steigenden Zinsen im Euroraum machen die Rendite von Anlagen in Euro gegenüber Anlagen in Dollar wieder attraktiver, was den Kurs der europäischen Währung nach oben treibt und Euro-Anlagen zusätzlich interessanter macht.

Wirtschaft und Verbrauchern bringt der starke Euro Vor- und Nachteile. Theoretisch könnten auch Importgüter und das das Benzin an der Zapfsäule günstiger werden, da Rohöl an den Weltmärkten in der Regel in Dollar gehandelt wird. Verbilligt sich der Dollar im Vergleich zum Euro, müssen die großen Mineralölkonzerne aus der Eurozone weniger bezahlen.

Für die Exportwirtschaft in der Eurozone bringt ein starker Euro Nachteile. Denn für ein Produkt mit festem Europreis müssen etwa in den Vereinigten Staaten mehr Dollar gezahlt werden. Dies könnte die Nachfrage nach „Made in Germany“ sinken lassen, auch wenn der hohe Eurokurs der boomenden Wirtschaft hierzulande zuletzt nicht geschadet hat.

Die deutsche Exportwirtschaft reagierte gelassen auf das Eurohoch. Ein Sprecher des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA) sagte der Nachrichtenagentur AP der Anstieg liege „nach wie vor im Trend“. Die Euro-Dollar-Entwicklung sei trotz des ungewöhnlich starken Anstiegs am Dienstag insgesamt „berechenbar, nicht abrupt“. Der Branchenverband rechne sogar mit einem weiteren Anstieg.

Dagegen meinte Konjunkturexperte Olaf Wortmann vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Euro-Rekordkurs mache der exportorientierten deutschen Industrie zunehmend zu schaffen. „Es gibt schon jetzt eine Reihe von Unternehmen, die einen starken Gegenwind verspüren“.

Kreditkrise in den Vereinigten Staaten belastet

„Der Dollar-Raum ist derzeit die einzige der großen Wirtschaftsregionen in der Welt, für die keine Leitzinserhöhungen erwartet werden“, sagte Carsten Fritsch, Devisenexperte bei der Commerzbank. Das Treffen der Finanzminister der Eurozone am Montagabend sei dem Anstieg zumindest nicht abträglich gewesen. Der starke Euro war dort nicht ausdrücklich thematisiert worden. Finanzminister Peer Steinbrück hatte die Stärke des Euro an den Devisenmärkten sogar begrüßt. „Ich liebe einen starken Euro“, sagte Steinbrück.

Andere Währungsexperten sehen den Euro derzeit als leicht überbewertet an. Gleichwohl gilt die Gemeinschaftswährung der 13 europäischen Länder auf „mittlere und längere Sicht mit 1,35 bis 1,37 Dollar fair bewertet“.

Neben einer unklaren konjunkturellen Entwicklung macht den Vereinigten Staaten die Krise bei Zahlungsausfällen für Hypothekenkredite schlechter Bonität (Subprinmes) zu schaffen. Am Dienstag verstärkten sich die Sorgen deutlich, nachdem bekannt wurde, dass die Rating-Agentur Standard & Poor's erwägt, die Bonitätsnoten für durch Hypothekenkredite besicherte Anleihen im Volumen von zwölf Milliarden Dollar zu senken. Dies würde deren Wert deutlich drücken und den Kreditmarkt und damit letztlich auch das Wachstum belasten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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