04.10.2007 · Erreichte der Euro gegen den Dollar noch vor wenigen Tagen ein Rekordhoch, so befindet er sich inzwischen im Konsolidierungsmodus. Die Europäische Zentralbank relativiert die Zinsphantasie. Mittelfristig gibt es Argumente für den Dollar.
War der Euro nach einer überraschend deutlichen Leitzinssenkung und weiteren Zinssenkungsphantasien in den Vereinigten Staaten bis Ende des vergangenen Monats gegen die amerikanische Währung deutlich nach oben gelaufen auf ein Hoch von bis zu 1,4282 Dollar, so befindet er sich seitdem auf dem Rückzug.
Am Donnerstag liegt die europäische Einheitswährung mit einem weiteren Tagesverlust von 0,2 Prozent bei 1,4088 und damit rund 1,4 Prozent unter dem noch vor wenigen Tagen erreichten Hoch. Der Kurzfristige Trend deutet auf eine weitere Konsolidierung hin, war der Euro doch zuvor deutlich aus dem im Dezember des Jahres 2005 neu aufgenommenen Aufwertungskorridor nach oben herausgelaufen.
Europäische Zentralbank relativiert Zinsphantasie
Zum anderen hat die europäische Zentralbank ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei vier Prozent belassen und darauf hingedeutet, dass sie die Risiken bei der Preisentwicklung vor allem auf der oberen Seite sieht. Auf der anderen Seite hat sie die Wort „vigilance“ und „accomodative“ nicht mehr wie in vergangenen Äußerungen verwendet. Das lässt den Markt vermuten, eine weitere Leitzinserhöhung werde länger auf sich warten lassen, wenn sie denn überhaupt komme.
Immerhin deuten einige Indikatoren auf eine nachlassende konjunkturelle Dynamik in Europa hin. Sollten sie die weitere wirtschaftliche Entwicklung richtig prognostizieren, dürfte die Zentralbank trotz der im Moment deutlich wachsenden Geldmengenaggregate anhaltend zögerlich agieren.
Immerhin ließ die Zentralbank durchblicken, die Kreditkrise der vergangenen Wochen habe in letzter Konsequenz über die Reaktion der Marktteilnehmer zu einer gewissen Einschränkung in der Liquiditätsversorgung geführt. Das lasse sich unter anderem ablesen an den anhaltend hohen Zinssätzen im Interbankenhandel des Geldmarktes. Dazu dürfte die jüngste Stärke der europäischen Währung kommen. Denn auch sie wirkt in letzter Konsequenz restriktiv, da sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen beschneidet.
Auf dieser Basis dürften sich die in den vergangenen Wochen aufgekommenen Erwartungen, die Zinsdifferenz zwischen Europa und den Vereinigten Staaten werde sich vergrößern, alleine schon mit Blick auf die europäische Zentralbank relativieren. Dazu kommt die Tatsache, dass die Zinssenkungserwartungen in den Vereinigten Staaten trotz der ausgeprägten Schwäche im Häusermarkt und allen damit verbundenen Bereichen sehr wahrscheinlich überzogen sind.
Schwacher Dollar - steigende Importpreise in den Vereinigten Staaten
Denn die amerikanische Zentralbank mag in den vergangenen Jahren zwar in der Lage gewesen sein, in konjunkturellen Krisen den Leitzins jedes Mal deutlich nach unten schrauben zu können. Das dürfte sie diesmal zwar möglicherweise auch anstreben. Allerdings stellt sich die Frage, ob sie sich das auch wird leisten können. Denn weitere Zinssenkungen würden mit einiger Wahrscheinlichkeit den Dollar kurzfristig weiter schwächen. Auf diese Weise würde sich jedoch der Importpreisdruck verstärken, der schon einige Zeit auszumachen ist (siehe Charts). Dieser Effekt, der durch den zunehmenden Aufwertungsdruck auf asiatische Währungen verstärkt werden dürfte, mag die amerikanische Zentralbank vorsichtig agieren lassen.
Der schwache Dollar dürfte nicht nur zu einem gewissen Preisdruck führen, sondern zusammen mit der schwachen amerikanischen Konjunktur auch die amerikanische Importnachfrage dämpfen. Da gleichzeitig die Exportunternehmen des Landes wettbewerbsfähiger werden, dürfte die Exportnachfrage zunehmen. Beides zusammen sollte das amerikanischen Handels- und Leistungsbilanzdefizit stabilisieren oder gar schrumpfen lassen können. Das kann den Dollar stabilisieren oder ihm mittelfristig sogar zyklischen Rückenwind geben.
Dazu kommt die Tatsache, dass amerikanische Aktien aufgrund des schwachen Dollars für ausländische Anleger „billiger“ werden. Vor allem die Werte der internationalen Unternehmen mit hohen Auslandsumsätzen können aus diesem Grund reizvoll werden. Immerhin dürften sie stark von den aufwertenden Währungen profitieren können. So erzielte Intel im Jahr 2006 knapp 50 Prozent aller Umsätze in Asien-Pazifik, knapp 19 Prozent in Europa und knapp elf Prozent in Japan.
In diesem Sinne mag es zwar kurzfristig reizvoll sein, auf einen schwachen Dollar zu setzen. Vor allem dann, wenn die amerikanische Zentralbank tatsächlich ihre Zinsen weiter nach unten nehmen sollte. Allerdings nur in Verbindung mit entsprechenden Absicherungsstrategien. Denn eine Gegenbewegung scheint möglich zu sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |