26.01.2007 · Währungen können gleichzeitig über- und unterbewertet sein. Es kommt darauf an, womit man sie vergleicht. Der Euro ist gegen den Won knapp 37 Prozent über- und gegen die norwegische Krone rund 30 Prozent unterbewertet.
Für viele Anleger ist der Devisenmarkt eine Art Mysterium. Das mag auch daran liegen, dass sie immer wieder über Meldungen und Berichte stolpern, die scheinbar widersprüchlich argumentieren.
So dürfte es kaum verwundern, wenn sich Fragen stellen wie „... etwas verwirrend ist es schon, dass noch vor einer Woche die große Dollarabwertung breitgetreten wurde und heute heißt es, der Euro sei gegenüber dem Dollar überbewertet. Das soll den Lesern mal bitte jemand erklären.“
In unterschiedliche Zeithorizonten...
Die Erklärung fällt nicht immer leicht, allerdings lassen sich regelmäßig entsprechende Ansätze finden. Erstens dürfte es ratsam sein, zwischen einer Analyse und einem Bericht über die Aussagen eines Experten zu unterscheiden. Denn die eine basiert auf gewissen, selbst gewählten Fakten, die zweite ist zunächst eine Meinung.
Zweitens spielt sicherlich der Zeithorizont der Betrachtung eine Rolle. So zeigt der Blick auf die Kursentwicklung des Dollars gegen Euro und Mark in den vergangenen Jahrzehnten mehr als deutlich, dass sich die amerikanische Währung seit der Abkoppelung vom Goldpreis in einem langfristigen Abwertungstrend befindet.
Angesichts der strukturellen Defizite des Landes - dazu zählen in erster Linie das hohe und in den vergangenen Jahren im Trend zunehmende Leistungsbilanzdefizit und die negativ gewordene Vermögensbilanz - dürfte sich dieser Trend auch fortsetzen. Immerhin scheint die Abwertungspolitik die offizielle Strategie des Landes zu sein, die sich in Äußerungen manifestiert wie: „Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem.“
Wer sich auf dieser Basis die amerikanische Währung direkt oder indirekt ins Depot legt, sollte wahrnehmen, was er tut. So konnten amerikanische Aktien in den vergangenen Monaten in lokaler Währung zwar nette Kursgewinne verbuchen, allerdings nicht in Euro, da dieser gleichzeitig gegen den Dollar aufgewertet hatte.
... sind verschiedene Trends denkbar
Kurzfristig betrachtet können Wechselkurse deutlich vom langfristigen Trend abweichen. Dabei spielen vor allem die Kapitalströme eine Rolle, die unter anderem von Zins- und Renditeerwartungen der internationalen Anleger ausgelöst werden können. Solche Effekte zeigten sich in den vergangenen Monaten in Form der so genannten „Carry Trades“. Anleger finanzierten sich in Währungen mit niedrigen Zinsen wie dem Yen, dem Schweizer Franken oder dem Singapur-Dollar und legte die erlösten Mittel in höher verzinslichen Währungsräumen an. Das führte dazu, dass der Yen in den vergangenen Monaten zur Schwäche tendierte, obwohl das Land Handelsbilanzüberschüsse erzielt.
Langfristig setzen sich jedoch in der Regel die Bewertungen durch, die sich aus fundamental orientierten Modellen wie der Kaufkraftparität oder dynamischen Gleichgewichtsmodellen wie dem GSDEER Currency Model von Goldman Sachs ableiten lassen. Auf dieser Weise deuten sie an, in welche Richtung sich ein Wechselkurs mittel- und langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit bewegen wird und muss.
Auf Basis beider Theorien ist der Euro im Moment gegen den Dollar überbewertet. Das lässt sich intuitiv mit den hohen Devisenreserven weltweit erklären. Ihre Eigner wollen sich aufgrund der generellen Abwertungstendenz des Dollars nicht zu stark an diese Währung binden und finden auf der Suche nach Alternativen zum Euro, auch wenn er fundamental hoch bewertet sein mag. Ein Blick auf das Gleichgewichtsmodell von Goldman Sachs zeigt, dass der Euro im einen Extrem gegen den südkoreanischen Won rund 30 Prozent überbewertet und gegen die norwegische Krone auf der anderen Seite etwas mehr als 30 Prozent unterbewertet ist.
Auf diese Weise wird auch klar, dass eine Währung gleichzeitig sowohl über- als auch unterbewertet sein kann. Denn es hängt immer auch davon ab, mit was man sie vergleicht. So mag der Dollar gegenwärtig gegen den Euro leicht unterbewertet sein. Dagegen ist er aufgrund der riesigen Handelsbilanzdefizite mit Asien gegen die Währungen der dortigen Handelspartner deutlich überbewertet. Das heißt, auch der Dollar kann gleichzeitig gegen eine bestimmte Währung unterbewertet sein, während er gegen andere deutlich überbewertet ist.
Wot's gone Wong with the Won?
Fionn Huber (fionn)
- 26.01.2007, 17:34 Uhr
Hot money
Sophia Orti (rum)
- 26.01.2007, 18:35 Uhr
Genauer zur Rolle des Goldes beim Wechselkurs
Sophia Orti (rum)
- 26.01.2007, 21:37 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |