Trotz der andauernden Kreditkrise und schwacher makroökonomischer Daten aus den Vereinigten Staaten sind die Börsianer in den vergangenen Tagen nach den massiven Kursverlusten zu Jahresbeginn wieder optimistischer und risikofreudiger geworden.
Massive Zinssenkungen und ein absehbares Fiskalpaket scheinen an der Wall Street die Hoffnung aufkommen zu lassen, die Rezession wäre, wenn sie denn käme, nur kurz und leicht. Gleichzeitig hält sich in den Schwellenländern und in Europa der Optimismus, der davon ausgeht, die realwirtschaftlichen Folgen der faktischen Kreditkontraktion und der amerikanischen Wachstumsschwäche würden schon nicht so groß sein.
Europäische Unternehmensmanager unerhört optimistisch
Trotz der deutlichen Abschwächung vorlaufender Indikatoren sind die europäischen Unternehmensmanager unerhört optimistisch. Diese Haltung zeigt sich nicht nur in einer Vielzahl entsprechender Interviews, sondern auch an den Insiderkäufen. In den vergangenen Tagen haben vor allem die Insider aus dem Hause Siemens deutliche Käufe getätigt. Allein Vorstandschef Peter Löscher erwarb 50.000 Papiere im Wert von etwas mehr als vier Millionen Euro. Im MDax waren deutliche Käufe bei Arques, Krones und nicht zuletzt bei Pfleiderer zu verbuchen.
Die Manager scheinen sich einerseits vom Erfolg der Firmenstrategien, als auch von den teilweise hohen Auftragsbeständen inspirieren zu lassen. Ob sie damit längerfristig recht haben werden, dürfte sich noch zeigen müssen. Kritische Analysten zumindest hegen die Vermutung, die Europäer könnten die tatsächlichen Folgen der Kreditkrise in ihrer Dimension noch nicht erkannt haben.
Auf der anderen Seite haben sich gerade die deutschen Mittelständler in den vergangenen Jahren stark internationalisiert und könnten aus diesem Grund zumindest in einem anhaltend positiven Umfeld die starke operative Performance der vergangenen Jahre fortsetzen. So dürfte es kaum verwundern, dass gerade diese Werte immer dann deutlich zulegen, wenn der Konjunkturoptimismus den Risikoappetit frisch belebt. Dann nimmt offensichtlich die Nachfrage aus dem Ausland deutlich zu, insbesondere die von Schweizer Anlegern.
Hohe Korrelation zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken und dem MDax
Darauf deutet eine seit Monaten anhaltend hohe Korrelation der Entwicklung zwischen dem Euro und dem Schweizer Franken einerseits und der des MDax andererseits hin. Sie lässt sich begründen. Einerseits durch die so genannten Carry Trades, die sich durch die Refinanzierung von Anlagestrategien in Währungen mit tiefen Zinsen und die Wiederanlage der Mittel in höher rentierlichen Märkten auszeichnet. Dazu kommt die Tatsache, dass in der Schweiz große Vermögen verwaltet werden.
Sie sind nicht nur darauf zurückzuführen, dass die Schweiz als Standort für Banken und Vermögensverwalter interessant ist, sondern auch das Kapitaldeckungsverfahren des Pensionssystems spielt eine Rolle. Nach Angaben des Schweizerischen Pensionskassenverbandes verwalten 1.050 Pensionskassen für 2,5 Millionen Versicherte ein Gesamtvermögen von rund 370 Milliarden Franken. Rund vier Fünftel davon sind in Aktien und Anleihen investiert, davon auch ein beachtlicher Anteil im Ausland. Und was läge näher, als im „großen Kanton“ zu investieren? Immerhin ist die Schweiz schon realwirtschaftlich stark verflochten mit dem Nachbarland.
Insgesamt scheint die Kursentwicklung des Frankens gegenüber dem Euro nicht nur seit Monaten ein guter Indikator für den Risikoappetit der internationalen Anleger zu sein, sondern auch für Kursentwicklung an der deutschen Börse. Gegenwärtig wertet der Fanken zumindest kurzfristig ab, während der MDax nach oben läuft. Sollte die Kreditkrise jedoch bald wieder durchschlagen, was sehr wahrscheinlich ist, dürften beide Märkte wieder in die entgegen gesetzte Richtung laufen.
Weshalb kaufen die Schweizer MDax-Titel?
Fionn Huber (fionn)
- 04.02.2008, 20:37 Uhr