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Devisenmarkt Euro-Dollar will weiter nach oben

19.04.2006 ·  Mit Kursgewinnen reagieren Börsen und Rentenmärkte auf die Aussicht, der amerikanische Zinserhöhungszyklus könnte bald beendet werden. Dagegen gerät der Dollar in die Defensive aufgrund schwindender Zinsphantasie und der Makroprobleme.

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Darauf scheint die Börsenwelt gewartet zu haben: Die amerikanische Zentralbank denkt nach Interpretation der so genannten „Fed-Minutes“ am Dienstag über das Ende des Zinserhöhungszyklus' nach - und die Börsen und die Rentenmärkte boomen. Erst an der Wall Street, danach in Asien und schließlich in Europa am Folgetag.

Denn nun scheint klar zu sein, daß die amerikanische Zentralbank kurzfristige Ziele im Auge hat. So soll wohl das angeblich so robuste Wirtschaftswachstum im Lande auf dem erreichten Niveau gehalten und nicht durch zu hohe Zinsen gestört werden. Immerhin waren die Konjunkturzahlen in den vergangenen Wochen alles andere als überzeugend ausgefallen, der Häusermarkt läuft offensichtlich auf eine Konsolidierung zu.

Börsen ignorieren langfristige Effekte ...

Zusammen dürfte das den bisher lange Zeit künstlich stimulierten Konsum in Amerika dämpfen. Weiter steigende Zinsen könnten diese Entwicklung nur verstärken, so lauten offensichtlich die Befürchtungen. Immerhin wirken die Zinserhöhungen mit einer Zeitverzögerung, so daß sich die eigentlichen Effekte erst noch zeigen dürften. Gleichzeitig sollen wohl auch negative Effekte an den Finanzmärkten vermieden werden, um das Vermögen und damit das Wohlbefinden der Konsumenten nicht zu beeinträchtigen.

Langfristige Effekte wie die immer größer werdenden Ungleichgewichte im amerikanischen Außenhandel und die auflaufenden Dollarreserven in Asien und in den Ölstaaten scheinen bei diesen Überlegungen keine Rolle zu spielen. Auch die Börsianer scheinen sich von den möglichen Konsequenzen nicht beeindrucken zu lassen - Hauptsache, die Zinsen bleiben tief.

Anders sieht dagegen mit dem Devisenmarkt aus. Denn hier konnte sich der Dollar im vergangenen Jahr nur aufgrund der Zinsphantasie gegen Euro und Yen erholen und halten, nachdem er sich zuvor deutlich in der Defensive befunden und nachgegeben hatte. Nun scheinen sich die Vorzeichen allerdings wieder zu ändern. Immerhin hat der Dollar gegen den Euro in den vergangenen Tagen wieder deutlich nachgeben. Seit November des vergangenen Jahres ist er von 1,1640 Dollar je Euro im Tief auf zuletzt 1,2357 Dollar gefallen.

... im Gegensatz zum Devisenmarkt

Im Rahmen der erlahmenden Zinsphantasie in Amerika sind weitere Kursverluste des Greenbacks wahrscheinlich. Denn erstens deuten deutlich steigende Preise in Europa auf Zinserhöhungen in der Region und damit auf einen abnehmenden Zinsvorteil des Dollars hin. Zweitens dürfte sich der Markt wieder mehr auf die makroökonomischen Probleme fokussieren. Drittens deuten stark steigende Rohstoff- und Edelmetallpreise auf eine hohe Dollarliquidität und ein gesundes Mißtrauen in die Währung hin.

Sollte das dazu führen, daß die asiatischen und die Ölstaaten ihre Währungsreserven breiter als bisher diversifizieren sollten, würde das den Dollar kaum beflügeln. Darauf deutet auch die Tatsache hin, daß der Dollarindex in seiner Breite nach unten läuft. Das heißt, er verliert auf breiter Basis an Boden. Gerade auch in Verbindung mit der Widerstandsmarke bei 1,2330 Dollar je Euro scheinen weitere Kursverluste des Dollars immer wahrscheinlicher zu werden. Die Währungsanalysten von der UBS sehen das Euro-Dollar-Paar in einem Monaten bei 1,25 und in sechs Monaten bei 1,30 Dollar je Euro.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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