09.06.2006 · Der indische Aktienmarkt hat deutlich korrigiert und weist am Freitag die höchsten Kursgewinne weltweit auf. Die Zentralbank hat die Zinsen erhöht und die Rupie wertet auf. Doch noch ist der indische Markt nicht aus dem Schneider.
Ein Monat dauert nun schon die Korrektur an den Finanzmärkten an, die besonders davon getragen wird, daß Investoren bemüht sind, ihre Risiken zu verringern. Da kann es nicht sonderlich verwundern, daß gut gelaufene Schwellenländermärkte am stärksten unter Druck geraten.
Das galt vor allem für den indischen Markt, bei dem sich nach Meinung vieler Experten bereits seit längerer Zeit Korrekturbedarf aufgestaut hatte. 27 Prozent verlor der indische Sensex-Index innerhalb eines Monats an Wert.
Nach Zinserhöhung Erholung am Aktienmarkt
Der Freitag ist jedoch ein Tag des Comeback. Der Index verzeichnete den größten Tagsgewinn seit mehr als zwei Jahren und schloß 5,5 Prozent im Plus bei 9810,46 Punkten. Allerdings ist dies nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer, hat der Verlust in den vier Tagen davor doch immerhin elf Prozent betragen. Dennoch: der Sensex wies am Freitag den weltweit höchsten Anstieg unter den Leitindizes auf.
„Nach dem kräftigen Ausverkauf indischer Aktien war mit einer Rally zu rechnen“, sagte Nitin Jain, Vermögensverwalter bei Kotak Mahindra Asset Management Co. in Mumbai. „Die Aktien sind offenbar überverkauft.“
Dagegen kletterte die Rendite indischer Staatspapiere auf den höchsten Wert seit mehr als vier Jahren. Grund dafür war die überraschende Leitzinsanhebung durch die indische Zentralbank am Donnerstag in Reaktion auf die jüngsten Inflationsdaten.Die Rendite der zehnjährigen Benchmark-Anleihe legte 13 Basispunkte auf 7,80 Prozent zu.
Die Steigerungsrate der Großhandelspreise ist zwar Ende Mai zuletzt auf 4,68 von 4,74 Prozent zurückgegangen, vor allem weil die Preise für Zucker, Fasern und Hülsenfrüchte sanken. Doch erwartet man vor allem weiteren Preisauftrieb, nachdem die Regierung sich entschlossen hat, zum ersten mal in neun Monaten die Spritpreise wieder zu erhöhen.
Rupie seit Jahresbeginn unter Druck
Gleichzeitig läuft der Konsum auf Hochtouren, denn zum einen ist das Erntejahr sehr gut ausgefallen, zum anderen verdienen immer mehr Inder gutes Geld bei ausländischen Computerfirmen. „Der Ölpreisanstieg ist nicht der einzige Faktor, der die Inflation treibt“, sagt Sanjeev Sanyal, Volkswirt bei der Deutschen Bank. „Die Immobilienpreise steigen, es gibt klaren Inflationsdruck bei Löhnen, Gehältern und Rohstoffen.“
Während die Regierung ein inflationäres Wachstum bevorzugt und dahin gehend auch Druck auf die Reserve Bank of India (RBI) ausübt, hat sich diese zum Handeln gezwungen gesehen. „Es wird allgemein angenommen, daß es politischer Druck war, der die RBI im April daran hinderte die Zinsen zu erhöhen“, schrieben die Volkswirte Radschif Malik and Siddarth Mathur von JPMorgan Chase und nannten auch die Zinserhöhung vom Donnerstag „kosmetisch“.
Mit unter Druck in diesem Umfeld ist auch die Rupie geraten. Die Zinserhöhung konnte ihr auch nur zu einem Plus von 0,1 Prozent verhelfen und wirkte so nur marginal gegen den Abwertungstrend, den die Devise seit Jahresbeginn an den Tag gelegt hat. Seit Jahresbeginn wertete die Rupie gegen den Dollar um über fünf Prozent ab, gegenüber dem Euro aufgrund der Dollar-Schwäche sogar um über elf Prozent.
Allein seit Anfang Mai verlor die Währung 2,1 Prozent, nachdem ausländische Investoren verstärkt Aktien und Anleihen abstießen. Am Freitag kann sich die Rupie weiter verbessern. Aktuell sind 45,825 Rupien für einen Dollar aufzuwenden. Am Donnerstag waren es noch 45,935.
Zentralbank will auch Wechselkurs stabilisieren
Etwas uneinheitlich sind die Wachstumsperspektiven der indischen Volkswirtschaft. Die OECD ging zuletzt von einer auf 7,5 Prozent verringerten Wachstumsrate aus. Auch diverse Banken rechnen mit einem Wachstum in dieser Höhe. Dagegen geht die Regierung sogar von einem Wachstum von über acht Prozent aus, was in etwa dem Vorjahreswert von 8,4 Prozent entsprechen würde. Begründet wird dies mit einem stabilen Konsum und einem als normal erwarteten Monsun, was für solide Ernteerträge spricht.
Es sei vernünftig, „die Zinsen in einer Situation anzuheben, in der das Wachstum sehr stark ist, Inflationsdruck herrscht und die Rupie abwertet“, sagt Sanyal. Er erwartet sowohl im Juli als auch im Oktober eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Indiens Zentralbank könne es sich nicht leisten, nicht mit den globalen Trends Schritt zu halten, sagt Zentralbankgoverneur Yaga Venugopal Reddy. Dabei sei die RBI sogar eher zurückhaltend, sagt Sanjay Mathur, Volkswirt der UBS. Auch er rechnet mit einer Zinserhöhung im Juli, denn insgesamt machten die Zinserhöhung bislang lediglich 125 Basispunkte aus.
„Angesichts der Bedrohung durch die Inflation setzt die Zentralbank die Leitzinserhöhung als Mittel ein, um zu verhindern, daß die Rupie abrutscht“, erläutert Sudarshan Bhatt, leitender Devisenstratege bei der staatlichen Corporation Bank in Mumbai. „Die Rupie dürfte weiter zulegen.“
Kehrtwende ist nicht beschlossen Sache
Denn Indien ist auf Kapitalimporte angewiesen. Traditionell weist die Handelsbilanz des Landes aufgrund hoher Rohstoffimporte stets ein Defizit aus. Dennoch ist noch nicht klar, wie es mit dem indischen Markt und damit auch der Rupie weitergeht. Denn der Sensex-Absturz hat noch nicht einmal die Gewinne dieses Jahres egalisiert.
Doch schon vor einem Jahr, als der Sensex bei rund 7.000 Punkten und damit einem Stand von fast 30 Prozent weniger, wurden die ersten bedenken hinsichtlich der Bewertung des Aktienmarkte laut (Indische Aktien sollten nüchterner betrachtet werden). Sollten die Zinserhöhungen nicht nur die Inflationsraten, sondern auch die Wachstumsraten verringern, dürfte auch die Aufwertung der Rupie Gegenwind bekommen. Das ist sicherlich einer der Faktoren, die eine noch deutlichere Aufwertung derzeit verhindern.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |