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Devisenmarkt Droht langfristig ein „Yen-Fiasko“?

12.01.2010 ·  Kurzfristig hängt die Kursentwicklung des Yen sowohl von der Positionierung der Marktteilnehmer als auch den Zinsdifferenzen und -erwartungen zwischen den Währungsräumen ab. Langfristig jedoch droht die prekäre Finanzlage Japans durchzuschlagen.

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Die Wechselkursentwicklung des japanischen Yen hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Kurzfristig spielen sowohl die Positionierungen der Marktteilnehmer als auch die Zinsdifferenzen und -erwartungen zwischen den verschiedenen Währungsräumen eine entscheidende Rolle.

Das führte dazu, dass der Yen im Rahmen der Finanzkrise und geringer Zinsunterschiede zwischen Japan und den westlichen Staaten zunächst aufwerten konnte, schließlich jedoch mit steiler werdenden Zinskurven in Europa und den Vereinigten Staaten wieder unter Druck geriet. Am Dienstag ist kurzfristig das Gegenteil der Fall, da ein enttäuschender Auftakt der amerikanischen Bilanzsaison Gewinnmitnahmen an den Börsen und steigende Kurse an den Rentenmärkten mit sich bringt.

Starke verschuldung Japans wird immer kritischer

Langfristig jedoch wird das Schicksal des Yen von Faktoren bestimmt werden, die kurz- und mittelfristig von Anlegern gerne ignoriert werden. Dazu zählt die starke Verschuldung Japans, die Sparneigung sowie die demographische Struktur der japanischen Bevölkerung sowie die fiskalpolitischen Strategien der japanischen Regierungen. Im Rahmen dieser Punkte sieht die wirtschafts- und finanzpolitische Lage Japans und damit auch die der Währung äußerst kritisch aus.

Denn die japanischen Regierungen haben sich nach dem Platzen einer riesigen Vermögenspreisblase in den achtziger Jahren daran gewöhnt, immer mehr Gelder auszugeben, die sie nicht hatten und die sie über die Ausgabe von immer mehr Rentenpapieren refinanzierten. Seltsamerweise war das zu sehr tiefen Zinsen möglich, da einerseits die Zentralbank sehr expansiv war und da japanische Anleger andererseits angesichts der schlechten Erfahrungen mit Aktienanlagen und der fragilen wirtschaftlichen Entwicklung die Staatsanleihen gerne als defensive Anlage aufnahmen.

Diese Entwicklung mag dazu verleiten, die rasant zunehmende Verschuldung anderer Staaten zunächst zu tolerieren. Was in Japan möglich ist, müsste doch auch in anderen Ländern machbar sein, so die naheliegende Logik. Sie scheint die sehr tiefen Renditen an den globalen Rentenmärkten zu rechtfertigen. Genau diese jedoch sei irreführend, erklären die Analysten der Société Générale. Sie verweisen auf die drohende Insolvenz vieler Staaten, beziehe man unter- oder nicht finanzierte soziale Ansprüche mit ein.

Die abnehmende Finanzierbarkeit führe zu hohen Budgetdefiziten und verleite zur Vermehrung der Geldmengen. Tatsächlich seien in der Vergangenheit starken Inflationen regelmäßig große Finanzierungsschwierigkeiten vorausgegangen. Und obwohl man sich das mit Bezug zu Japan angesichts der jahrzehntelang anhaltenden Deflation - trotz „hyperinflationärer“ Budgetdefizite - kaum vorstellen könne, bestünde gerade dort das Risiko einer vergleichbaren Entwicklung.

Wer wird künftig die japanischen Staatsanleihen kaufen?

Denn in Japan mache sich die rasche Alterung der Bevölkerung immer deutlicher bemerkbar. Sie führe dazu, dass die Verbraucher immer weniger sparten. Aus diesem Grund stagniere die Nachfrage nach japanischen Staatsanleihen, während der japanische Staat angesichts niedriger Steuereinnahmen und sehr hoher Staatsausgaben auf die Ausgabe von immer mehr Papieren dieser Art angewiesen sei. Im kommenden Jahr werden die Einnahmen aus der Ausgabe von Staatsanleihen voraussichtlich erstmals die Steuereinnahmen absolut übersteigen.

Diese Kombination wirft einerseits die Frage auf, wer künftig die japanischen Staatsanleihen kaufen soll. Zweitens drängt sich die Vermutung auf, die japanische Regierung könne aufgrund ihres Finanzierungsnotstands beginnen, ihre Bestände an amerikanischen Staatsanleihen zu verkaufen. Das würde die amerikanische Finanzierungskrise verstärken und im Extremfall sogar zu einem Ausverkauf an den internationalen Rentenmärkten führen.

Statt Ausgaben zu kürzen, würde die japanische Regierung die Zentralbank sehr wahrscheinlich die Druckerpresse anwerfen lassen, um eine wirtschaftliche Depression aufgrund von Sparmaßnahmen kurzfristig gegen eine später unvermeidlich eintretende Finanzierungs- und Inflationskrise auszuspielen. Genau diese würde dann zu einer Kapitalflucht führen, die den Yen massiv schwächen und wirtschaftliche Verwerfungen in ganz Asien mit sich bringen würde.

In diesem Sinne raten die Analysten der Société Générale den Regierungen weltweit, sich bei den Finanzierungen nicht zu stark auf die Kapitalmärkte zu verlassen. Denn was würde passieren, sollten sie illiquide werden? Die Banken haben im vergangenen Jahr gesehen, was dann passiert.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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