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Devisenmarkt Dollar verliert an allen Fronten

03.08.2010 ·  Nach der Zwischenerholung in der ersten Jahreshälfte ist der Kurs des amerikanischen Dollars in den vergangenen Wochen wieder in die Defensive geraten. Amerikaskeptische Nachrichten bestimmen das Bild, nachdem die Euroskepsis abgeflaut ist.

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Nach der Zwischenerholung in der ersten Jahreshälfte ist der Kurs des amerikanischen Dollars in den vergangenen acht Wochen wieder in die Defensive geraten. Er wertete inzwischen gegen den Euro um knapp zehn Prozent ab, gegen den Yen knapp sieben Prozent, während Öl der Sorte WTI in Dollar um knapp 20 Prozent teurer wurde als zuvor.

Es handelt sich dabei eindeutig um eine relative Dollarschwäche, es in dieser Phase kaum Währungen gab, deren Kurse sich schwächer entwickelt haben, als die der amerikanischen. Die einzige Ausnahme ist der Uruguay-Peso, der noch sechs Prozent schwächer war, während die tschechische Krone, der polnische Zloty, die schwedische Krone, der ungarische Forint und der Schweizer Franken zwischen zwölf und 16 Prozent aufwerteten.

Amerikaskeptische Nachrichten bestimmen das Bild ...

Nach der zunächst technisch bedingten Erholung im Anschluss an die Wechselkursverluste aufgrund der Schuldenkrise in Europa werden die europäischen Währungen nun zumindest auf Sicht trotz angekündigter Sparmaßnahmen von der Hoffnung auf eine verglichen mit den Vereinigten Staaten robustere wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone getragen. Tatsächlich boomt zumindest in Deutschland die Exportindustrie, weil sie zumindest auf Sicht von den geld- und fiskalpolitischen Wirtschaftsstimulationsmaßnahmen in aller Welt profitiert.

Auf der anderen Seite sehen die Konjunkturdaten, die in den Vereinigten Staaten veröffentlicht werden, nicht besonders überzeugend aus. Das Wirtschaftswachstum war im zweiten Quartal mit annualisierten 2,4 Prozent unter den Erwartungen, die Arbeitslosigkeit ist und bleibt hoch, die Konsumentenstimmung trübt sich nach einer Zwischenerholung immer weiter ein, die Konsumnachfrage bleibt trotz massiver Transferzahlungen aus der Staatskasse au Pump verhalten, der Immobilienmarkt bleibt sehr schwach - nur Teilen der Großindustrie scheint es im Moment selektiv relativ gut zu gehen.

Industrieunternehmen wie Caterpillar scheinen momentan von der Nachfrage aus Schwellenländern und rohstoffreichen Staaten nach ihren Produkten zu profitieren. Das hat dazu geführt, dass der Einkaufsmanagerindex, der vom Institute for Supply Managemen in Chicago erhoben wird, im Juli stärker ausfiel als erwartet. Er deutet zumindest in Teilbereichen auf eine expansive Entwicklung hin. Allerdings stellt sich die Frage, wie lange sie noch andauern kann. Denn vorlaufende Indikatoren, die beispielsweise vom Economic Cycle Research Institute oder auch zeitnah vom Consumer Metrics Institute erhoben werden, deuten auf eine konjunkturelle Abkühlung auf tiefem Niveau hin.

Auf Grund solcher Daten rechnen immer mehr Marktteilnehmer auch aufgrund wiederholter Andeutung von Seiten der amerikanischen Zentralbank mit der Ausweitung der jetzt schon extrem expansiven Geldpolitik. Sie gehen davon aus, das sie künftig möglicherweise wieder in größerem Umfang amerikanische Staatsanleihen kaufen wird. Auf diese Weise würden nicht nur die Renditen der Staatspapiere mit mittlerer und langer Laufzeit auf rekordtiefe Niveaus gesenkt werden, sondern im Gegenzug käme frische Liquidität in den Markt.

... nachdem die Euroskepsis etwas in den Hintergrund geraten ist

Die sollte deflationäre Risiken abwenden und für Preisauftrieb sorgen, so die theoretische Logik. Allerdings ist nicht sicher, dass diese auch aufgehen wird. Denn erstens haben ähnliche Strategien in Japan nichts gebracht außer exorbitant hohen Staatsschulden. Zweitens besteht das Risiko, dass Anleger die Liquidität in Renten-, Aktien- und Rohstoffmärkte investieren. Dort würden Vermögenspreisblasen entstehen, die wiederum für das Finanzsystem eigene Risiken mit sich bringen würden. Hohe Energie- und Rohstoffpreise wären kontraproduktiv, da sie genau das Wirtschaftswachstum bremsen oder gar abwürgen würden, das man eigentlich generieren wollte.

Der einmal etablierte Abwertungstrend des Dollar entwickelt zudem eine Eigendynamik, indem sie immer mehr Anleger anzieht, die auf solche Trends aufspringen. Faktisch raten viele Banken Anlegern kurzfristig zum Kauf von Euro gegen Dollar, obwohl sie weiterhin davon ausgehen, dass die europäische Währungsunion mittel- oder langfristig aufgrund von wirtschaftlichen Disparitäten auseinanderbrechen wird. Sollten sie recht haben, so ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Markt wieder „europakritische“ Nachrichten höher bewertet als im Moment.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: ala., F.A.Z.
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