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Devisenmarkt Dollar im Sog der Yuan-Aufwertung

28.07.2005 ·  Die Entscheidung Chinas, den Yuan kontrolliert aufwerten zu lassen, berührt den laufenden Handel an den Terminbörsen nur am Rande. Doch die Marktteilnehmer diskutieren, welche längerfristigen Folgen dieser Schritt haben könnte.

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Die Marktteilnehmer an den Terminmärkten sind sich im Grundtenor recht einig: Die Yuan-Reform eröffnet die Chance, die zahlreichen, sich wechselseitig beeinflussenden und weltweit wirkenden konjunkturellen und monetären Ungleichgewichte zu korrigieren.

Die Experten sind sich auch einig darin, daß es weniger um die Aufwertung der chinesischen Währung, sondern vor allem um die Abwertung der amerikanischen geht. Das hat zwangsläufig Konsequenzen für die Rohstoff-Terminmärkte, denn die dort gehandelten Waren werden überwiegend in Dollar notiert. Länder, die ihre Währungen gegenüber dem Dollar aufwerten oder aufwerten lassen, könnten die Rohstoffe in heimischer Währung billiger einführen.

Doch diese Folge ist zum Beispiel mit Blick auf China nicht der Rede wert, denn der erste Aufwertungsschritt von 2,1 Prozent liegt im Rahmen gewohnter täglicher Preisschwankungen an den Rohstoffmärkten. Bedeutsam würde es erst, wenn aus diesem ersten Schritt Chinas eine ganze Serie werden sollte.

Gefahren konkreter als Hoffnungen

Die Strategen stellen auffällig ausführlich die Chancen dar, daß der Aufwertungsbeschluß zu einer Lösung oder wenigstens Minderung der Ungleichgewichte führt. Die Risiken erwähnen sie nur am Rande, als wäre dies eine Pflichtübung. Nur wenige steigen tiefer in die Risikoproblematik ein, und soweit sie dies konsequent wagen, müssen sie Gefahren darlegen, die konkreter erscheinen als alle Hoffnungen auf eine Beseitigung der Ungleichgewichte, in deren Epizentrum das amerikanische Leistungsbilanzdefizit steht.

Letztlich geht es um die Frage, ob Amerika auch weiterhin auf ausreichende Kapitalzuflüsse zur Finanzierung seiner Defizite setzen kann. Immerhin müssen zu diesem Zweck täglich netto rund zwei Milliarden Dollar in die „Kasse“ kommen, von denen asiatische Zentralbanken zur Stützung des Dollar bisher den Löwenanteil bereitgestellt haben. Da nach dem Aufwertungsbeschluß Chinas eine Neuordnung der asiatischen Währungsreserven vorgezeichnet zu sein scheine, sei es höchst zweifelhaft, ob Amerika an ausländischen Geldern in Zukunft erhalte, was es benötige, heißt es im Lager der Skeptiker.

Hypothek für den Dollar

Als logische Konsequenz bliebe ein drastischer Konsumverzicht, der die bisher mit ausländischen Geldern finanzierten Importe stark schrumpfen ließe. Doch das werde mit den Amerikanern nicht zu machen sein, ganz abgesehen davon, daß ein solches Verhalten von der Obrigkeit nicht erzwungen werden könne. Daher bleibe wohl nur der Weg über eine ansehnliche Abwertung des Dollar. Importierte Waren würden dann so verteuert, daß sie nicht mehr nachgefragt würden.

Um die auch dann immer noch benötigten ausländischen Gelder ins Land zu locken, müßten die amerikanischen Zinsen deutlich steigen, was der Konjunktur zusetzen würde, ganz abgesehen davon, daß dies die Immobilienblase zum Platzen und das amerikanische Bankensystem in Gefahr brächte.

Hypothek für Euroland

Wer so argumentiert, befindet sich an den Terminmärkten für amerikanische Staatsanleihen im Lager der Baissiers. Und er erwägt auch, ob im Zuge der erwarteten Neuordnung der asiatischen Währungsreserven nicht auch die Nachfrage der Zentralbanken dort nach Gold zunehmen könnte. Der größte „Nutznießer“ einer solchen Neuordnung wäre unbestritten der Euro, denn er ist die einzige Währung, in die die asiatischen Kapitalmassen diversifiziert werden können, ohne krasse, fundamental nicht mehr vertretbare Verwerfungen zu vermeiden.

Daher erwarten Strategen, daß sich die Hausse am Terminmarkt für deutsche Bundesanleihen fortsetzt, denn in sie würde ein Großteil der neu zu streuenden Währungsreserven aus Asien über den Euro fließen. Doch die aus einem solchen Umschichtungsprozeß zwangsläufig folgende Aufwertung des Euro würde die in diesem Währungsgebiet bereits herrschende Konjunkturflaute nur noch vertiefen.

Daher verstehen einige Strategen nicht, warum die Aufwertung des Yuan auch an den Terminbörsen überwiegend so einäugig positiv gewertet wird. Wenn nur etwas schieflaufen sollte, könne aus diesem Ereignis nämlich ein Teufelskreis entstehen, vor dem alle denkbaren günstigen Folgen verblassen würden, heißt es.

Quelle: F.A.Z., 29.07.2005, Nr. 174 / Seite 23
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