10.04.2010 · Die chinesische Währung Yuan gilt gemeinhin als unterbewertet. Sie werde von der China durch Interventionen künstlich schwach gehalten. Möglicherweise löst sich jedoch die zugrunde liegende Logik in Luft auf.
Die chinesische Währung Yuan gilt gemeinhin als unterbewertet. Sie werde von der China durch Interventionen künstlich schwach gehalten, um auf diese Weise die Exportwirtschaft des Landes im internationalen Wettbewerb merkantilistisch zu unterstützen, obwohl sie schon von ungemein laxen Umweltvorschriften und sehr tiefen Arbeitslöhnen profitiere, heißt es gemeinhin.
Vor allem aus den Vereinigten Staaten kommen entsprechende Vorwürfe. Sie werden mit Verweis auf die hohen chinesischen Handelsüberschüsse und stark steigenden Devisenreserven mit der Forderung verbunden, den Wechselkurs des Yuas wieder zu flexibilisieren, nachdem er nach einer Aufwertungsphase in den Jahren 2005 bis 2008 wieder bei 6,82 Yuan je Dollar gehalten wird.
Es scheint zwar einige gute Gründe für eine Aufwertung des Yuan zu geben ...
Auch binnenwirtschaftlich scheint es einige Gründe zu geben, die für eine Aufwertung der chinesischen Währung sprechen. So drohen keyensianische Investitionen der chinesischen Regionalregierungen die Inflation im Reich der Mitte nach oben zu treiben. Allein im vergangenen Jahr seien in China Projekte mit einem Gesamtvolumen von 15 Billionen Yuan oder umgerechnet etwa 1,7 Billionen Euro begonnen worden. Das ist fast doppelt so viel wie das Bruttoinlandsprodukt Indiens. Die Investitionen wurden angeheitz durch die chinesische Kreditwirtschaft , die die Rekordsumme von 9,6 Billionen Yuan an Darlehen herausgereicht hat.
Diese Kombination hat aber auch die Inflation angetrieben, die im Februar bei 2,7 Prozent ein 16-Monats-Hoch erreichte. Sollte die Entwicklung nicht gebremst werden, drohe ein Anstieg der Inflation auf bis zu 15 Prozent, warnen Volkswirte wie Victor Shih von der Northwestern University in der Nähe von Chicago. Eine Aufwertung würde die inflationäre Entwicklung dämpfen, da sie Importe günstiger machte, so die Logik.
Allerdings kann es auch ganz anders kommen. Denn „die Regierung hat zunehmend nur noch die Wahl zwischen Inflation und notleidenden Krediten“, erklärt Shih. „Der einzige Mechanismus, mit dem die Inflation in China unter Kontrolle gebracht werden kann, sind Kreditbeschränkungen, aber wenn das eingesetzt wird, ist Schluss mit lustig - in den Bilanzen der Banken wird eine Riesenwelle von Problemkrediten auftauchen.“ Ähnlich sieht das auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel in ihrem Quartalsbericht vom Dezember. Sollte die Regierung versuchen, das Kreditvolumen durch höhere Zinsen in den Griff zu bekommen, würden die Kreditkosten der lokalen Regierungen steigen.
Sollte es dazu kommen, würde das scheinbar so robuste Wirtschaftswachstum in China ausgebremst werden. Das wiederum würde internationale Anleger, die in den vergangenen Jahren aufgrund der weit verbreiteten Aufwertungserwartungen und der Wachstumschancen auf allen Wegen versucht hatten, Gelder in China zu investieren, zum Abzug dieser Mittel verleiten. In diesem Rahmen könnte die chinesische Währung, sollte der Wechselkurs tatsächlich liberalisiert werden, unter Umständen sogar eher ab- als aufwerten.
... möglicherweise lösen sie sich jedoch in Luft auf
Selbst aber unter den gegebenen Umständen ist nicht sicher, ob der Yuan tatsächlich aufwerten würde. Denn erstens behaupten Banken wie Goldman Sachs, die Währung sei nicht wesentlich unterbewertet. Zweitens können Aufwertungsbefürwortern zumindest kurzfristig auch die Argumente ausgehen, weil China plötzlich ein Defizit im Außenhandel auswiese, nachdem es in den vergangenen Monaten den Import von Energie und Rohstoffen massiv aufstockte.
Wie Ministerpräsident Wen Jiabao am Montag in Peking bei einer Konferenz mit ranghohen Vertretern ausländischer Unternehmen erklärte, wies die chinesische Handelsbilanz Anfang des Monats März ein Defizit von acht Milliarden Dollar aus. Ein Handelsbilanzdefizit komme der Argumentation der chinesischen Führung entgegen, die sich gegen den amerikanischen Druck auf eine Aufwertung des Yuan wehre, heißt es.
„Der Handelsbilanzüberschuss des Landes dürfte 2008 seinen Höhepunkt überschritten haben und gleitet seither allmählich ab“, schrieb der Volkswirt Chris Leung von DBS Group Holdings in Hongkong am Dienstag in einer Studie. „Der Schaden, den die Kreditkrise angerichtet habe, erschwere es China, auf die Nachfrage aus den Industrieländern zu zählen.“ Gleichzeitig, so Leung weiter, nehmen die Einfuhren infolge der gestiegenen Staatsausgaben zu. Ähnliche Beobachtungen machten auch Glenn Maguire und Albert Edwards von der Société Générale in London.
Es zwar nicht sicher, wie sich Chinas Außenhandel in Zukunft entwickeln wird. Sollte sich das Land jedoch dazu entschließen, künftig statt amerikanischen Treasuries zu kaufen lieber Rohstoffe zu importieren, würden sich sowohl das sich ergebende Bild als auch die Argumente verschieben. Möglich fallen die Überschüsse künftig in den Rohstoffstaaten an, die wiederum mehr Güter und Dienstleistungen in den Vereinigten Staaten kaufen könnten. Im besten Falle könnten sich die bestehenden Handelsungleichgewichte auf diese Weise wenigstens zum Teil auflösen.
Sicher ist das jedoch nicht, zumal die Entwicklung in China völlig überhitzt zu sein scheint, während die Industriestaaten Probleme haben, mit ihren massiven Schulden zurecht zu kommen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |