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Devisenmarkt Die Spekulation mit Währungen nimmt zu

21.07.2008 ·  Derivateanleger setzen am liebsten auf Aktien, auf Indizes und inzwischen auch auf Währungsprodukte. Derivate auf den Euro-Dollar-Kurs sind am beliebtesten. Experten sehen gute Chance zur Diversifikation

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Derivateanleger setzen am liebsten auf Aktien und vor allem auf Indizes. Einen festen Platz unter den Umsatzspitzenreitern in der Börsenstatistik haben sich inzwischen allerdings auch Währungsprodukte erobert. Dies gilt vor allem an den Tagen, an denen es an den Devisenmärkten auffällige Kursbewegungen gibt, wie das Rekordhoch des Euro zum Dollar von 1,6038 Dollar am Dienstag dieser Woche. Doch die Währungsanlage folgt ganz eigenen Gegebenheiten. Dies sollten Anleger beim Kauf eines spekulativen Hebelpapiers (Optionsschein und Knock-out-Produkt) oder Anlagezertifikats bedenken.

Die Auswahl an Währungsderivaten ist groß. An der Stuttgarter Börse gibt es aktuell etwa 8500 solcher Produkte. Damit machen sie gleichwohl nur einen kleinen Teil des Derivatekuchens in Deutschland aus. Zum Vergleich: Nach Erhebungen des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) waren im Juni an deutschen Börsen fast 325 500 Zertifikate und Hebelpapiere notiert. Immerhin erreichten die Währungsscheine in der Umsatzstatistik des DDV mit einem Anteil von fast 7 Prozent im Juni den dritten Rang hinter Indizes mit einem Anteil von 51 Prozent und Aktien mit 37 Prozent.

Die meisten Währungsderivate beziehen sich auf den Euro gegen den Dollar

Im Januar lagen Devisenprodukte mit einem Umsatzanteil von 4 Prozent noch hinter den Optionsscheinen auf Rohstoffe. Fast alle Devisenprodukte - 99 Prozent - sind spekulativer Natur. Hierunter fallen die mehr als 5000 Optionsscheine, ferner auch die gut 3000 Knock-out-Papiere, die beim Erreichen bestimmter Kursschwellen wertlos verfallen. Dagegen beträgt die Zahl der eher konservativen Anlagezertifikate auf verschiedene Währungspaare nur knapp 100. Viele bieten einen teilweisen oder auch einen vollständigen Kapitalschutz.

Die meisten Derivate basieren auf Veränderungen des Euro-Dollar-Kurses - unter Anlegern der mit Abstand beliebteste Wechselkurs. Im Fokus der Derivatekäufer steht aber auch der japanische Yen zum Dollar oder Euro. Wem das nicht reicht, der kann unter Papieren wählen, die sich auf die Kursveränderungen des Euro zu dem Schweizer Franken, dem britischen Pfund oder auf exotischere Devisen wie den brasilianischen Real beziehen. Auch Währungskörbe oder Anlagestrategien, wie "Carry-Trades", sind unter den Basiswerten zu finden. Bei solchen Strategien werden Kredite in Ländern mit niedrigen Zinsen aufgenommen und das Geld in Hochzinsregionen angelegt.

Mit den meisten Derivaten profitieren Anleger von steigenden Kursen (Calls). Im Fall des Euro-Dollar-Kurses wäre dies eine weitere Aufwertung des Euro. Allerdings gibt es auch zahlreiche Hebelprodukte für die Spekulation auf fallende Notierungen (Puts), also zum Beispiel auf eine Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar. Bei den Optionsscheinen überwiegen derzeit sogar die Put-Varianten, ein eher seltenes Phänomen an den Terminmärkten, denn Anleger setzen lieber auf steigende Notierungen. Allerdings gilt dieser Grundsatz vor allem für die Aktienanlage. In dieser Woche war angesichts des Rekordhochs des Euro ein Euro-Dollar-Put der Société Générale (WKN SG0L19) an der Börse Stuttgart einer der am stärksten umgesetzten Scheine (siehe Grafik).

Beim Basiswert wartet aber ein erster Fallstrick auf die Derivatekäufer. Der Devisenkurs ist der Preis einer Währung in einer anderen. Anleger müssen sich diesen Basiswert und die Art der Wechselkursberechnung genau betrachten, um je nach Markterwartung auch das richtige Produkt auszuwählen. Eine Mengennotierung gibt beispielsweise den Preis einer Einheit der inländischen Währung (Basiswährung) in der Einheit der ausländischen Währung an. Bei der Preisnotation ist das umgekehrt. Beziehen sich die Derivate auf das Verhältnis zweier Auslandswährungen, dann macht sich für Anleger im Euro-Raum zusätzlich die Entwicklung des Euro in der Rendite bemerkbar.

Währungen wenig korreliert zu anderen Anlageklassen

Im Gegensatz zu Anlagezertifikaten eignen sich Hebelpapiere vor allem für kurzfristige Handelsgeschäfte, aber auch zur Absicherung der Portfolios gegen Währungsrisiken. Durch die ihnen eigene Hebelwirkung bieten sie überproportionale Gewinnchancen, aber auch ebensolche Verlustrisiken. Knock-out-Papiere verfügen meist über höhere Hebel als die Scheine. Sie können aber schnell verfallen und sind in der Regel noch riskanter. Anders als bei Optionsscheinen auf Aktien nimmt bei Devisen nicht nur ein Zinssatz Einfluss auf deren Preisbildung, sondern beide Zinssätze der beteiligten Währungen.

Für Banken wie Goldman Sachs bieten Währungen grundsätzlich eine gute Chance zur Portfoliodiversifikation. Dabei erlebten gerade Währungen aus Schwellenländern an den internationalen Devisenmärkten häufiger deutliche Kursveränderungen, was sie für eine besonders breite Diversifikation geeignet mache. Denn Währungen gelten als wenig korreliert zu anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen. Der Devisenmarkt ist der liquideste Markt überhaupt. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel werden im Devisenhandel täglich im Durchschnitt mehr als 3 Billionen Dollar umgesetzt.

Doch die Einflussfaktoren der Währungsanlage sind zahlreich und nur schwierig zu überblicken. Neben dem Zinsgefüge beeinflussen auch Inflationsraten, Konjunkturdaten, das Verhalten der Notenbanken oder politische Ereignisse die Kurse im Devisenhandel. Die Währungsmärkte reagieren vergleichsweise schnell. Wechselkursprognosen gelten selbst unter Fachleuten als schwierig. Daher sind die Währungsprodukte nach Ansicht von Derivateexperten eher für erfahrenere Privatanleger geeignet.

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