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Devisenmarkt Die Aufwertung des Yuan birgt auch Gefahren

27.07.2005 ·  Das große Ereignis der jüngsten Zeit an den Finanzmärkten ist die vergangene Woche bekanntgegebene Entscheidung Chinas, den Yuan kontrolliert floaten und damit aufwerten zu lassen. Doch das ist nicht nur eine gute Nachricht für die Märkte.

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In der Beurteilung der chinesischen Entscheidung sind sich viele Strategen internationaler Investmentbanken einig. Nach langen Mutmaßungen und Spekulationen sei endlich im Grundsatz Klarheit geschaffen worden, lautet der Tenor der Kommentare. Wichtig sei vor allem, daß sich die Führung in Peking für eine "sanfte" Aufwertung entschieden habe. Eine immer wieder diskutierte kräftige Aufwertung um 10 oder gar 20 Prozent hätte Unordnung, ja vielleicht sogar Chaos an den Märkten entstehen lassen können, heißt es weithin vor allem mit Blick auf den amerikanischen Dollar.

Stephen Roach, der Chefökonom von Morgan Stanley, erklärt, mit seiner Entscheidung habe China ein wesentliches Hindernis auf dem Weg zur Beseitigung weltweiter Ungleichgewichte ausgeräumt. So sei das Risiko von Beschränkungen des internationalen Handels bis hin zum Protektionismus geringer geworden. Doch Roach weist auch auf die Risiken dieses Prozesses hin, indem er erklärt, falls die Streuung der asiatischen Devisenreserven zu Lasten des Dollar nicht geordnet verliefe, würde dies sowohl das absolute Niveau der amerikanischen Zinsen als auch die Zinsdifferenzen innerhalb Amerikas und zu den ausländischen Sätzen hin berühren. Unter solchen Umständen geriete der aufgeheizte amerikanische Immobilienmarkt ebenso in Gefahr wie die vom Wert ihres Vermögens abhängigen amerikanischen Verbraucher.

Weiter Sorgen um chinesische Konjunktur

Die Australia and New Zealand Banking Group (ANZ) argwöhnt, daß die ökonomischen Motive der Aufwertung des Yuan unterschätzt würden. Dies seien die hohen Kosten besonders in Form gestiegener Rohstoffpreise ebenso wie begrenzte Möglichkeiten chinesischer Anbieter, Einfluß auf ihre Absatzpreise zu nehmen. Ferner seien Verwerfungen im chinesischen Bankensystem und exzessive Investitionen im Lande zu nennen.

Nicht zuletzt aber hege die Führung in Peking die Absicht, die überhitzte Binnenwirtschaft zu dämpfen. Einer der Hauptgründe für die gering ausgefallene Aufwertung sei darin zu sehen, daß sich in China bereits wieder vorhandene deflationäre Tendenzen im Falle eines energischeren Schritts bedrohlich verstärkt hätten. Diese Sorge werde wohl verhindern, daß weitere nennenswerte Aufwertungen vorgenommen würden. ANZ geht zwar davon aus, daß die chinesische Wirtschaft zu einer sanften Landung geführt wird, erklärt aber auch, die Risiken eines schlechteren Ausgangs bestünden fort.

Harte Landung hat bereits begonnen?

Lombard Street Research, London, ist nur analytisch tätig und damit unabhängig von unmittelbaren Interessen des Bankengeschäfts. Dies drückt sich darin aus, daß dieses Unternehmen unbequeme Aussagen wagen kann, darunter die Erklärung, die harte Landung der chinesischen Wirtschaft habe bereits begonnen. Zu bedenken sei auch, daß China und andere asiatische Länder, die ihre Währungen an den Yuan gekoppelt hätten, im Zuge weiterer Aufwertungen beachtliche Wertverluste bei ihren Engagements in amerikanischen Staatsanleihen befürchten müßten.

Immerhin verfügten sie zusammen über Positionen im Wert von mehr als zwei Billionen Dollar. Mit Lösung der festen Bindung des Yuan entfalle für die Asiaten die Notwendigkeit, erzielte Devisenreserven in Amerika anzulegen. Damit hänge Amerika nun sehr viel mehr als bisher vom Zufluß privater Gelder ab, um seine Defizite finanzieren zu können. In der Folge müsse der Dollar auf ein Niveau abwerten, das Anlegern unter Abwägung aller Risiken angemessen und dauerhaft haltbar erscheine.

Und die amerikanischen Zinsen müßten steigen, um die Anleger für die Risiken zu entschädigen und den Binnenverbrauch so zu dämpfen, daß das Leistungsbilanzdefizit auf ein tragbares Niveau verringert werden könne. Dies seien sehr schlechte Nachrichten für den amerikanischen Anleihemarkt und höchstwahrscheinlich auch für die Wall Street, meint Lombard Street Research.

Quelle: F.A.Z., 28.07.2005, Nr. 173 / Seite 18
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