25.08.2004 · Die Devisenexperten der Deutschen Bank haben ihre Kursprognosen angepaßt. Dem Euro trauen sie zum Dollar jetzt noch etwas mehr als bisher zu und im Verhältnis zum Yen sehen sie die Einheitswährung nicht mehr fallen.
Die Devisenanalysten bei der Deutschen Bank gehen weiter von einer Abschwächung des Dollar gegenüber dem Euro aus. Für die kommenden sechs Monate haben sie jetzt ihre Prognose sogar noch einmal zugunsten des Euro leichtangehoben. Der Dollar wird jetzt nicht mehr zwischen 1,25 und 1,30 Dollar gesehen, sondern zwischen 1,27 und 1,32 Dollar.
Zur Begründung wird auf die anhaltenden Ungleichgewichte verwiesen, welche die aktuelle globale Konjunkturerholung kennzeichnen. Angeführt wird insbesondere das amerikanische Leistungsbilanzdefizit, das nach dem jüngsten Anstieg des Handelsbilanzdefizits auf ein Rekordniveau (Juni: 55,8 Milliarden Dollar) wieder in den Blickpunkt gerückt sei. Da dieses Ungleichgewicht nach Ansicht der Deutschen Bank nicht ohne eine Wechselkursanpassung korrigiert werden kann, wird von einem mehrere Jahre dauernden Abwärtstrend des Dollar ausgegangen (siehe Grafik).
Im laufenden Jahr habe der Dollar bisher zwar etwas fester tendiert. Die jüngsten Daten zu den Kapitalflüssen deuten jedoch für die Zukunft auf eine erneute Abschwächung hin. Die Basisbilanz, in der diese Kapitalzuflüsse mit dem Leistungsbilanzsaldo zusammengefaßt
werden, deutet auf einen merklich schwächeren Dollar hin.
Euro zum Yen jetzt seitwärts erwartet
Korrekturen gab es auch bei der Vorhersage für die voraussichtliche Kursentwicklung des Yen im Verhältnis zum Euro. Hier gehen die Devisenexperten angesichts zunehmender Anzeichen einer Verlangsamung des weltweiten Konjunkturaufschwungs nicht mehr davon aus, daß der Yen in der Phase der erwarteten Dollarabschwächung besser als der abschneiden wird. Hier wird jetzt lediglich noch mit einer Seitwärtsentwicklung im Bereich von 136 bis 137 Yen zum Euro erwartet.
Zur Yen-Prognose heißt es erläuternd, Japan verzeichne gegenüber Amerika den zweitgrößten Handelsbilanzüberschuß (rund zwölf Prozent des amerikanischen Defizits; China: 23 Prozent). Der Yen dürfte daher bei einer Korrektur des Leistungsbilanzdefizits ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Deshalb werde weiterhin auch eine Abschwächung des Dollar gegenüber dem Yen prognostiziert.
Für den Wechselkurs des Yen gegen über dem Dollar impliziere dies auf Sicht von zwölf Monaten eine Aufwertung auf 101 Yen, nachdem die Prognose hier bisher bei 92 Yen lag. Die neue Prognose weise dabei keine signifikanten Abweichungen von anderen Schätzwerten für den fairen Dollar-Yen-Kurs auf.
Der Euro-Yen-Wechselkurs gilt als konjunktursensibler
Das die veränderte Prognose bei der Parität Euro-Yen angeht, weisen die Devisenexperten der Deutschen Bank darauf hin, daß der Euro-Yen-Wechselkurs in der Vergangenheit tendenziell konjunktursensibler als der Dollar-Yen-Kurs gewesen sei. In weltwirtschaftlichen Aufschwungphasen profitiere der Yen üblicherweise von einem höheren Handelsbilanzüberschuß und von Kapitalzuflüssen in die Aktienmärkte, wohingegen Kapital aus Euroland abfließe.
Für die Prognose des Euro/Yen-Kurses sei daher von Bedeutung, in welcher Phase sich der weltweite Konjunkturzyklus befindet. In den vergangenen Monaten hätten sich aber die Anzeichen vermehrt, daß das Wachstum der Weltwirtschaft seinen Höhepunkt überschritten hat. In diesem Umfeld dürfte der Yen künftig voraussichtlich nicht besser abschneiden als der Euro, zumal sich das Wachstum in Japan stärker verlangsamen dürfte als weltweit.
Hauptgrund für die Yen-Aufwertung bis März 2004 sei ein Überschuß in der Kapitalbilanz gewesen, der zum Leistungsbilanzüberschuß hinzugekommen sei. In letzter Zeit hätten ausländische Anleger jedoch deutlich weniger umfangreiche Investitionen an den japanischen Aktienmärkten getätigt. Eine nennenswerte Verkaufsbewegung habe zwar nicht eingesetzt, eine neue Kaufwelle wie zur Jahreswende 2003/04 dürfte angesichts der Wachstumsperspektiven allerdings auch unwahrscheinlich sein.
Steigende Ölpreise belasten traditionell den Yen
Bis zum Ende des letzten Fiskaljahres (März 2004) hätten zudem die umfangreichen Interventionen der japanischen Behörden verhindert, daß die Kapitalzuflüsse zu einer besseren Entwicklung des Yen gegenüber dem Euro führten. Obwohl es im neuen Fiskaljahr bisher keine weiteren Interventionen gegeben hat, hat sich der Yen gegenüber dem Euro seit April abgeschwächt. Wir werten dies als ein Zeichen dafür, daß die Finanzmärkte angefangen haben, eine Änderung des weltweiten Wachstumstrends einzupreisen.
Studien des IWF und der OECD hätten darüber hinaus gezeigt, daß sich der reale effektive Yen-Wechselkurs im Fall steigender Ölpreise tendenziell stärker abschwäche als der des Euro, obwohl Japans Wirtschaft im Hinblick auf Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit weniger anfällig für höhere Ölpreise ist als diejenige Eurolands. Dies spiegele sich auch bereits in den jüngsten Marktbewegungen.
Das Risiko, das die Deutsche Bank in anhaltend hohen Ölpreisen sieht, ist daß dies Investoren veranlassen könnte (aufgrund der negativen Wachstumswirkungen), ihr Engagement in japanischen Aktien zu überdenken. Bisher gibt es zwar noch keine Anzeichen für eine derartige Entwicklung. Ihre Möglichkeit ist jedoch für uns ein weiterer Grund, nicht länger auf eine bessere Entwicklung des Yen im Vergleich zum Euro zu setzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |