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Devisenmarkt Der Yen strampelt sich langsam wieder frei

22.06.2004 ·  Der Yen hat seine Schwächephase überwunden und befindet sich wieder im Aufwind. Die anspringende Konjunktur in Japan hilft ihm dabei ebenso wie die nachlassende Angst vor Zinserhöhungen in Amerika.

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Deutlich erholt von dem zwischen Anfang April bis Mitte Mai erlittenen Schwächeanfall präsentierte sich neuerdings der japanische Yen. Besonders stakr verbessert zeigt er sich dabei gegenüber dem Dollar, aber auch im Verhältnis zum Euro hat er zuletzt an Boden gewonnen.

Händler deuten diese Entwicklung als Hinweis darauf, daß die stützende Kräfte, die von der Aussicht auf steigende Zinsen in Amerika auf den Dollar ausgegangen sind, inzwischen in den Kursen weitgehend eskomptiert sind und folglich fortan eine geringere Rolle spielen.

Stattdessen konzentriere man sich jetzt wieder mehr auf die strukturellen Defizite in Amerika, wie sie zuletzt erst wieder in einem massiven Handelsbilanzdefizit zum Ausdruck gekommen seien. Die bisher vorherrschenden strukturellen Probleme in Japan fingen dagegen langsam an sich zu verflüchtigen. So habe jüngst auch der Internationale Währungsunion von einem kurz bevorstehenden Ende der Deflation in Japan gesprochen.

Konjunktureller Aufschwung lockt Anleger in japanische Aktien

Nach Jahren der wirtschaftlichen Flaute habe Japan zudem im ersten Quartal unter den führenden Industrienationen mit plus 6,1 Prozent das stärkste Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt verbucht. Die Annahme, daß der da gezeigte neue konjunkturelle Schwung noch etwas anhalten wird, beschert dem Aktienmarkt einen Aufwärtstrend und der wiederum lockt Gelder aus dem Ausland an, die letztendlich stützend auf den Yen wirken.

Gebremst wird der Elan der Akteure am Devisenmarkt momentan im Grunde genommen vor allem nur durch die Angst vor erneuten Interventionen der japanischen Notenbank zu Lasten des Yen. Doch diese Aktivitäten waren zuletzt, zumindest was direkte Interventionen angeht, weitgehend ausgesetzt und durch die konjunkturellen Verbesserungen dürfte der Zwang zu Interventionen auch etwas nachgelassen haben.

Aziz McMahon, Währungsstratege bei der ABN Amro Holding, kommentiert die Lage wie folgt: „Die Anleger kaufen Japan wegen der Wachstumsstory.“ Und Tsutomu Soma, ein Devisenhändler bei Okasan Securities Co., ergänzt: „Der Anstieg des Nikkei war die entscheidende Kraft hinter dem jüngsten Anstieg des Yen.“ Die damit verbundenen Käufe haben den Yen zum Dollar bei aktuellen Kursen von 108,54 Yen inzwischen auf ein Achtwochenhoch geführt und gegenüber dem Euro bei einer Notiz von 131,11 Yen auf ein Siebenwochenhoch.

Yen-Chart vor neuen Kaufsignal

Um nach dem bereits vollzogenen Bruch des kurzfristigen Abwärtstrends und dem Anstieg über die 200-Tage-Durchschnittslinie ein weiteres charttechnisches Kaufsignal zu generieren, fehlt dem Yen gegenüber dem Dollar jetzt nicht mehr allzu viel. Händler sehen die nächste entscheidende Unterstützung nämlich schon bei 108,50 Yen. Und wenn der Dollar unter diese Haltemarke rutscht, hätte der Yen wieder weitgehend freie Bahn für einen Anlauf in Richtung des am 1. April erreichten Vierjahrestiefs von unter 104 Yen.

Endgültig entschieden wird über die weitere Richtung aber vermutlich erst in der kommenden Woche. Denn dann wissen die Märkte nicht nur, zu welchem Zinsschritt sich die amerikanische Notenbank durchgerungen hat, sondern über die Bekanntgabe des Tankan-Berichts auch, wie die japanischen Unternehmen die weiteren konjunkturellen Aussichten einschätzen. Die jüngsten Bewegungen am Devisenmarkt deuten dabei an, in welcher Grundstimmung die Marktteilnehmer auf diese Ereignisse warten.

Die beiden Charts zeigen in dieser Reihenfolge den Yen gegen den Dollar und den Euro.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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