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Devisenmarkt Der russische Rubel wirkt angezählt

Russland sitzt zwar auf den weltweit drittgrößten Devisenreserven. Doch die Reserven schrumpfen neuerdings, und der fallende Ölpreis macht ebenfalls zu schaffen. Wie sehr, zeigen die Gerüchte, die um eine Rubelabwertung kursieren.

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Die Kreditkrise hat auch die Währungen einiger Schwellenländer gehörig unter Druck gesetzt. Auch der russische Rubel bekommt die negativen Auswirkungen zu spüren. Wobei hier als wichtiger Belastungsfaktor auch noch der stark gefallene Ölpreis mitwirkt. Am Donnerstag mussten für einen amerikanischen Dollar erstmals seit zwei Jahren wieder mehr als 27 Rubel gezahlt werden. Im Juli benötigte man zweitweise dafür nur noch etwas mehr als 23 Rubel.

Zur Begründung für den anhaltenden Kursdruck wird derzeit auf den Ölpreis verwiesen. Dieser ist am Mittwoch weiter deutlich auf weniger als 62 Dollar je Barrel (159 Liter) gefallen. Für Russland ist dies deshalb ein kritischer Wert, weil die Berechnungen für den Staatshaushalt im kommenden Jahr auf einem durchschnittlichen Ölpreis von 70 Dollar beruhen. Sollte der Ölpreis auf dem jetzigen Niveau verharren, oder vielleicht sogar weiter sinken, wäre das natürlich nicht gerade komfortabel.

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Hohe Risikoaufschläge geben zu denken

Außerdem hat das Land gegenwärtig auch noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Neben der Kapitalabflüsse, die teilweise auch wegen der Georgienkrise aufgetreten sind, sorgen laut WGZ Bank auch kurzfristig fällige Fremdwährungskredite aus dem öffentlichen und privaten Sektor für Druck auf die Währung. Erheblich unter Druck stehen aber auch die Anleihen des Landes. So hat sich der Risikoaufschlag auf russische Staatsanleihen in Dollar zuletzt auf 591 Basispunkte erhöht. Verglichen mit dem Jahresanfang ist der Aufschlag damit um 419 Basispunkte gestiegen.

rubelwährungskorb_231008 © FAZ.NET Vergrößern

Auf Unternehmensebene sind die Risikoaufschläge sogar noch stärker gestiegen. Und wenn selbst ein Energieriese wie Gasprom, der Assets wie die weltgrößten Gasreserven zu bieten hat, Refinanzierungsprobleme einräumt, dann lässt sich an fünf Fingern abzählen, dass auch etliche andere russische Unternehmen derzeit mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen haben. Denis Gaevski von der Bank von Moskau kann sich jedenfalls einen Ausfall von 20 bis 30 Prozent der auf Rubel lautenden Unternehmensanleihen vorstellen.

Gerüchte um Rubelabwertung machen die Runde

Insgesamt sind die Probleme trotz der vom Staat bereits beschlossenen Hilfsprogramme im Volumen von mehr als 200 Milliarden Dollar so gravierend, dass sie zuletzt bereits Gerüchte um eine bevorstehende Rubel-Abwertung ausgelöst haben. Auch immer mehr Bürger versuchen ihre Rubel in Dollar zu tauschen. Die Russen sind in dieser Hinsicht ohnehin sehr sensibel, weil sie erst während der Rubelkrise im August 1998 um viele ihrer Ersparnisse beraubt wurden.

Der russische Präsident Medvedev hält zwar dagegen und beteuert, für die Rubel-Schwäche gebe es keine fundamentalen Gründe. Aus seiner Sicht würden vielmehr alle Spekulanten, die gegen den Rubel wetten, eine große Enttäuschung erleben. Zur Untermauerung dieser These verwies er auf die weltweit drittgrößten Währungsreserven, über die Russland verfügt.

Fallende Währungsreserven zeigen die Gefahren

Mit aktuell 515,7 Milliarden Dollar sind die Reserven zwar in der Tat noch immer stattlich. Aber alleine in den beiden vergangenen Wochen sind sie um mehr als 30 Milliarden Dollar geschrumpft, was andeutet, wie schnell die Reserven auch wieder abnehmen können. „Der Rückgang der Reserven ist ziemlich alarmierend,“ sagt auch Vladimir Tikhomirov, Chefvolkswirt bei Ural Sib. Auch andere Marktteilnehmer zeigen sich skeptisch: „Die Zentralbank hat keine andere Wahl, als den Rubel weiter abzuwerten, glaubt Paul Biszko, Analyst bei RBC. Und auch Beat Siegenthaler, Stratege bei TD, geht davon aus, dass „mittelfristig eine gewisse Abwertung unausweichlich ist.“

Die Pessimisten dürften insbesondere dann Recht behalten, wenn der Ölpreis deutlich und für längere Zeit unter die Marke von 60 Dollar fallen sollte. Allerdings sind Preisprognosen jedweder Art im aktuell turbulenten Umfeld kaum seriös möglich. Zur Erinnerung sei in diesem Zusammenhang nur daran erinnert, dass noch vor wenigen Wochen oft ein weiter steigender Ölpreis vorhergesagt wurde, auch als der Barrel noch mehr als 140 Dollar kostete. Auch diese Fehlprognose zeigt, wie schwierig Vorhersagen derzeit sind. Eine weitere Rubel-Abwertung kann vor diesem Hintergrund aber ebenfalls nicht von vorneherein kategorisch ausgeschlossen werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB

 
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Veröffentlicht: 23.10.2008, 15:15 Uhr


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