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Devisenmarkt Der russische Rubel trotzt der Yukos-Krise

28.01.2004 ·  Trotz der nach westlichem Justizverständnis fragwürdigen Affäre um den Ölkonzern Yukos ist in Rußland eine Kapitalflucht ausgeblieben. Zusammen mit guten Wirtschaftsdaten und Rating-Hochstufungen stärkt das den Rubel.

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Affären wie die um den russischen Ölkonzern Yukos sind eigentlich dazu angetan, daß massiv Gelder aus einem Land abgezogen werden und im Gefolge die Währung fällt. Doch wie so oft gelten auch in diesem Fall für Rußland andere Gesetze.

Der russische Rubel zeigt sich jedenfalls unbeeindruckt von der nach westlichen Justizverständnis ziemlich willkürlich anmutenden Verhaftung von Yukos-Chef Chodorkowskij und der damit verbundenen Vorverurteilung. Im Verhältnis zum Euro hält sich der Rubel mit Kursen von rund 28 Rubel relativ stabil.

Und gegenüber dem Dollar befindet er sich wie viele andere Weltwährungen sogar auf Höhenflug. Die am Mittwoch gehandelten Kurse von 28,47 Dollar bewegen sich jedenfalls nahe an einem Dreieinhalbjahreshoch. Selbst die bereits mehrfach gesenkten Leitzinsen konnten diesen Trend somit nicht bremsen.

Rating-Hochstufungen beruhigen die Anleger

Als Stütze erweist sich dabei die am Vortag vom Kreditbewerter Standard & Poor´s beschlossene Hochstufung des Ratings von "BB" auf "BB+". Denn damit fehlt Rußland nur noch eine Heraufstufung, um auch bei S&P eine Bonitätsnote zu erhalten, die zum sogenannten Investment Grade der stabilen Schuldner zählt. Moody's hat die Bonitätsnote für russische Fremdwährungsanleihen schon im Oktober vergangenen Jahres auf dieses Niveau angehoben, was sich ebenfalls beflügelnd auf den Rubel-Kurs auswirkte. An der Maßnahme von S&P ist ermutigend, daß diese Agentur im November im Falle negativer Belastungen durch die Yukos-Äffare auch eine Herabstufung nicht ausgeschlossen hatte.

Hilfreich ist zudem die Erkenntnis, daß es entgegen anderslautender Befürchtungen nicht zu einer massiven Kapitalflucht im Zuge der Yukos-Affäre gekommen ist. Stattdessen war die Kapitalflucht im Vorjahr mit 2,9 Milliarden Dollar nach 8,1 Milliarden Dollar im Jahr 2002 so niedrig wie seit mindestens drei Jahren nicht mehr. Das hat damit zu tun, daß die Angelegenheit als Ausnahmefall gewertet wird, der nur gegen den politisch ambitionierten Chodorkowskij gerichtet war und kein Vorbote für ein Abrücken von der bisher gepflegten Marktwirtschaft nach russischer Lesart.

Gute volkswirtschaftliche Rahmendaten stützen den Rubel

Beim Versuch, das Geld im Lande zu halten, kommen Rußland natürlich die guten inländische Konjunkturdaten zu Gute. Denn mit einem im Vorjahr verbuchten Wachstum von sieben Prozent könen derzeit nur wenige andere Volkswirtschaften mithalten. Vielmehr werden wegen der weiterhin günstigen Wachstumsaussichten (die Regierung sagt für dieses Jahr ein Wachstum von 6,5 Prozent voraus) immer mehr international agierende Konzerne nach Rußland gelockt, was Kapital ins Land bringt.

Ohnehin ist Rußland derzeit in Sachen Devisenbilanz mit rekordhohen Devisenreserven bestens bestückt. Bei der somit insgesamt vorzeigbaren volkswirtschaftlichen Bilanz spielen selbstverständlich die hohen Rohstoffpreise eine wichtige Rolle. Solange diese so hoch bleiben wie sie derzeit sind, wofür momentan einiges spricht, drohen weder der russischen Wirtschaft noch dem Rubel ernsthafte Gefahren. Dann können sich die Verantwortlichen um Putin nur selbst ein Bein stellen, indem sie weitere Affären nach dem Strickmuster von Yukos heraufbeschwören. Aber daran kann ihnen gemessen am gesunden Menschenverstand normalerweise nicht gelegen sein.

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Parität Rubel-Dollar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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