War der russische Rubel in den Jahren 1998 und 1999 im Rahmen der Zahlungsschwierigkeiten und der dadurch ausgelösten Schwellenländerkrise massiv gegen den Dollar und andere Währungen abgewertet, so befindet er sich gegen den Dollar zumindest seit dem Jahr 2003 wieder in einem Aufwertungstrend.
Er hat von 31,90 Rubel je Dollar am dritten Januar des Jahres 2003 auf zuletzt 26,0165 Rubel je Dollar aufgewertet. Der Trend deutet weitere Kursgewinne an. Das dürfte kaum verwundern. Denn inzwischen hat sich die wirtschaftliche Lage des Landes im Vergleich zu damals deutlich gewandelt.
Land profitiert vom anhaltenden Energie- und Rohstoffboom
Das Land profitiert vom anhaltenden Energie- und Rohstoffboom und erzielt inzwischen sowohl im Außenhandel als auch im Budget seit Jahren Überschüsse. Im vergangnen Jahr lag der Budgetüberschuss bei 7,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Der Rückgang der Auslandsverschuldung auf 31 Prozent des BIPs und Währungsreserven in Rekordhöhe von 321,7 Milliarden Dollar Ende Februar können sich sehen lassen. Diese Zahlen deuten die inzwischen erreichte finanzielle Solidität genauso an, wie die Einführung eines Stabilisierungsfonds, der analog zu einem ähnlichen Konstrukt in Norwegen die volkswirtschaftliche Entwicklung dann stützen soll, wenn die Einnahmen nicht mehr so sprudeln sollten.
Ist die Volkswirtschaft des Landes bisher relativ einseitig auf Öl, Gas, andere Rohstoffe und Holz ausgerichtet, so soll sie nach den Plänen der Regierung in den kommenden Staaten breiter diversifiziert werden, vor allem außerhalb der boomenden Hauptstadt Moskau. Ziel sei es, die Infrastruktur des Landes zu verbessern, um in weiten Teilen des Landes die wirtschaftlichen Aktivitäten anzukurbeln. Auf diese Weise soll unter anderem die Arbeitslosigkeit reduziert werden. Dazu soll eine Entwicklungsbank ebenso dienen, wie die Ausbildung qualifizierter Arbeitsnehmer.
Die Wirtschaft des Lande boomt schon seit mehr als neun Jahren in ununterbrochener Folge. Nach einem Wirtschaftswachstum von 6,8 Prozent im vergangenen Jahr rechnet das Wirtschaftsministerium des Landes im laufenden Jahr mit einem Zuwachs von 6,2 Prozent. Die realen Löhne sind in Russland in den vergangenen drei Jahren um etwa ein Drittel gestiegen. Gleichzeitig ist die Inflationsrate inzwischen auf die Marke von 7,6 Prozent im Februar gefallen. Das ist der tiefste Stand seit achteinhalb Jahren. Der Produzentenpreisindex lag mit 9,9 Prozent unter den Erwartungen. Das Wirtschaftwachstum sorgt für einen starken Konsum. Der Einzelhandelsumsatz legte im Februar um 13,1 Prozent zu.
Rubel an Währungskorb gebunden - Gewicht des Euro nimmt zu
Insgesamt scheint einiges auf eine anhaltend positive Entwicklung des Landes hinzuweisen. Das dürfte auch die Währung im Kern beflügeln. Der Rubel ist allerdings an einen Währungskorb aus insgesamt 35 Währungen gebunden, gegenüber dem eine kontrollierte Aufwertung zugelassen wird. Bei ihren täglichen Marktoperationen orientiert sich die russische Zentralbank an einem vereinfachten Währungskorb, der zu 55 Prozent aus amerikanische Dollar und zu 45 Prozent aus Euro besteht.
In jüngster Zeit ist der Anteil des Euros an diesem Korb erhöht worden, immerhin geht ein großer Teil der Exporte des Landes nach Europa. Auch das dürfte dazu betragen, dass der Rubel gegen den Dollar weiter aufwerten könnte. Dagegen läuft der Wechselkurs schon seit dem Jahr 2005 seitwärts gegen die europäische Einheitswährung zwischen 35 und 33,325 Rubel je Euro. Daran dürfte sich vorerst kaum etwas ändern. Damit lohnt sich für einen Europäer die Spekulation auf die Währung nur bedingt.
Er kann indirekt darauf setzen, sofern er sich für russische Aktien interessiert. Sie haben sich zumindest in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt. Auch die weitere Zukunft scheint nicht schlecht zu sein. Gerade die Energiewerte sind gemessen an den Reserven zum Teil trotz der bisher erzielten Kursgewinne noch günstig. Andere Bereiche bieten noch Nachholpotential, zum Beispiel der Banken- oder auch der Telekommunikationssektor. Selbst im Konsum-, Produktions- und Dienstleistungsbereich dürften sich noch Chancen bieten, muss das Land in diesem Bereichen noch kräftig investieren.
Allerdings sollten die Risiken nicht übersehen werden. Sie liegen in politischen Unsicherheiten, relativer Intransparenz und nicht zuletzt auch in der Korruption.