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Devisenmarkt Der Rubel hat einen Schwächeanfall

05.09.2008 ·  Stetig steigende Devisenreserven und ein robustes Wirtschaftswachstum sprachen lange für einen festen Rubel. Doch ein fallender Ölpreis und die Georgien-Krise haben die russische Währung zuletzt unter Druck gebracht.

Von Jürgen Büttner
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Deutlich unter Druck ist in den vergangenen Tagen der russische Rubel an den Devisenmärkten geraten. Ablesen lässt sich das nicht nur an den Verlusten, welche die russische Währung gegenüber einem Währungskorb hinnehmen muss, sondern vor allem an den Abschlägen gegenüber dem Dollar.

Während ein amerikanischer Dollar vor wenigen Tagen noch 23,155 russische Rubel kostete, sind es inzwischen 25,478 Rubel. Das ist zwar noch immer deutlich weniger, als die Notiz von 32 Rubel, die Ende 2002 Gültigkeit hatte, mit der zuletzt zu beobachtenden stetigen Aufwertung des Rubel ist es aber allemal fürs Erste vorbei. Die in den vergangenen zwölf Monaten eingefahrenen Gewinne sind jedenfalls inzwischen wieder verloren gegangen.

Viele kurzfristige Belastungsfaktoren

Wegen der jüngsten Kursschwäche sah sich die russische Notenbank Meldungen zufolge am Donnerstag schon zu Stützungskäufen zugunsten des Rubel veranlasst. Laut dem stellvertretenden Notenbank-Gouverneur Alexej Ulyukayev sei zwar nicht geplant, den Handelskorridor für den an einen Währungskorb gekoppelten Rubel zu erweitern. Die Markteingriffe vom Donnerstag signalisieren aber dennoch eine erhöhte Nervosität und Alarmbereitschaft.

Was belastet, sind neben der Georgien-Krise (laut dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche könnte Russland mittel- bis langfristig der Hauptverlierer des Konflikts in Georgien werden) die anhaltenden Inflationssorgen sowie allgemeine Bedenken hinsichtlich der weiteren Wirtschaftsentwicklung in Russland. Die Inflationsrate ist im August auf 15 Prozent gestiegen, was deutlich über der bereits erhöhten Inflationsprognose von 11,8 Prozent des russischen Wirtschaftsministeriums liegt. Erstmals seit fast vier Jahren berichteten russische Einkaufsmanager zudem jüngst über schrumpfendes Geschäft und über so geringe Auftragseingänge wie seit zehn Jahren nicht mehr. Weil der Energiesektor noch immer fast ein Drittel der Wirtschaft ausmacht, geht Druck zudem von den fallenden Rohstoffpreisen aus. So ist der Ölpreis seit dem am 1. Juli markierten Rekord um 27 Prozent gefallen.

Kapitalabzug auf breiter Front

Russland verdient zwar auch bei den aktuell gültigen Ölpreisen noch prächtig an dem schwarzen Gold. Doch die Investoren ziehen trotzdem massiv Gelder aus Russland ab. Laut Schätzungen der Analysten bei der Unicredit haben Investoren seit Beginn des Georgien-Konflikts mindestens 19 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen. Deutlich wird die Abkehr von russischen Assets auch an der Entwicklung am Aktienmarkt. Alleine an diesem Freitag bricht der RTS-Index um mehr als sieben Prozent ein.

Wie hektisch es derzeit zugeht, zeigt auch das am Donnerstag erreichte Handelsvolumen am lokalen Devisenmarkt. Mit 8,5 Milliarden Dollar lag es deutlich über dem sonst üblichen Umsätzen von drei bis vier Milliarden Dollar. Ob die in Zahlen wie diesen zum Ausdruck kommende Panik wirklich gerechtfertigt ist, bleibt zwar noch abzuwarten.

Schließlich befindet sich Russland mit Haushaltsüberschüssen und Devisenreserven von rund 600 Milliarden Dollar verglichen mit anderen Staaten in dieser Hinsicht in einer relativ komfortablen Lage. Alle Einflussfaktoren zusammen genommen spricht derzeit aber trotzdem wenig dafür, in das fallende Messer zu greifen und den Rubel zu kaufen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.

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