14.05.2010 · Der Euro verliert nicht nur gegenüber dem Dollar an Wert. Zum Schweizer Franken ist die Gemeinschaftswährung zuletzt sogar auf ein Rekordtief gerutscht. Und wenn die Schweizer Notenbank nicht intervenieren würde, wären die Verluste längst noch größer.
Der Euro steht am Freitag wieder massiv unter Druck. Gegenüber dem Dollar ist er am Nachmittag im Tief phasenweise sogar schon bis auf 1,2363 Dollar abgerutscht. Im Verhältnis zum Franken legt die europäische Gemeinschaftswährung im Tagesvergleich mit 1,4022 Franken für einen Euro zwar leicht zu. Aber das ist mehr auf psychologische Gründe denn auf eine innere Stärke zurückzuführen.
Was die Spekulanten hier im Zaum hält, ist die Nähe der psychologisch wichtigen Marke von 1,40 Franken. Denn auf diesem Niveau wird wieder verstärkt mit Interventionen zugunsten des Franken durch die Schweizer Notenbank gerechnet. „Es gibt Spekulationen darüber, dass die SNB im Märkt tätig war. Sie war zuletzt aktiv, um einen Boden im Verhältnis Euro-Franken einzuziehen. Aber wir wissen nicht genau, auf welches Niveau sie abzielen, da wir uns in bisher unerreichtem Chartterritorium bewegen“, erläutert Adam Cole von RBC Capital Markets das Handelsgeschehen.
Der Notenbankchef Philipp Hildebrand hatte in dieser Woche erst wieder darauf hingewiesen, dass man keine übermäßige Aufwertung der heimischen Währung zulassen werde. Schon seit März 2009 verfolgt man dieses Ziel, um die Geschäfte der Exporteure und damit die Wirtschaft anzukurbeln, aber auch um zu starken Deflationsdruck über fallende Importpreise zu verhindern.
Interventionen konnten neue Franken-Rekorde nicht verhindern
Trotz dieses ständigen Damoklesschwertes von Interventionen bekam man kürzlich kurzzeitig für einen Euro nur noch 1,3997 Franken. Das war gleichbedeutend mit einem Rekordtief zulasten des Euro seitdem die Einheitswährung im Jahr 1999 eingeführt worden ist. Und angesichts dieser Entwicklung beginnen auch mehr und mehr Analysten ihre Kursprognosen zu korrigieren. So hat die UBS das Kursziel bis Ende 2010 soeben von 1,42 Franken auf 1,37 Franken gesenkt. Bei JPMorgan Chase & Co. halt man sogar einen Rückgang bis auf 1,34 Franken für möglich.
Wie die meisten anderen Weltwährungen profitiert auch der Franken im Verhältnis zum Euro von den Sorgen um die Stabilität der Euro-Zone. Selbst das am vergangenen Wochenende von der EU und dem IWF geschnürte Euro-Hilfspaket von 750 Mrd. Euro konnte daran nur ganz kurz etwas ändern. Inzwischen hegt selbst der Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann wieder Zweifel an der Zahlungsfähigkeit Griechenlands und angesichts der großen Schuldenprobleme, mit denen sich andere Peripherieländer wie Spanien, Portugal, Italien und Irland herumschlagen müssen, ist es wenig verwunderlich, dass sich auch die Akteure an den Finanzmärkten große Sorgen machen. Zumal auch der Ruf der Europäischen Zentralbank ramponiert ist, nachdem diese den Ankauf von Staatsanleihen am Sekundärmarkt bewilligt hat.
Die daraus resultierende Verunsicherung dürfte den Euro weiter unter Druck halten. Trotz der jüngsten Rettungsmaßnahmen dürfte es kurzfristig nur schwer gelingen, das Vertrauen der Märkte in die Gemeinschaftswährung zurückzugewinnen. Mit Problemen in diesem Ausmaß muss sich der Franken nicht herumplagen. Und zwar auch deshalb, weil es in der Schweiz längst nicht so große Schuldenberge wie in der EU gibt (siehe Grafiken). Von einer Staatsverschuldung in Höhe von 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts können die meisten Länder in der EU jedenfalls nur träumen
In den Jahren 2007 und 2008 wurden außerdem Haushaltsüberschüsse von bis zu 2,2 Prozent verbucht und im vergangenen Jahr 2009 hat die Schweiz einen Budgetüberschuss von 0,7 Prozent des BIP erzielt. Für 2010 kann mit einem relativ geringen Fehlbetrag von 1,2 Prozent und für 2011 von 1,0 Prozent gerechnet werden.
Staatsfinanzen der Schweiz in besserer Verfassung als die der EU-Länder
Die bessere Finanzlage hebt auch Analyst Eberhardt Unger von Fairesearch lobend hervor: „In einer Zeit, in der die Berge öffentlicher Neuverschuldung in der ganzen Welt immer mehr in den Himmel wachsen, meldet das Land der Berge und Seen einen Haushaltsüberschuss. Er lässt den Finanzierungsbedarf der Eidgenossen schrumpfen, so dass geplante Anleiheemissionen abgesagt werden können. Welch ein Unterschied zu den täglichen Hiobsbotschaften aus aller Welt über die explodierenden Budgetdefizite der öffentlichen Hände.“
Mit zurückzuführen ist das solidere Finanzgebaren laut Unger auch auf einen Verfassungszusatz der Schweizer Staatsbürger, der eine Angleichung von Staatseinnahmen und -ausgaben über einen gesamten Konjunkturzyklus vorschreibt. Die sogenannte Schuldenbremse war im Dezember 2001 per Volksabstimmung angenommen worden. „Von den fundamentalen Daten über die Staatsverschuldung her betrachtet hat der Schweizer Franken CHF zu Recht eine hohe Bewertung erfahren und er dürfte diese weiter behaupten“, lautet Ungers Schlussfolgerung.
Für die Schweizer Landeswährung spricht auch die Tatsache, dass sich die Volkswirtschaft sonst in einer relativ robusten Verfassung befindet. So hat der PMI Index für das Verarbeitende Gewerbe mit 65,9 den höchsten Stand seit November 2006 erreicht. Demnach sollte die Schweizer Wirtschaft im 1. Halbjahr 2010 kräftig wachsen. Schon Ende März hatte die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich ihre Wachstumsprognose für 2010 auf 1,7 Prozent und für 2011 auf 2,2 Prozent angehoben.
Alles das zusammen spricht in der Tat für einen auch weiterhin festen Franken im Verhältnis zum Euro. Zumal auch fraglich ist, wie lange sich die Interventionen der Notenbank noch durchhalten lassen. So ist die Bilanz der Notenbank nicht zuletzt wegen dieser Aktivitäten zuletzt förmlich explodiert. Und wegen der damit verbundenen Risiken halten es die Analysten von Goldman Sachs für denkbar, dass die Notenbank mittelfristig von ihrer bisher verfolgten Devisenmarktpolitik etwas abrücken wird.
und ständig jammert man über den EURO !
Thomas Rettenmund (T_Rettenmund)
- 17.05.2010, 15:19 Uhr
Versteckte Probleme der Schweizer Währung
Tobias F. Annacker (ElCondorPasa)
- 17.05.2010, 16:15 Uhr
Hände weg!
Karl Dietrich Naumann (Huga)
- 17.05.2010, 16:29 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |