Der Schweizer Franken wertete in den vergangenen Monaten unter anderem wegen der Sorgen über die lockere amerikanische Geldpolitik und den Bedenken, mancher europäische Staat könne seinen finanziellen Verpflichtungen nicht in der erwarteten Form nachkommen, stark gegen Euro und Dollar auf.
Gemessen an der Kaufkraftparität ließ sich ein großer Teil dieser Kursentwicklung auf die Tatsache zurückführen, dass die Schweizer Währung in den Jahren zuvor stark unterbewertet war.
Franken ist elf Prozent überbewertet
Im Rahmen der Kredit getriebenen Euphorie der Jahre 2002 bis 2007 hatten Schweizer Unternehmen und Anleger ihre Geschäfte im Ausland stark expandiert und mit ihren Kapitalströmen zur Abwertungsbewegung maßgeblich beigetragen.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise führte zu einer Umkehrung der Bewegung. Sie wurde unter anderem von der Verpflichtung der großen Banken des Landes ausgelöst, ihre Bilanzen zu schrumpfen und die eingegangenen Kontrakte im Ausland - große Teile des damaligen Immobilienbooms in Osterreich, Ungarn, Polen und anderen Staaten Mitteleuropas wurden in Schweizer Franken finanziert - abzusichern. Dazu kamen Spekulanten, die mit Vehemenz auf den Aufwertungstrend des Frankens aufsprangen.
Gerade zu Ende des vergangenen Jahres hin hatte dieser Trend noch einmal an Dynamik gewonnen und zu Rekordkursen von bis zu 1,2482 Franken je Euro geführt. Weitere Kursgewinne des Frankens sind nicht ausgeschlossen, auch wenn es in den vergangenen Tagen zu einer leichten Gegenbewegung auf bis zu 1,2655 Franken je Euro kam. Denn die Schuldenkrise in Europa ist mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht ausgestanden. Sollte es zu weiteren Turbulenzen kommen, wird der Franken als „Krisenwährung“ mit großer Wahrscheinlichkeit wieder gefragt werden, zumal Widerstand von der Notenbank kaum zu erwarten ist. Denn sie hat Mitte des vergangenen Jahres zu früh, zu stark und vor allem auch zum falschen Zeitpunkt - und damit vergeblich - interveniert und sitzt auf einer beachtlichen, verlustreichen Fremdwährungsposition.
Euro-Calls sind halb so teuer wie Puts
Auf der anderen Seite ist der Franken jedoch gemessen an den Verbraucherpreisen im Verhältnis zum Euro um elf Prozent überbewertet. Aus Bewertungssicht lägen Spekulationen auf eine Abwertung des Frankens gegen den Euro nahe, sollte sich die Lage an den europäischen Finanzmärkten beruhigen. Zum Beispiel dann, wenn politisch endlich klare Fakten geschaffen und Gläubiger in angemessener Form an der unvermeidlichen Schuldrestrukturierung in Irland, Griechenland, Portugal und eventuell auch Spanien beteiligt werden. Sie haben sich verzockt und sollten deswegen auch die Konsequenzen tragen.
Solche Wetten nicht nur wegen der Überbewertung der Schweizer Währung reizvoll, sondern auch wegen einer extrem einseitigen Positionierung des Optionsmarktes. Grundsätzlich ist die Euro-Franken-Volatilität in den vergangenen Monaten zwar sehr deutlich gestiegen. Allerdings ist sie bei Franken-Verkaufsoptionen (aus dem Geld) mit einer Laufzeit von einem Jahr nur halb so hoch, wie bei Franken-Kaufoptionen. Das heißt, Call-Optionen auf den Euro beziehungsweise Put-Optionen auf den Franken sind nicht gar so teuer wie Wetten auf eine weitere Aufwertung. Der Blick auf die Volatilitätsstruktur zeigt zudem, dass der Markt im laufenden Jahr mit weiteren Turbulenzen und danach mit einer Beruhigung rechnet.
Der CHF - schon wieder negative CHF-Zinsätze?
Fionn Huber (fionn)
- 05.01.2011, 19:51 Uhr
Put - Call Parität
Thomas Mirbach (lurkius)
- 05.01.2011, 21:53 Uhr
Put-Call-Parität funktioniert meist nur in der Theorie
Christof Leisinger (leisinger)
- 05.01.2011, 22:24 Uhr
PPP = Purchasing Power Parity zeigt Franken klar überbewertet
Herman Kohlgraf Medeco (SGEagle)
- 05.01.2011, 22:49 Uhr
@ Christof Leisinger
Thomas Mirbach (lurkius)
- 06.01.2011, 00:04 Uhr