17.06.2010 · Der Schweizer Franken bleibt stark. Am Donnerstag legt er gegen den Dollar und den Euro wieder zu, nachdem die Schweizerische Nationalbank nach den erfolglosen Interventionen der vergangenen Monate zumindest verbal kapituliert hat.
Der Schweizer Franken bleibt stark. Am Donnerstag legt er vor allem gegen den amerikanischen Dollar, aber auch gegen den Euro wieder zu, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) nach den massiven, jedoch bisher erfolglosen, Interventionen der vergangenen Monate gegen eine Aufwertung zumindest verbal kapituliert hat.
Die Abschwächung des Kurses des Euro gegenüber dem Franken wirke sich zwar bremsend auf die Exportaktivität aus. Diese werde aber von der wachsenden Auslandsnachfrage gestützt. Angesichts dieser erfreulichen Entwicklungen sei in der Schweiz das Deflationsrisiko weitgehend verschwunden, erklärte sie.
Hat die Schweizer Zentralbank verbal gegen die Märkte kapituliert ...
Die Formulierung einer „übermäßigen Aufwertung des Frankens entschieden zu begegnen“ fehlte in ihren jüngsten Äußerungen nach ihrer Zins entscheidenden Sitzung, in welcher sie den Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent beließ. Sie erklärte lediglich, im Falle erneuter Deflationsgefahren alle notwenigen Maßnahmen ergreifen würde, um die Preisstabilität zu gewährleisten.
Dieser Schritt sei aus mehreren Gründen nachvollziehbar, erklären die Währungsanalysten der Commerzbank. So wachse die Schweizer Wirtschaft trotz des starken Franken kräftig, die Deflationsrisiken seien deutlich zurückgegangen und weitere Interventionen hätten die Risiken noch erhöht, die die bereits massiv auf zuletzt 230 Milliarden Franken gestiegenen Währungsreserven mit sich brächten. Die Devisenmarktinterventionen hätten zu einem enormen Anstieg der Zentralbankgeldmenge geführt, die mittelfristig Inflationsrisiken mit sich brächten, heißt es weiter. Dies gelte insbesondere, da in der Schweiz die breiteren Geldmengen bereits kräftig gestiegen seien.
Darüber hinaus trockne das normale Refinanzierungsgeschäft der SNB aus, was es schwierig mache, in Zukunft Zinserhöhungen durchzusetzen. Weitere Interventionen hätten die Glaubwürdigkeit der Zentralbank beschädigt. Die SNB werde in den kommenden Monaten voraussichtlich einen größeren Teil der Frankenliquidität mit der Ausgabe von Schuldverschreibungen abschöpfen. Dann dürfte sich der 3-Monats-Libor auch wieder seinem Zielwert von 0,25 Prozent annähern, während er derzeit unter 0,10 Prozent liege.
.... oder baut sie eine „Bullenfalle“ auf?
Die Aufwertung des Frankens wirkt geldpolitisch zwar restriktiv und kann auf diese Weise eine Zinserhöhung ersetzen. Allerdings dürfte die Notenbank darüber nur bedingt glücklich sein, da tiefe Zinsen in der Schweiz zu einem Immobilienboom und möglicherweise sogar zu einer Blase führen könnten, fürchten zumindest die Analysten der Bank Sarasin. Sie rechnen erst dann mit Zinserhöhungen in der Schweiz, wenn der Aufwertungsdruck auf den Franken abebben und sich der Euro erholen werde.
Mit unkonventionellen Methoden, wie negativen Zinsen, dem Verbot ungedeckter Leerverkäufe oder gar Kapitalrestriktionen, wie sie die Schweiz den 70er Jahren eingesetzt hat, rechnen sie nicht. Denn ihr Erfolg war bescheiden, indem sie damals eine Aufwertung nicht verhindern konnten.
Unter diesen Rahmenbedingungen scheint eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens gegen den Euro nicht ausgeschlossen zu sein. Zumindest so lange, bis sich die Lage rund um den Euroraum stabilisiert hat und die Risikoaversion wieder etwas zurückgegangen ist. Auf der anderen Seite ist nicht ausgeschlossen, dass die SNB so etwas wie eine „Bullenfalle“ aufbaut: Sie verlockt Spekulanten zum Aufbau von Franken-Positionen, um sie bei ersten Indikationen auf eine nachlassende Exportnachfrage mit massiven Interventionen zu überraschen. Nur auf diese Weise ließe sich eine Trendwende erreichen.
Die SNB ist nicht Goldman-Sachs
Wolfgang Albig (Xanderl)
- 21.06.2010, 02:14 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |