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Devisenmarkt Der Euro zieht wieder nach oben

02.07.2007 ·  Nach einer kurzen Zwischenkonsolidierung zieht der Euro gegen den amerikanischen Dollar seit ein paar Tagen wieder kräftig nach oben. Veränderte Zinserwartungen und Diversifikationsbestrebungen sind die Gründe.

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Nach einer kurzen Zwischenkonsolidierung zieht der Euro gegen den amerikanischen Dollar seit ein paar Tagen wieder kräftig nach oben. Ausgehend von einem kurzfristigen Zwischentief bei 1,3294 Euro je Dollar am dreizehnten Juni hat er inzwischen wieder 300 Stellen auf zuletzt 1,3591 zugelegt.

Damit hat er inzwischen nicht nur den sehr kurzfristigen Abwärtstrend wieder überwunden, sondern auch den mittel- und den langfristigen Aufwärtstrend fortgesetzt. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis er ein neues Allzeithoch markiert, das jüngste wurde am 30. April mit 1,3668 Dollar je Euro erreicht.

Veränderte Zinserwartungen und Diversifikationsbestrebungen ziehen den Euro nach oben

Die Ursachen für diese Kursentwicklung lassen sich relativ einfach ausmachen. Erstens hat der vorübergehende Konjunkturoptimismus mit Blick auf die amerikanische Wirtschaft und damit die Zinserhöhungserwartung nach der jüngsten Sitzung des zinsentscheidenden Gremium der amerikanischen Zentralbank wieder abgenommen. Die Terminkontrakte auf kurzfristige amerikanische Zinsen zeigen, dass die Marktteilenehmer in diesem Segment schon länger auf eine Zinssenkung in Amerika spekulieren. Die jüngste geldpolitische Lageeinschätzung scheint diese Erwartung zu bestätigen.

Da die Marktteilnehmer in Europa dagegen mit weiteren Zinserhöhungen rechnen, entwickeln sich die Zinserwartungen gegenwärtig gegen den Dollar und für die europäischen Währungen wie den Euro, das britische Pfund oder auch die norwegische Krone in die entsprechende Richtung. Beinahe überall in Europa scheinen die Zentralbanken beinahe noch restriktiver zu werden, als die Anleger es wahrhaben wollten.

Das ist jedoch nicht alles. Denn gleichzeitig scheinen die Diversifikationsbestrebungen internationaler institutioneller Anleger den Euro ebenfalls zu beflügeln. Aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffpreise sowie der festen oder „teilfesten“ Bindung vieler Währungen in Handelsüberschussstaaten laufen vor allem in rohstoffreichen Ländern und den „Produktions-Plattformen“ massive Währungsreserven auf, die an den internationalen Finanzmärkten angelegt werden. Immer mehr dieser Anleger sind offensichtlich der Ansicht, dass der amerikanische Dollar weiter abwerten wird. Aus diesem Grund tendieren sie zu Anlagen in anderen Währungen oder in physischen Anlageformen.

Eine Analyse des internationalen Währungsfonds zeigt, dass die Dollarreserven im ersten Quartal im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 4,1 Prozent auf 2,24 Billionen Dollar angewachsen sind. Dagegen haben die Euroreserven in der gleichen Periode um 5,8 Prozent zugenommen. Der Anteil der europäischen Einheitswährung an den internationalen Währungsreserven lag im ersten Quartal bei einem Rekordwert von 26,1 Prozent, während gleichzeitig der Anteil des Dollars von 64,6 auf 64,2 Prozent gefallen ist.

Hohe Lohnforderungen in Europa dürften die europäischen Zinserwartungen unterlegen

Kritische Analysten halten es für möglich, dass der Verkauf von chinesischen Anleihen im Wert von 200 Milliarden Yuan und der Aufbau eines Regierungsfonds zur Diversifikation der chinesischen Währungsreserven dazu führen kann, dass der Dollar künftig weniger stark gefragt sein wird als in der Vergangenheit. Im Gegensatz dazu wurden die auflaufenden Währungsreserven vieler Staaten bislang beinahe routinemäßig in amerikanische Rentenpapiere reinvestiert. Auf diese Weise wurde nicht nur der Dollar gestützt. Auch die amerikanischen Zinsen und Renditen blieben so lange Zeit unnatürlich tief.

Kurzfristig kann auch die Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt zur Stärke des Euro beitragen. Denn hohe Lohnforderungen in Verbindung mit einer ausgeprägten Streikbereitschaft können die Europäische Zentralbank zu restriktiven Strategien zwingen. Hohe Lohnsteigerungen kontern nicht nur die Produktivitätsfortschritte, die zum gegenwärtigen Wirtschaftsaufschwung beigetragen haben, sondern dürften zu einer Preisspirale führen und die Inflationsrate unweigerlich nach oben treiben. Genau das muss und möchte die Zentralbank verhindern.

Denn sollten sich die Marktteilnehmer erst einmal an steigende Löhne und Preise gewöhnt haben, so kann diese Entwicklung sich verstärken und außer Kontrolle geraten. Kritisch wird es vor allem im Öffentlichen Sektor, der häufig ineffizient arbeitet, so gut wie nicht zum Produktivitätswachstum beiträgt und sich bei Lohnforderungen trotzdem gerne an der Lohnentwicklung bei erfolgreichen Unternehmen orientiert. Das kann die Lage nur noch verschärfen. Insgesamt deutet gegenwärtig vieles auf neue Rekordkurse zwischen Euro und Dollar hin.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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